Wie hilfreich könnten Biomarker bei der Diagnose einer bipolaren Störung sein?

Viele an bipolarer Störung Leidende erhalten zunächst eine Fehldiagnose. Während depressiver Phasen suchen sie ärztliche Hilfe, doch in 40% der Fälle wird irrtümlich eine Major Depression diagnostiziert, was eine optimale Behandlung verhindert. Eine Studie zielte nun darauf ab, metabolomische Biomarker zu finden, die eine präzisere Unterscheidung zwischen bipolarer Störung und Major Depression während depressiver Episoden ermöglichen.

Diagnostik Blut Labor

Fehldiagnosen bei Bipolarer Störung

Weil die Symptome der Bipolaren Störung (bipolar disorder [BD]) häufig uneindeutig sind und Patienten insbesondere in depressiven Phasen Hilfe suchen, werden die Betroffenen häufig fehldiagnostiziert. Fast 40% erhalten zunächst die Diagnose einer Major Depression (major depressive disorder [MDD]).

Optimierung der Diagnostik durch Biomarker-Profil

Das Biomarker-Profilng bietet einen vielversprechenden Ansatz, diese Herausforderungen zu überwinden und eine frühere sowie objektivere Differenzialdiagnose von Stimmungsstörungen zu ermöglichen.

Studie analysierte spezifische Biomarkerprofile bei Bipolarer und Unipolarer Depression.

Forscher versuchten, in einer Studie, durch die Identifizierung und Validierung einer metabolomischen Signatur in getrockneten Blutproben (dried blood spot test [DBS] BD von MDD zu unterscheiden.

Die Studie schloss 241 Patienten mit kürzlich (in den letzten fünf Jahren) diagnostizierter MDD und aktuellen depressiven Symptomen ein. Die Teilnehmer füllten einen umfassenden Online-Fragebogen aus und schickten eine Nüchternblutprobe für die Analyse von 630 Metaboliten ein.

Die Studienkohorte setzte sich aus 241 Teilnehmern zusammen, die aktuell depressive Symptome zeigten und innerhalb der letzten fünf Jahre mit MDD diagnostiziert worden waren. Die Diagnose der MDD wurde in 72,2% der Fälle bestätigt, während sie bei 27,8% auf BD korrigiert wurde. Die Vergleichsgruppe bestand aus 30 Personen, die zum Zeitpunkt der Probenentnahme depressive Symptome aufwiesen und im Verlauf des darauffolgenden Jahres entweder eine BD-Diagnose (30%) oder eine Bestätigung ihrer MDD-Diagnose (70%) erhielten.

Metabolite, Symptomatik und weitere Daten wurden erhoben.

Die Datenanalyse bezog sich auf 290 DBS-Metabolite aus 19 biochemischen Klassen und Fragebogendaten aus neun Kategorien: demografische Charakteristika, psychiatrische Vorgeschichte, manische Symptome, depressive Symptome, komorbide psychiatrische Symptome, Persönlichkeitsmerkmale sowie einzelne Parameter aus drei Skalen zur Depression.

Klinischer Nutzen der Biomarker

Das endgültige Modell bestand aus 17 Biomarkern, wobei Ceramid d18:0/24:1 als wichtigster Biomarker hervorstach. Ceramide wurden als die relevanteste Analytklasse identifiziert.

Die identifizierten Biomarker korrelierten primär mit lebenszeitlichen manischen Symptomen und psychiatrischer Vorgeschichte und die Analyse zeigte, dass bei relevanten diagnostischen Schwellenwerten die Einbeziehung von Biomarkern zur zusätzlichen Identifizierung der BD führen kann.

Verbesserung der Diagnose durch Biomarker

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Einbeziehung von Biomarkern in diagnostische Modelle, die auf selbstberichteten Patientendaten basieren, deren Fähigkeit verbessert, eine fehldiagnostizierte BD von einer MDD während Episoden depressiver Stimmung zu unterscheiden. Das kann möglicherweise zu klinisch relevanten Verbesserungen führen.

Der zusätzliche Wert der Biomarker war besonders in Szenarien deutlich, in denen Daten über psychiatrische Symptome nicht verfügbar waren sowie bei intermediären diagnostischen Schwellenwerten. Das deutet darauf hin, dass Biomarkertests insbesondere Patienten zugutekommen könnten, die ihre Symptome nicht beschreiben können und deren Diagnosen unsicher sind.

Limitationen schränken Aussagekraft der Studie ein.

In der Studie fehlt es an Daten zu möglichen Störfaktoren wie Ernährung und Blutdruck, die Teilnehmer waren überwiegend weiß und alle waren bereits mit MDD diagnostiziert, was nicht auf alle BD-Patienten zutrifft und die Übertragbarkeit in die klinische Realität nur eingeschränkt möglich macht. Zudem basiert sie auf selbstberichteten Informationen der Patienten und stützt sich auf eine kleine Kontrollkohorte.

Biomarker-Signatur vielversprechend für Differenzialdiagnostik währen depressiver Phasen.

Diese Studie konnte eine reproduzierbare Biomarkersignatur im Patienten-DBS entdecken, die eine BD von der MDD während depressiver Phasen effektiv unterschied und die Vorhersagekraft diagnostischer Modelle, die auf Patientenangaben basieren, unterstützte. Sie betont die Bedeutung von Biomarkertests für präzisere Diagnosen bei BD und MDD.

Autor:
Stand:
18.03.2024
Quelle:

Tomasik et al. (2024): Metabolomic Biomarker Signatures for Bipolar and Unipolar Depression. JAMA Psychiatry; DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2023.4096

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