Stuttgart. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) fordert weitreichende staatliche Eingriffe im Umgang mit Tabak-, Nikotin- und Vape-Produkten. Die Internisten plädieren für klare Werbeverbote, eine strengere Regulierung neuer Nikotinprodukte und Verkaufsbeschränkungen zum Schutz der Bevölkerung. Die Forderungen erhebt die Fachgesellschaft in einer Mitteilung zur WHO-Tabakkonferenz.
Die DGIM begründet ihre Forderung mit dem breiten Spektrum innerer Erkrankungen, das mit dem Konsum von Tabak und neuen Nikotinprodukten verbunden ist. Es sei unzweifelhaft, dass Rauchen und Vaping zahlreiche Erkrankungen begünstigen. Die gesundheitlichen Schäden seien seit Jahren gut dokumentiert. Die WHO-Tabakkonferenz biete eine gute Gelegenheit, die Regulierung von traditionellen Tabakprodukten sowie von E-Zigaretten, Einweg-Vapes und Nikotinbeuteln voranzutreiben.
Werbeverbote sollen Markteinflüsse auf Jugendliche reduzieren
Ein zentraler Punkt der DGIM-Forderungen betrifft Werbung und Marketing. Die Fachgesellschaft spricht sich für umfassende Werbeverbote aus, um insbesondere Jugendliche weniger den Einflüssen der Tabak- und Nikotinindustrie auszusetzen. Nach Einschätzung der DGIM tragen sichtbare Werbeflächen, digitale Marketingstrategien und visuelle Produktinszenierungen dazu bei, junge Konsumenten gezielt anzusprechen. Die DGIM sieht in solchen Maßnahmen einen relevanten Faktor für den Einstieg in den Konsum von Tabak- und Nikotinprodukten.
Auch Aromastoffe geraten nach Angaben der DGIM zunehmend in den Fokus der Regulierung. Die Fachgesellschaft spricht sich für ein Verbot solcher Zusätze aus, weil geschmacksverstärkende Stoffe insbesondere junge Menschen zum Ausprobieren motivieren und darüber hinaus im Verdacht stehen, nach dem Erhitzen schädliche Substanzen zu bilden. Die DGIM verweist hierbei auf Erkenntnisse aus toxikologischen Untersuchungen, die nahelegen, dass manche Aromakomponenten im Aerosol von E-Zigaretten potenziell krebserregende Stoffe freisetzen können.
Strengere Verkaufsbeschränkungen sollen Zugangsmöglichkeiten verringern
Neben Werbeverboten fordert die DGIM strengere Zugangsbeschränkungen zu Tabak- und Vape-Produkten. Sie hebt hervor, dass die bisherigen Regelungen vielfach nicht ausreichten, um Jugendliche und junge Erwachsene vor gesundheitlichen Risiken zu schützen. Verkaufsbeschränkungen, beispielsweise durch eine Alterskontrolle, durch Einschränkungen von Verkaufsorten und durch erhöhte Anforderungen an Online-Verkaufsplattformen, könnten nach Ansicht der DGIM den Zugang erheblich erschweren.
Die Fachgesellschaft verweist in diesem Zusammenhang auch auf die zunehmende Verfügbarkeit von Einweg-Vapes und Nikotinbeuteln, die nach ihrer Auffassung aufgrund ihrer Produktgestaltung und Verfügbarkeit besonders attraktiv für jüngere Zielgruppen seien. Das gelte sowohl für die Gestaltung als auch für die Preisstruktur dieser Produkte. Die DGIM betont, dass eine strengere Regulierung notwendig sei, um einen unkontrollierten Markt zu verhindern.
Gesundheitliche und ökonomische Folgen des Konsums
Die DGIM stellt in ihrer Mitteilung zudem gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen des Tabakkonsums gegenüber. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums entstehen durch tabakbedingte Erkrankungen jährlich direkte Behandlungskosten in Höhe von mehr als 30 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu liegt der jährliche Ertrag der Tabaksteuer bei rund 15 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung weiterer indirekter Kosten – dazu zählen Produktivitätsverluste, Frühverrentung und Pflegekosten – beläuft sich der gesamtwirtschaftliche Schaden nach Angaben der DGIM auf nahezu 100 Milliarden Euro pro Jahr. Die DGIM verweist darüber hinaus auf das individuelle Leid der Betroffenen, nennt Herz- und Kreislauferkrankungen, verschiedene Krebsarten, Atemwegserkrankungen, Stoffwechselstörungen und Nierenschädigungen als Beispiele und weist darauf hin, dass das Spektrum der Erkrankungen umfangreich und medizinisch gut belegt sei. Die Fachgesellschaft ordnet die gesundheitlichen Folgen in den Zusammenhang der inneren Krankheitsbilder ein, die in der stationären und ambulanten Versorgung große Teile der Behandlungskapazitäten beanspruchen.
Konferenz in Panama als internationaler Bezugspunkt
Die bevorstehende WHO-Tabakkonferenz (COP10) in Panama bildet für die DGIM einen wichtigen Rahmen, ihre Forderungen zu formulieren. Sie weist darauf hin, dass die internationale Staatengemeinschaft Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums bereits seit vielen Jahren diskutiert und weiterentwickelt. Deutschland solle die Beschlüsse der Konferenz nach Auffassung der DGIM aktiv unterstützen und nationale Regelungen entsprechend anpassen. Der internationale Austausch über wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Maßnahmen bilde eine wesentliche Grundlage für einheitliche Mindeststandards im Umgang mit Schadstoff- und Nikotinprodukten.










