Die axiale Spondyloarthritis (axSpA) betrifft vorwiegend das axiale Skelett und wird in nicht-röntgenologische axSpA (nr-axSpA) und röntgenologische axSpA (r-axSpA) unterteilt. Die nr-axSpA ist eine mildere Ausprägung der Erkrankung, bei r-axSpA hingegen - auch bekannt als Morbus Bechterew - haben sich physiologische Veränderungen manifestiert.
Diese entzündlich-rheumatischen Erkrankung manifestiert sich typischerweise bei jungen Erwachsenen im gebärfähigen Alter. Während therapeutische Strategien in den letzten Jahren weiterentwickelt wurden, ist über reproduktionsmedizinische Aspekte dieser chronisch-entzündlichen Erkrankung bislang wenig bekannt. Insbesondere die ovarielle Reserve, ein zentraler Indikator weiblicher Fertilität, wurde bislang selten untersucht. Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist hierbei ein etablierter Biomarker, der Rückschlüsse auf die ovariellen Follikelreserven erlaubt.
Zielsetzung der Studie: Vergleich mit altersgerechten Normwerten
Vor dem Hintergrund widersprüchlicher Befunde zu AMH-Spiegeln bei Patientinnen mit axSpA analysierten M. Franc et al. nun die langfristige Entwicklung der AMH-Titer im Rahmen der prospektiven Beobachtungsstudie DESIR aus Frankreich. Diese umfasste 381 TNF-Inhibitor-naive Frauen im reproduktiven Alter mit neu diagnostizierter axSpA. Ziel war es, AMH-Werte über zehn Jahre hinweg mit altersabhängigen Normdaten zu vergleichen und Zusammenhänge mit Krankheitsaktivität und Therapie zu untersuchen.
AMH-Titer in allen Altersgruppen signifikant niedriger
Insgesamt wurden 1.611 AMH-Messungen bei 358 Patientinnen durchgeführt. Das zentrale Ergebnis: Die AMH-Werte lagen in allen Altersgruppen signifikant unter den Referenzwerten der Normalbevölkerung (p < 0,01). Nur das Lebensalter zeigte in der multivariaten Analyse einen signifikanten Einfluss auf die AMH-Titer (p < 0,001). Weder Krankheitsaktivität noch medikamentöse Therapie hatten einen signifikanten Effekt auf die Hormonverläufe.
Die Clusteranalyse ergab zwei Verläufe des AMH-Abfalls zwischen 18 und 45 Jahren - ein moderater Abfall bei geringen Ausgangswerten und ein steiler Abfall bei höherem Ausgangs-AMH. Zwischen ihnen ergab sich jedoch weder hinsichtlich der Krankheitsaktivität noch der Therapien ein signifikanter Unterschied. Auch klassische Einflussfaktoren wie Body-Mass-Index, Rauchen oder systemische Entzündungsmarker (z. B. CRP, BASDAI) zeigten keinen eindeutigen Zusammenhang.
Klinische Implikationen und Forschungsbedarf
Die Ergebnisse deuten auf eine reduzierte ovarielle Reserve bei Patientinnen mit früher axSpA hin – unabhängig von bekannten Risikofaktoren. Obwohl kein direkter Zusammenhang zur Krankheitsaktivität nachweisbar war, könnte die chronisch-entzündliche Umgebung subklinische Prozesse initiieren, die die Follikelreifung oder Ovarfunktion beeinflussen.
Für die klinische Praxis bedeutet dies: Frühzeitige reproduktionsmedizinische Beratung kann insbesondere für Patientinnen mit Kinderwunsch von Relevanz sein. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Ursachen und Mechanismen aufzuklären und Strategien zum Erhalt der Fertilität zu entwickeln.









