Smartphonenutzung und Schlafprokrastination

Eine aktuelle Studie demonstrierte, dass eine problematische Mobilfunktelefonnutzung und die Schlafprokrastination in einer bidirektionalen Beziehung zueinanderstehen. In dieser Beziehung nimmt die Selbstkontrolle eine vermittelnde Rolle ein.

smartphonenutzung abends

Problematische Smartphonenutzung mit vielfältigen Problemen assoziiert

Mit den Fortschritten der Informationstechnologie wurden die Mobilfunktelefone immer beliebter. Smartphones haben unterschiedliche Funktionen und erfüllen die verschiedenen Bedürfnisse der Menschen wie soziale Interaktion, Unterhaltung und Informationszugang.

Wenn Menschen Schwierigkeiten bekommen die Nutzung von Smartphones zu kontrollieren, können negative Konsequenzen auftreten. Dieses Phänomen ist bekannt als problematische Smartphonenutzung (problematic smartphone use [PSU]). Hieraus können physische und mentale Probleme entstehen, wie beispielsweise reduzierte Lebensqualität, verstärkte Depressionen, Angst und Stresssymptome.

Smartphone fördert Prokrastination

Eine problematische Smartphonenutzung ist zudem stark mit einer Prokrastination assoziiert. Eine bestimmte Art der Prokrastination ist die Verzögerung des Zubettgehens, die definiert ist als das Versagen zur geplanten Zeit zu Bett zu gehen, obwohl keine äußeren Umstände die Person davon abhalten.

Rolle der mangelnden Selbstkontrolle

Dies ist mit vielen unangenehmen Konsequenzen assoziiert, wie beispielsweise Schlafproblemen, Depression und Angst. Einer der Gründe für Suchtverhalten und Prokrastinationstendenzen ist ein Mangel an Selbstkontrolle. Studien zeigten, dass die Selbstkontrolle durch eine problematische Smartphonenutzung negativ beeinflusst werden kann. Zudem ist bekannt, dass ein Mangel als Selbstkontrolle die Verzögerung der Bettgehzeit verstärkt.

Bei der Beziehung zwischen der Schlafprokrastination und problematischen Smartphonenutzung sowie der Rolle der Selbstkontrolle ist jedoch noch vieles unklar.

Studie evaluierte Beziehung zwischen PSU und Schlafprokrastination

Eine aktuelle Studie untersuchte daher die longitudinale Beziehung zwischen problematischer Handynutzung und der Verzögerung des Zubettgehens und der potentiell vermittelnden Rolle der Selbstkontrolle. In die Studie wurden die Daten von 622 Studenten eingeschlossen. Knapp die Hälfte (46,95%) war männlich. Das mittlere Alter betrug 18,16 Jahre.

PSU als positiver Prädiktor für „Bedtime Procrastination“

Die Studie konnte zeigen, dass eine problematische Mobiltelefonnutzung die spätere Verzögerung der Bettgehzeit positiv vorhersagte. Die Studienautoren führten als mögliche Erklärung an, dass dies das Resultat einer reduzierten Motivation zu schlafen sein könnte. Menschen mit problematischer Smartphonenutzung könnten die Vorteile des Schlafes als niedriger bewerten, welches die Motivation schlafen zu gehen reduzieren könnte.

Eine andere mögliche Erklärung ist, dass dieser Prozess das Resultat des Ersatzes von Schlaf ist, welcher durch die Nutzung von elektronischen Medien ohne klaren Start- und Endpunkt verursacht wurde. Menschen mit PSU versinken zudem häufig in Freizeitaktivitäten, wie beispielsweise Fernsehen schauen. Dies führt zu unbewusster Verzögerung des Schlafes.

Schlafprokrastination auch positiver Prädiktor für PSU

Die aktuelle Studie zeigte zudem, dass die Verzögerung der Bettgehzeit eine spätere problematische Handynutzung positiv voraussagte. Die Menschen, die die Bettgehzeit hinauszögern, leiden gewöhnlich unter verstärkter Müdigkeit und negativen Gefühlen. Sie regulieren häufig ihre Emotionen über die Nutzung von Handys, um Vergnügen und Zufriedenheit zu erreichen.

Zudem kann es passieren, dass durch das spätere Zubettgehen mehr Zeit für andere Aktivitäten frei wird – auch für die Smartphonenutzung, was wiederum das Risiko der Abhängigkeit vergrößert.

Selbstkontrolle vermittelt zwischen PSU und Schlafprokrastination

Die Selbstkontrolle spielte eine wichtige vermittelnde Rolle in dieser bidirektionalen prädiktiven Beziehung zwischen problematischer Smartphonenutzung und der Verzögerung des Zubettgehens. Dies spricht dafür, dass ein Versagen der Selbstregulation aufgrund einer geringeren Selbstkontrolle ein Faktor für die Entwicklung einer Schlafprokrastination sein könnte. Individuen, die das Zubettgehen hinauszögern, haben meist eine geringere Schlafdauer und schlechtere Schlafqualität, welches zur Aktivierung des präfrontalen Kortex und der exekutiven Funktionen führt, welches wiederum die Selbstkontrolle reduziert.

Studienautoren empfehlen vor exzessiver Smartphonenutzung zu warnen

Die Studienautoren empfehlen vor dem Hintergrund ihrer Studienergebnisse, dass Schulen zukünftig vor den negativen Konsequenzen der exzessiven Smartphonenutzung und den assoziierten Schlafproblemen warnen sollten. Zudem raten sie, die Schüler bei der Entwicklung der Selbstkontrolle zu unterstützen.

Autor:
Stand:
14.11.2023
Quelle:

Chen et al. (2023): Bidirectional relations between problematic smartphone use and bedtime procrastination among Chinese university students: Self-control as a mediator. Sleep Medicine, DOI: https://doi.org/10.1016/j.sleep.2023.09.033

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