Major-Depressionen rezidivieren bei etwa 55% der Patienten. Gleichzeitig berichten 90% der Patienten mit Major-Depressionen über Schlafstörungen. Die Schlafstörungen treten häufig schon im Vorfeld einer Major-Depression auf. Zur genaueren Charakterisierung und Überwachung von Schlafstörungen gibt es heutzutage technische Unterstützung: Die Überwachung des Schlafes mit Schlaf-Trackern in Form von Wearables ist möglich. Diese kleinen Computersysteme, die in Form von Armbändern oder Ringen getragen werden, erfassen Daten zur Dauer, Qualität und Regelmäßigkeit des Schlafs.
Schlaf bei Menschen mit Major-Depressionen näher untersucht
Forscher um Dr. Faith Matcham, Psychologin an der University of Sussex in Großbritannien, untersuchten nun die longitudinalen Effekte verschiedener Schlafparameter auf Rezidivrate und Schwere bei Major-Depressionen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Journal of Affective Disorders“ publiziert.
Wearable erfasst Dauer, Qualität und Regelmäßigkeit des Schlafs
Die Studie nutzte Daten von Patienten mit Major-Depressionen aus der longitudinalen Beobachtungsstudie mHealth (mobile health). Erhoben wurden die Echtzeitdaten durch die Schlaftracking-Funktion des Fitness-Trackers Fitbit. Die Teilnehmer trugen den Fitbit-Tracker, welcher Daten zu Schlafdauer, Schlafqualität und Regelmäßigkeit des Schlafs erfasst. Weiterhin wurden regelmäßige Assessments der Teilnehmer per E-Mail durchgeführt.
Die mediane Follow-up-Zeit lag bei 541 Tagen. Die Assoziation zwischen den verschiedenen Schlafmerkmalen und den Depressionsindikatoren wurde mit multivariablen Regressionsmodellen geprüft. Rezidive wurden bei insgesamt 218 Personen evaluiert und die Schwere der Depression bei 393 Teilnehmern.
Schlaf-Tracking erfasst Parameter für negativen Outcome
Mehrere der untersuchten Parameter waren mit einem schlechteren Outcome assoziiert:
- Hohe Varianz der individuellen Gesamtschlafdauer#
- Stärkere Schlaffragmentierung
- Geringere Schlafeffizienz
- Stark variierende Schlafzeitpunkte.
Ergebnisse zeigen Risiko- und Schutzeffekte im Schlafmuster
Die Varianz der Gesamtschlafdauer beeinflusste sowohl die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs als auch dessen Schwere. Nahm die Gesamtschlafdauer insgesamt zu, war dies mit einer schwerer werdenden Depression assoziiert. Die Rezidivrate wurde dadurch nicht beeinflusst.
Eine stärkere Schlaffragmentierung, welche durch eine Zunahme von Wachphasen gekennzeichnet ist, steigerte das Rezidivrisiko und die Schwere der Symptome. Positive Auswirkungen hatte eine bessere Schlafeffizienz. Darunter war das Rezidivrisiko für eine Major-Depression geringer.
Besserer Schlaf könnte Rezidivrisiko bei Major-Depressionen senke
Die Ergebnisse dieser longitudinalen Beobachtungsstudie zeigen, dass mithilfe eines Schlaf-Trackers ermittelte individuelle Echtzeitdaten zur Vorhersage von Rezidiven und Schwere einer Major-Depression genutzt werden können. Nach Berechnungen der Forscher könnten Interventionen zur Verbesserung des Schlafs das Rezidiv-Risiko einer Major-Depression um 22% senken.











