Kindheitstraumata beeinflussen das Therapieansprechen
Menschen mit traumatischen Erlebnissen in ihrer Kindheit haben ein erhöhtes Risiko an einer chronischen Depression zu erkranken. Es gibt Hinweise darauf, dass ein Kindheitstrauma in der Vorgeschichte von Patienten mit Depression, auch ihr Ansprechen auf die Behandlung beeinträchtigt. Diese Patienten sollen häufiger unter Residualsymptomen und Rückfällen leiden als Patienten ohne Kindheitstrauma. Dies könnte auf ein schwaches Grundvertrauen zurückzuführen sein, das durch eine gestörte Bindungsentwicklung entstanden ist und möglicherweise den Aufbau einer produktiven therapeutischen Beziehung erschwert.
Heterogene Ergebnisse in Metaanalysen
Eine weitere Hypothese besagt, dass eine psychoanalytische Therapie bei Depressions-Patienten mit Kindheitstrauma bessere Ergebnisse erzielen könnte als eine kognitive Verhaltenstherapie. Dies wird damit begründet, dass die gezielte Aufarbeitung der traumatischen Kindheitserfahrungen in der psychoanalytischen Therapie den Patienten helfen könnte, die Ursachen ihrer aktuellen Probleme besser zu verstehen und zu bewältigen. Bisherige Meta-Analysen, die den Vergleich zwischen psychoanalytischer Therapie und kognitiver Verhaltenstherapie bei Patienten mit Kindheitstrauma untersuchten, lieferten jedoch uneinheitliche Ergebnisse.
Es wird zudem vermutet, dass langfristige Therapiesettings im Vergleich zu kurzfristigen Behandlungen die Bildung einer produktiven therapeutischen Allianz bei Patienten mit Kindheitstraumata besser unterstützen könnten. Allerdings gibt es bisher zu wenige Langzeitstudien, um diese Hypothese zu untermauern.
Langzeitstudie vergleicht Therapien bei Depression
Die LAC-Depressionsstudie untersucht die Ergebnisse psychoanalytischer und kognitiv-verhaltenstherapeutischer Langzeittherapien bei chronisch Depressiven in einem naturalistischen Setting. Die Studie, die unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) und der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) unterstützt wird, läuft seit 2007 an verschiedenen Zentren in Deutschland. Eine aktuelle Subgruppenanalyse der LAC-Studie, die von der Psychologin M.Sc. Lina Krakau und ihrem Team durchgeführt wurde, wurde im British Journal of Psychiatry veröffentlicht..
Hypothese der aktuellen Subgruppenanalyse
In der aktuellen Subgruppenanalyse der LAC-Studie haben die Autoren die Auswirkungen einer psychoanalytischen Therapie im Vergleich zu einer kognitiven Verhaltenstherapie bei chronischen Depressionen bei Erwachsenen mit Kindheitstraumata in der Vorgeschichte untersucht. Sie erwarteten in dieser Patienten-Gruppe eine stärkere Symptomreduktion bei der psychoanalytischen Therapie im Vergleich zur kognitiven Verhaltenstherapie.
Nachbeobachtung über fünf Jahre
In die Analyse wurden die Daten von 210 Erwachsene eingeschlossen, die in einem ambulanten Setting eine offene kognitive Verhaltenstherapie oder eine psychoanalytische Therapie erhielten. Die Patienten wurden über fünf Jahre jährlich mit dem Beck Depression Inventory-II, einem Instrument zur Beurteilung der Schwere der Depression, untersucht. Auf der Grundlage eines linearen gemischten Modells wurde das von den Teilnehmern angegebene Kindheitstrauma anhand des Childhood Trauma Questionnaire als Prädiktor und Moderator des Behandlungsergebnisses geprüft.
Abnahme der Depression bei allen Teilnehmern
Rund 54% der Teilnehmer berichteten von einem zumindest moderaten Grad emotionaler Vernachlässigung; etwa 43% von einem emotionalen Missbrauch in ihrer Kindheit. Etwa ein Drittel hatte physische Vernachlässigung, 16% körperliche Misshandlung erlebt. Rund ein Viertel war sexuell missbraucht worden.
Die Depressionssymptome der Teilnehmer nahmen im Lauf der Zeit insgesamt statistisch signifikant ab. Über alle Modelle hinweg wurde dabei beobachtet, dass ein höherer Schweregrad der Symptome Baseline auch eine durchgängig höhere Schwere der Symptome während der Behandlung vorhersagte. Eine signifikante dreifache Interaktion zwischen Kindheitstrauma, Zeit und Therapiegruppe deutet darauf hin, dass Teilnehmer mit Kindheitstrauma von einer psychoanalytischen Therapie profitierten.
Weitere Studien sind erforderlich
Kindheitstraumata wurden in vorangegangenen Studien als Indikatoren für eine negative Prognose bei der Behandlung von Depressionen identifiziert. Die Ergebnisse der aktuellen Subgruppenanalyse deuten auf einen unterschiedlichen Nutzen der psychoanalytischen Therapie im Vergleich zur kognitiven Verhaltenstherapie bei Erwachsenen mit chronischen Depressionen und einer traumatischen Vorgeschichte in der Kindheit hin.
Prospektive, randomisierte Studien sind erforderlich, um diese Zusammenhänge und darüber hinaus die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Arten von Kindheitstraumata und dem Ansprechen auf unterschiedliche Therapieformen weiter zu untersuchen. Die Ergebnisse aus solchen Studien könnten zu einer Personalisierung der Therapie schwerer Depressionen beitragen.










