Erhöhtes Infektionsrisiko bei therapieresistenter Depression im Jugendalter

Jugendliche mit therapieresistenter Depression haben ein erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen. Eine Kohortenstudie zeigt, dass diese das Risiko schwerer bakterieller Infektionen und Septikämien deutlich steigert.

Kind in Klinik

Depressionen bei Jugendlichen als wichtiger Belastungsfaktor der körperlichen Gesundheit

Major-Depressionen (MDD) zählen bei Jugendlichen zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen mit einer Prävalenz von etwa 4–6 %. Sie sind nicht nur mit erheblichen psychosozialen Folgen, sondern auch mit einem erhöhten Risiko körperlicher Erkrankungen verbunden. Die Krankheitslast steigt insbesondere dann, wenn depressive Episoden nicht auf eine leitliniengerechte Therapie ansprechen. Therapieresistente Depressionen (TRD) im Jugendalter sind dabei ein Prädiktor für schwere und länger andauernde Krankheitsverläufe, häufigere Hospitalisierungen und ausgeprägte Komorbiditäten.

Parallel dazu sind Infektionskrankheiten weiterhin eine wesentliche Ursache für Morbidität und Mortalität im Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Schwere bakterielle Infektionen (SBI) und Septikämien sind zwar selten, gehen jedoch mit erheblichen Komplikationen und einer relevanten Letalität einher.

Studie untersucht Assoziation zwischen TRD und erhöhter Infektanfälligkeit bei Jugendlichen

Es ist bekannt, dass Depressionen mit einer erhöhten Infektanfälligkeit assoziiert sind. Frühere Untersuchungen konnten zeigen, dass depressive Symptome das Risiko schwerer Infektionen steigern. Die spezifische Rolle der Therapieresistenz – also eines besonders schweren und persistierenden Krankheitsverlaufs – wurde jedoch bislang nicht systematisch bei Jugendlichen untersucht. Die nun vorliegende Studie adressiert diese zentrale Frage.

Kohortenstudie analysiert Daten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

In der retrospektiven Kohortenanalyse wurden Daten der taiwanischen National Health Insurance Research Database (NHIRD) von 2001 bis 2011 ausgewertet. Einschlusskriterien waren MDD-Diagnosen bei Jugendlichen (12-19 Jahre) und jungen Erwachsenen (20-29 Jahre) ohne vorherige schwere Infektionen. Insgesamt wurden 6.958 TRD-Fälle, 27.832 ARPD (behandlungsresponsive Depression)-Fälle und ebenso viele gematchte Kontrollen ohne MDD analysiert. TRD wurde definiert durch mindestens zwei Therapieumstellungen innerhalb eines Jahres, ARPD durch stabile Behandlung mit einem einzelnen Antidepressivum

Deutlich erhöhtes Risiko schwerer Infektionen und Septikämie bei TRD

Die Studienergebnisse zeigen eine klare Abstufung des Infektionsrisikos:

  • SBI-Inzidenz über den Follow-up-Zeitraum von 12 Jahren:
    TRD 1,3 % | ARPD 0,6 % | Kontrollen 0,1 %
  • Hazard Ratio [HR] für SBI im Vergleich zu Kontrollen:
    TRD: HR 6,99; ARPD: HR 3,90
  • HR für Septikämie:
    TRD: HR 2,85; ARPD: HR 2,56. 

Damit wird deutlich: Eine fehlende Therapieantwort verstärkt das Infektionsrisiko signifikant über das bereits erhöhte Risiko bei therapieresponsiver Depression hinaus. Am häufigsten wurden Staphylococcus, E. coli, Mycoplasma und Mycobacterium tuberculosis bei den Studienteilnehmern nachgewiesen.

Mögliche Pathomechanismen: Von Immunaktivierung bis Stressachsen-Dysregulation

Die Autoren diskutieren mehrere pathophysiologische Modelle als Erklärungsansatz für die Studienergebnisse:

  • Chronische inflammatorische Aktivierung bei MDD, ausgeprägter bei TRD, mit erhöhten proinflammatorischen Zytokinen.
  • Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, die sowohl die depressive Symptomatik als auch die Infektionsanfälligkeit begünstigen kann.
  • Beeinflussung des Darmmikrobioms, das bei TRD möglicherweise stärker verändert ist.
  • Verhaltensfaktoren, darunter reduzierte Selbstfürsorge und Risikoverhalten. 

Diese Ansätze verdeutlichen, dass TRD als Marker eines systemische Belastung des Organismus interpretiert werden kann.

Jugendliche und junge Erwachsene mit Depressionen engmaschig monitoren

Die Ergebnisse haben hohe Relevanz für die Versorgung: Jugendliche und junge Erwachsene mit TRD sollten nicht nur psychiatrisch intensiv begleitet, sondern auch hinsichtlich Infektionen engmaschig überwacht werden. Präventive Maßnahmen—z. B. Impfstatus-Überprüfung, frühe Diagnostik bei Infektanzeichen, Förderung von Adhärenz und Selbstfürsorge—könnten essenziell sein.

Therapieresistente Depressionen im Jugendalter als signifikanter Risikofaktor bakterieller Infektionen und Septikämien

Diese Kohortenstudie zeigt klar, dass TRD im Jugendalter ein signifikanter Risikofaktor für schwere bakterielle Infektionen und Septikämien ist. Damit erweitert die Studie das Verständnis der körperlichen Belastungen, die mit unzureichend behandelbarer Depression einhergehen, und unterstreicht die Notwendigkeit interdisziplinärer Versorgung und weiterer translationaler Forschung. 

Autor:
Stand:
05.01.2026
Quelle:

Li et al. (2025): Comparative analysis of the risk of severe bacterial infection and septicemia in adolescents and young adults with treatment-resistant depression and treatment-responsive depression. European Child & Adolescent Psychiatry, DOI: 10.1007/s00787-025-02684-y.

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