Depression im Alter: Risiko für gefährliches Fahrverhalten?

Eine aktuelle Studie zeigt, dass ältere Menschen mit depressiven Störungen häufiger riskant fahren als ihre Altersgenossen ohne Depression.

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Autofahren im Alter

Bis 2050 sollen weltweit 400 Millionen Menschen über 65 Jahre alt sein. Mit der steigenden Zahl älterer Menschen wächst auch die Bedeutung der Frage, wie altersbedingte Erkrankungen die Verkehrssicherheit beeinflussen. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2050 rund 25 % aller Autofahrer über 65 Jahre alt sein. Ältere Fahrer verursachen im Vergleich zu ihren jüngeren Altersgenossen (25–64 Jahre) häufiger Unfälle. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Nebenwirkungen von Medikamenten, kognitiver Abbau durch Demenz oder auch die Auswirkungen von Depressionen können eine Rolle spielen.

Depression im Alter – ein häufiges Problem

Eine Meta-Analyse zeigt, dass weltweit etwa 28 % der älteren Erwachsenen an Depressionen leiden. In den USA betrug die Prävalenz 13 % im Jahr 2022, wobei Frauen häufiger betroffen waren als Männer. Depressionen im Alter werden meist durch biologische und psychosoziale Faktoren ausgelöst, beispielsweise durch gesundheitliche Beeinträchtigungen oder den Verlust von Angehörigen.

Zusammenhang zwischen Depression und Fahrverhalten im Alter

Eine prospektive Kohortenstudie der Washington University School of Medicine untersuchte das Fahrverhalten von 395 Teilnehmern über 65 Jahren, von denen 85 an einer Depression litten. Mithilfe eines Fahrzeug-Datenloggers wurde das Fahrverhalten über mehr als ein Jahr analysiert. Das Ergebnis: Depressive Fahrer zeigten ein deutlich riskanteres Fahrverhalten. Sie bremsten abrupt, bogen schneller ab und legten größere Strecken zurück. Zudem fuhren sie häufiger an zufällige Orte, was auf ein unregelmäßiges Fahrverhalten hinwies. Es kam vermehrt zu Geschwindigkeitsüberschreitungen und längeren Fahrzeiten. Diese Verhaltensweisen erhöhen das Unfallrisiko, da die betroffenen Fahrer oftmals keine Anpassungen an ihre veränderten Fähigkeiten vornehmen, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Die Ergebnisse traten unabhängig von der Einnahme von Medikamenten auf, was die direkte Verbindung zwischen Depression und Fahrverhalten unterstreicht.

Depression beeinflusst die Selbstregulierung

In der Regel passen ältere Menschen ihr Fahrverhalten an altersbedingte Einschränkungen an, etwa durch Vermeidung von Nachtfahrten, dichtem Verkehr oder Fahrten bei schlechten Wetterverhältnissen. Die Studie zeigt jedoch, dass ältere Menschen mit Depressionen diese Selbstregulierungsstrategien seltener anwenden. Dies könnte auf eine eingeschränkte Einsicht in die eigenen Fähigkeiten im Rahmen der Erkrankung zurückzuführen sein.

Psychische Gesundheit entscheidend für die Verkehrssicherheit

Die Studienergebnisse machen deutlich, dass Depressionen das Risiko für riskantes Fahrverhalten und mögliche Unfälle erhöhen. Da ältere Menschen weiterhin auf das Autofahren angewiesen sind, um u. a. ihre soziale Teilhabe und Zugang zu Gesundheitsdiensten aufrechtzuerhalten, ist es notwendig, gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von Depressionen im Alter sind hierbei von zentraler Bedeutung. Ergänzend dazu könnten Programme zur Förderung sicherer Mobilität und regelmäßige Überprüfungen der Fahrtauglichkeit dazu beitragen, das Unfallrisiko zu senken und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.

Autor:
Stand:
27.02.2025
Quelle:

Babulal, G. M. et al. (2024): Major Depressive Disorder and Driving Behavior Among Older Adults. JAMA Network Open. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.52038.

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