Gezieltes Bewegungstraining verbessert kognitive Funktion bei ADHS und Autismus

Exekutive Funktionsstörungen sind bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und Autismus-Spektrum-Störung häufig. Neben medikamentösen Ansätzen rücken bewegungsbasierte Interventionen in den Fokus – mit Erfolg, wie eine Studie zeigt.

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Exekutive Funktionen bei Kindern mit ADHS und Autismus

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betrifft weltweit etwa 8–10 % der Kinder, eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) tritt bei rund 0,6 % auf. Beide Störungsbilder sind häufig mit Defiziten der exekutiven Funktionen assoziiert, insbesondere der Inhibitionskontrolle und des Arbeitsgedächtnisses. Diese Beeinträchtigungen wirken sich negativ auf schulische Leistungen, Alltagsbewältigung und soziale Teilhabe aus.

Zusätzlich leiden bis zu 80 % der Betroffenen unter Schlafstörungen, was kognitive Defizite weiter verstärken kann. Trotz verfügbarer Pharmakotherapien besteht ein Bedarf an ergänzenden, niedrigschwelligen und alltagsnahen Interventionen.

Bewegung als nicht-pharmakologischer Therapieansatz bei ADHS und Autismus

Akute aerobe Belastungen können bei Kindern mit ADHS kurzfristig kognitive Leistungen verbessern, insbesondere Inhibitionskontrolle und kognitive Flexibilität. Die Evidenz bei Autismus ist hingegen begrenzt und heterogen. Zudem zeigen Metaanalysen, dass Bewegungsformen mit kognitiver Beteiligung – etwa spielerische oder koordinativ anspruchsvolle Aktivitäten – stärkere Effekte auf exekutive Funktionen haben als monotone Ausdauerbelastungen. 

Unklar war bislang, ob solche Interventionen auch bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen wirksam sind, ob sie zusätzlich den Schlaf beeinflussen und wie nachhaltig die Effekte sind.

Studie vergleicht Effekte von Zirkeltraining mit Kontrollgruppe

Die randomisierte Crossover-Studie von Walters et al. untersuchte 34 Kinder mit ADHS, Autismus oder einer kombinierten Diagnose beider Störungen. Verglichen wurde ein 30-minütiges, moderat intensives, kognitiv forderndes Zirkeltraining mit einer Ruhekontrollgruppe. 

Ziel war es, akute Effekte auf exekutive Funktionen, visuelle Wahrnehmung und objektiv gemessene Schlafparameter zu analysieren. Damit adressiert die Studie eine relevante Wissenslücke hinsichtlich valider Bewegungsinterventionen im schulischen Kontext.

Bewegungszirkel verbessert exekutive Funktionen bei Kindern mit Autismus und ADHS

Das Zirkeltraining führte im Vergleich zu Ruhe zu einer besseren Aufrechterhaltung der Genauigkeit im Stroop-Test (untersucht Impulskontrolle), sowohl unmittelbar nach der Belastung als auch am Folgetag. Auch das Arbeitsgedächtnis (gemessen mittels Sternberg-Paradigma) profitierte kurzfristig. Auffällig war ein Speed-Accuracy-Trade-off: Die höhere Genauigkeit ging mit längeren Reaktionszeiten einher. Besonders ausgeprägt waren die Effekte bei komplexeren kognitiven Aufgaben, was auf eine spezifische Förderung höherer exekutiver Prozesse hindeutet.

Training ohne Effekt auf den Schlaf der Kinder

In der Studie zeigten sich keine signifikanten Veränderungen objektiver Schlafparameter wie Schlafdauer, Schlafeffizienz oder Einschlaflatenz. Damit unterscheiden sich die akuten Effekte von den in anderen Studien beschriebenen Vorteilen längerfristiger Bewegungsprogramme auf den Schlaf.

Gezielte Bewegung in den schulischen Alltag integrieren 

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass ein kurzes, kognitiv integriertes Bewegungsprogramm exekutive Funktionen bei Kindern mit ADHS und Autismus akut verbessern kann, ohne den Schlaf negativ zu beeinflussen. 

Für die klinische Praxis und den schulischen Alltag eröffnet dies die Möglichkeit, Bewegung gezielt vor kognitiv anspruchsvollen Situationen – etwa Prüfungen – einzusetzen.

Weitere Studien zu differenzierteren Analyse des Bewegungstrainings sinnvoll

Gleichzeitig zeigen die fehlenden Effekte auf den Schlaf, dass zur Beeinflussung schlafbezogener Probleme vermutlich längerfristige oder anders strukturierte Interventionen erforderlich sind. Weitere Studien mit mehr Teilnehmern sollten klären, welche Trainingsfrequenz, -intensität und -dauer optimal sind und ob sich die beobachteten Effekte auch bei anderen neurologischen Entwicklungsstörungen bestätigen lassen. Insgesamt stellt die Studie einen wichtigen Schritt hin zu praxisnahen, multimodalen Behandlungsansätzen dar.

Autor:
Stand:
27.01.2026
Quelle:

Walters et al. (2024): Effect of an acute bout of exercise on executive function and sleep in children with attention deficit hyperactivity disorder and autism spectrum disorder. Mental Health and Physical Activity, DOI: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1755296624000504 

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