Kombinationsbehandlung verlangsamt kognitiven Abbau bei Risikopatienten

Die Kombination von kognitiver Remediationstherapie plus transkranieller Gleichstromstimulation verlangsamte den kognitiven Abbau bei Personen mit erhöhtem Demenzrisiko aufgrund schwerer Depression in Remission und/oder bestehender leichter kognitiver Einschränkungen.

Transkranielle Stimulation

Kognitiver Abbau bei Depression und leichter kognitiver Beeinträchtigung

Ältere Menschen mit einer schweren Depression und/oder einer leichten kognitiven Beeinträchtigung haben ein erhöhtes Risiko für kognitiven Abbau und Demenz. Selbst Depressionen, die bereits seit Jahren in Remission sind, vergrößern das Demenzrisiko im fortgeschrittenen Alter. Es gibt Hinweise darauf, dass eine gestörte kortikale Plastizität bei Depressionen mit der Demenzentwicklung in Verbindung steht. 

Kognitive Remediationstherapie und transkranielle Gleichstromstimulation

Sowohl die kognitive Remediationstherapie als auch die transkranielle Gleichstromstimulation haben neuroplastizitätsfördernde Effekte. Die Effekte einer Kombination von kognitiver Remediationstherapie und transkranieller Gleichstromstimulation bei älteren Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen wurde bereits in einigen Studien untersucht. Keine dieser Studien dauerte jedoch länger als zwölf Wochen. Bislang gibt es keine Studien, die die Effekte der Kombinationsbehandlung auf den kognitiven Abbau bei Menschen mit schwerer Depression in Remission untersucht haben. 

Ein Team von nordamerikanischen Wissenschaftlern um Professor Dr. Tarek Rajji, Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie am Southwestern Medical Center der Universität Texas, hat nun die Studie PACt-MD durchgeführt. Ziel von PACt-MD war es zu untersuchen, ob die Kombination von kognitiver Remediationstherapie und transkranieller Gleichstromstimulation den kognitiven Abbau bei älteren Menschen mit schwerer Depression in Remission und/oder leichter kognitiver Beeinträchtigung verzögern kann.

Randomisierte klinische Studie in Lehrkrankenhäusern

PACt-MD wurde als randomisierte klinische Studie an fünf akademischen Lehrkrankenhäusern in Toronto, Kanada, durchgeführt. Die Teilnehmer waren Personen im Alter von mindestens 65 Jahren mit schwerer Depression in Remission mit oder ohne leichte kognitive Beeinträchtigungen oder Personen im Alter von mindestens 60 Jahren mit leichten kognitiven Einschränkungen ohne Depression. Die Untersuchungen erfolgten zu Beginn der Studie, im zweiten Monat und dann jährlich über einen Zeitraum von drei bis sieben Jahren (medianes Follow-up über vier Jahre). 

Kombination von Präsenzterminen und Online-Übungen

Die Kombination von aktiver kognitiver Remediationstherapie plus aktiver transkranieller Gleichstromtherapie oder die Kombination der entsprechenden Scheinbehandlungen wurden zu Beginn an fünf Tagen pro Woche für acht Wochen durchgeführt. Danach wurden die aktive Kombination und die Scheinbehandlungskombination in Fünf-Tage-Boostern zweimal jährlich aufgefrischt. Darüber hinaus wurden alle Teilnehmer dazu aufgefordert, von zu Hause online zweimal täglich über 20 Minuten Übungen im Rahmen der kognitiven Remediationstherapie machen. Die Online-Aktivität der Teilnehmer wurde mit deren Einverständnis beobachtet. 

Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung des globalen zusammengesetzten kognitiven Scores festgelegt. Zu den sekundären Endpunkten gehörten Veränderungen in sechs kognitiven Bereichen, der moderierende Effekt des „Alzheimerrisiko-Gens“ für Apolipoprotein E-ε4 (APOE-ε4) und die Progression zu leichten kognitiven Einschränkungen oder zur Demenz.

Kognitiver Abbau war bei aktiver Kombinationsbehandlung langsamer

An mindestens einer Interventionssitzung nahmen 375 Personen teil. Im Vergleich zu den Personen, die die kombinierten Scheinbehandlungen erhielten, verlief der kognitive Abbau bei den Patienten mit aktiver kognitiver Remediationstherapie plus transkranieller Gleichstromtherapie im medianen Beobachtungszeitraum von vier Jahren langsamer. 

Die aktive Kombinationstherapie verzögerte ebenfalls den Übergang von normaler Kognition zu leichter kognitiver Beeinträchtigung und von dieser zur Demenz, wenn auch nicht signifikant. Schwach signifikant positive Effekte hatte die aktive Behandlung auf Exekutivfunktionen und das verbale Gedächtnis. Die positiven Effekte waren bei den Personen mit schwerer Depression in Remission ausgeprägter als bei jenen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Darüber hinaus zeigten sich die positiven Effekte auch eher bei Personen ohne genetische Vorbelastung durch das APOE-ε4-Gen

Vielversprechender Therapieansatz

Die Studie zeigte, dass die Kombination aus kognitiver Remediationstherapie und transkranieller Gleichstromstimulation den kognitiven Abbau bei Patienten mit hohem Demenzrisiko verlangsamen kann. Bei Personen mit schwerer Depression in Remission und einem geringen genetischen Risiko für Alzheimerdepression konnte die Kombinationsbehandlung die exekutiven Funktionen akut verbessern und einer längerfristigen Verschlechterung des verbalen Gedächtnisses vorbeugen. Die vielversprechenden Ergebnisse der Studie sollten in weiteren Studien und bei verschiedenen Risikogruppen überprüft werden. 

Autor:
Stand:
20.02.2025
Quelle:

Rajji et al. (2024): Slowing Cognitive Decline in Major Depressive Disorder and Mild Cognitive Impairment: A Randomized Clinical Trial. Journal of the American Medical Association Psychiatry. DOI:10.1001/jamapsychiatry.2024.3241 

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