Postpartale Depression
Die postpartale Depression, die innerhalb von 12 Monaten nach der Geburt auftritt, ist vergleichbar mit allen schweren depressiven Episoden zu jedem Zeitpunkt im Leben einer Frau. Dennoch sind Symptome wie Ängstlichkeit, Anhedonie, aggressiv-obsessive Denkmuster, Unruhe, Konzentrationsstörungen oder Probleme bei der Entscheidungsfindung im frühen Postpartum häufiger und schwerer. Postpartale Depressionen können suizidale Gedanken bei den Betroffenen wecken und in den Suizid führen. Unter der Depression der Mutter leiden in der Regel auch das Kind und der Partner erheblich.
Psychodynamische Psychotherapie bei Depression
Psychodynamische Psychotherapien haben sich in Behandlung von Depressionen in der Allgemeinbevölkerung als wirksam bewährt. Anders als andere psychologischer Interventionen, wie z. B. kognitive Verhaltenstherapie oder interpersonelle Psychotherapie, wurde die psychodynamische Psychotherapie in der Indikation „postpartale Depression“ jedoch noch nicht reviewt. Ein Team um die Psychologin Natalia Valverde von der Fakultät für Psychologie der Universität Complutense in Madrid hat die Effekte der psychodynamischen Psychotherapie bei Prävention und Behandlung postpartaler Depression nun erstmals in einem Review zusammengefasst und evaluiert [1].
Kriterien für die Studienauswahl
Die Wissenschaftler nutzten die Datenbanken PsycINFO, Psycarticles and Pubmed um in Englisch verfügbare, quantitative Studien zu finden, die sich mit psychodynamischen Interventionen zur Behandlung oder zur Prävention postpartaler Depression beschäftigten. Der Studienbeginn konnte dabei vor der Geburt oder bis zu 12 Monate post partum liegen.
Verbesserungen in allen Studien
Aus 87 Treffern wurden 7 Studien mit insgesamt 521 Frauen ausgewählt. Davon waren drei randomisierte klinische Studien und vier Langzeitstudien. Fünf der Interventionen waren Einzeltherapien und zwei wurden in Gruppen durchgeführt. Das in fünf Studien und damit am häufigsten genutzte Tool zur Bewertung der postnatalen Depression war die Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS), die auf einem zehn Fragen umfassenden Bogen zur Selbstauskunft für die Patientinnen basiert.
Die häufigste Intervention war eine zeitlich limitierte psychodynamische Einzeltherapie (brief dynamic psychotherapy [BDP]) mit 4-12 Therapiesessions. Alle Studien wiesen darauf hin, dass sowohl kurze als auch langfristige psychodynamische Interventionen zu Verbesserungen bei den Patientinnen führten. In einer der randomisierten Studie wurde mit einer psychodynamischen Therapie gegenüber einer kognitiven Verhaltenstherapie und einer nicht-direktiven Beratung die höchste Depressions-Remissionsrate erzielt [2].
Hinweise darauf, dass eine adjuvante Therapie mit Psychopharmaka die positiven Effekte der Psychotherapie verstärkt, konnten nicht gefunden werden. Einzel- oder Gruppentherapien, ambulantes oder klinisches Setting hatten ebenfalls keinen detektierbaren Einfluss auf die Ergebnisse.
Eine abschließende Beurteilung ist nicht möglich
Der psychodynamische Ansatz spielt in der Therapie postpartaler Depressionen eine untergeordnete Rolle. Die wichtigsten Ergebnisse des Reviews liefern Hinweise, dass eine psychodynamische Therapie Frauen mit postpartaler Depression helfen und ihr Befinden verbessern kann. Insbesondere kurze psychodynamische Therapien könnten sich in dieser Indikation auch als effizient erweisen. Eine abschließende Beurteilung ist aufgrund des beschränkten Datenmaterials nicht möglich und weitere Studien zur Effektivität der psychodynamischen Psychotherapie im Vergleich zu anderen effektiven Behandlungen in dieser Indikation erforderlich.











