Als Spondyloarthritis wird eine Gruppe von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bezeichnet, die sich vor allem an der Wirbelsäule, aber auch an Armen und Beinen manifestieren. Dabei wird in erster Linie zwischen axialen und peripheren Manifestationen unterschieden.
Unter dem Begriff Spondyloarthritis (SpA) werden meist die folgenden rheumatologischen, vorwiegend durch Autoimmunvorgänge vermittelten Erkrankungen verstanden, die ähnliche Symptomkomplexe und eine gemeinsame genetische Komponente aufweisen.
Axiale Spondyloarthritis (axSpA), die vorwiegend das axiale Skelett betrifft und wiederum wie folgt unterteilt wird: o Nicht-röntgenologische axSpA (nr-axSpA): frühes bzw. mildes Krankheitsstadium ohne radiologische Veränderungen o Röntgenologische axSpA (r-axSpA): Synonym für Morbus Bechterew bzw. Spondylitis ankylosans mit Nachweis von radiologischen Veränderungen
Reaktive bzw. postinfektiöse Arthritis, die nach einem Infekt auftreten kann
Undifferenzierte Spondyloarthritis, die Übergangsformen miteinschließt
Periphere Spondyloarthritis
Die axSpA gilt dabei als prototypische Erkrankung der Spondyloarthritis-Gruppe, da sie am häufigsten vorkommt und am besten untersucht ist [1-5].
Epidemiologie
Die Prävalenz von r-axSpA wird auf 0,238% in Europa, 0,167% in Asien, 0,319% in Nordamerika, 0,102% in Lateinamerika und 0,074% in Afrika geschätzt. Für die gesamte Gruppe der SpA (ohne Psoriasis-Arthritis) wird die Prävalenz in Deutschland auf 1,0-1,4% , die der r-axSpA auf 0,5% geschätzt. Für die Psoriasis-Arthritis werden Prävalenzen von 0,24%-0,32% berichtet [8]. Für die anderen Erkrankungen der Spondyloarthritis-Gruppe fehlen belastbare Daten.
In der Regel sind SpA mit dem MHC Klasse I Antigen HLA B27 assoziiert und Männer erkranken häufiger als Frauen. Da Spondyloarthritiden auch postinfektiös oder in Assoziation mit Psoriasis oder chronischen Darmerkrankungen entstehen können, erhöhen diese Erkrankungen das Risiko, an einer Spondyloarthritis zu erkranken [1,2,5].
Pathogenese
Spondyloarthritiden gelten klassischerweise als seronegative rheumatologische Erkrankungen, da der Rheumafaktor im Blut der Betroffenen negativ ist. Bei der axSpA wurden Autoantikörper gegen CD74, Sclerostin und Noggin entdeckt. Daneben scheinen Faktoren wie mechanische Belastungen und das Mikrobiom eine wichtige Rolle in der Pathogenese von Spondyloarthritiden zu spielen [3].
Symptome
Spondyloarthritiden können sich sowohl am axialen als auch amperipheren Bewegungsapparat manifestieren. Zu den wesentlichen Symptomen gehören primär chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkungen [5,6].
Axiale Manifestionen
Sakroiliitis
Spondylitis und Spondylodiszitis
Arthritis der Facettengelenke, Kostovertebralgelenke und Sternoklavikulargelenke
Die Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS) hat diagnostische Kriterien für die Diagnose von axialer bzw. peripherer Spondyloarthritis entwickelt [7].
Axiale Spondyloarthritis
Bei Patienten mit mehr als drei Monaten andauernden Rückenschmerzen und einem Beginn der Beschwerden im Alter von unter 45 Jahren kann laut ASAS die Diagnose axiale Spondyloarthritis gestellt werden, wenn a) eine Sakroiliitis durch Bildgebung nachgewiesen wurde und mind. ein Spondyloarthritis-Merkmal erfüllt ist oder b) der Patient HLA-B27-positiv ist und mind. zwei weitere Spondyloarthritis-Merkmale erfüllt.
Als Spondyloarthritis-Merkmale gelten hier:
Inflammatorischer Rückenschmerz
Arthritis
Enthesitis
Uveitis
Daktylitis
Psoriasis
Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa
Gutes Ansprechen auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
Spondyloarthritis in der Familienanamnese
HLA-B27
Erhöhtes C-reaktives Protein (CRP)
Periphere Spondyloarthritis
Bei Patienten mit ausschließlich peripheren Manifestationen kann laut ASAS die Diagnose periphere Spondyloarthritis gestellt werden, wenn eine Arthritis, Enthesitis oder Daktylitis vorliegt und zusätzlich mind. eines der folgenden Merkmale.
Uveitis
Psoriasis
Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa
vorangegangene Infektion
HLA-B27
Durch Bildgebung nachgewiesene Sakroiliitis
Statt einem der zuvor genannten Merkmale können zur Diagnosestellung zusätzlich zu einem der Hauptkriterien auch mind. zwei der folgenden Merkmale erfüllt sein.
Arthritis
Enthesitis
Daktylitis
Inflammatorischer Rückenschmerz in der Vergangenheit
Spondyloarthritis in der Familienanamnese
Therapie
Als wesentliche Pfeiler einer multimodalen Therapie gelten zum einen Patientenschulungen, Bewegung, Physiotherapie, Rehabilitation, Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen und zum anderen die pharmakologische und ggf. operative Therapie [6].
Bewegung
Körperliche Aktivität ist von zentraler Bedeutung und sollte neben Bewegung im Alltag auch sportliche Betätigungen bzw. Physiotherapie umfassen. Dabei sollten u.a. kardiorespiratorisches Training, Widerstandsübungen, Dehnung und Stabilisationstraining durchgeführt werden [6].
Pharmakologische Therapie
Als Mittel erster Wahl gelten NSAR und Coxibe, da viele Patienten gut bis sehr gut auf diese Medikamente ansprechen. Der Therapieerfolg sollte regelmäßig kontrolliert werden und bei ungenügendem Ansprechen auf ein erstes NSAR bzw. Coxib sollte zunächst ein weiteres Medikament der Klasse ausprobiert werden.
Als nächste Stufe können bei peripheren Manifestationen ggf. konventionelle synthetische krankheitsmodifizierende Antirheumatika (csDMARDs) zum Einsatz kommen. Auch lokale Glukokortikoide können bei axialen und peripheren Manifestationen eingesetzt werden.
Als weitere wirksame Substanzgruppe können biologische DMARDs eingesetzt werden. Vor allem Tumornekrosefaktor-alpha-Inhibitoren werden häufig genutzt, da sie eine hohe Wirksamkeit bei einem guten Wirksamkeitsprofil aufweisen [6]. Je nach Art der Spondylarthritis kommen ggfs. Weitere zielgerichtete Therapeutika in Frage.
Rudwaleit et al. (2011): The Assessment of SpondyloArthritis international Society classification criteria for peripheral spondyloarthritis and for spondyloarthritis in general. Annals of the Rheumatic Diseases, DOI: 10.1136/ard.2010.133645