Arthrose zählt weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats. Neben Schmerzen und strukturellen Gelenkveränderungen treten häufig funktionelle Einschränkungen auf, die die Selbstständigkeit im Alltag beeinträchtigen können. Die Lebensqualität von Patienten wird daher nicht nur durch Schmerzen, sondern auch durch funktionelle Faktoren bestimmt.
n der klinischen Praxis werden verschiedene körperliche Leistungsparameter eingesetzt, um den Gesundheitszustand zu beurteilen. Dazu gehört unter anderem die Handgriffstärke, die als etablierter Marker für Muskelkraft und körperliche Leistungsfähigkeit gilt. Unklar ist jedoch, in welchem Ausmaß solche Messgrößen mit der wahrgenommenen Lebensqualität zusammenhängen. Eine im 'European Journal of Applied Physiology' veröffentlichte Studie untersuchte daher, wie Handgriffstärke und alltägliche motorische Aktivitäten mit der psychosozialen Lebensqualität älterer Menschen mit Arthrose zusammenhängen.
Daten aus 28 europäischen Ländern analysiert
Die Analyse basierte auf Daten der achten Erhebungswelle der europäischen Studie „Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe“ (SHARE). Insgesamt wurden 38.514 Personen ab 50 Jahren aus 28 europäischen Ländern berücksichtigt, darunter 7.591 Teilnehmer mit diagnostizierter Arthrose und 30.923 ohne Arthrose.
Als Indikatoren der körperlichen Leistungsfähigkeit erfassten die Forscher:
- Handgriffstärke (Handgrip Strength, HGS),
- Schwierigkeiten bei motorischen Alltagsaktivitäten, darunter Gehen, Aufstehen aus dem Sitzen, Treppensteigen,
- Fatigue.
Zur Bewertung der Lebensqualität diente der CASP-12-Fragebogen. Dieses Instrument erfasst die psychosozialen Dimensionen Kontrolle, Autonomie, Selbstverwirklichung und Lebensfreude bei älteren Menschen. Die Zusammenhänge zwischen körperlicher Leistungsfähigkeit und Lebensqualität wurden mithilfe deskriptiver Analysen und Regressionsmodelle untersucht.
Alltagsbewegungen spiegeln Lebensqualität stärker wider als Handgriffstärke
Teilnehmer mit Arthrose wiesen im Vergleich zu Personen ohne Arthrose eine geringere Handgriffstärke und niedrigere CASP-12-Scores auf. Die Unterschiede waren statistisch signifikant (p < 0,05).
In beiden Gruppen bestand ein signifikanter positiver Zusammenhang zwischen Handgriffstärke und Lebensqualität. Insgesamt erklärte die Handgriffstärke jedoch nur rund 5–7 % der Unterschiede in der Lebensqualität.
Deutlich stärker war der Zusammenhang zwischen Schwierigkeiten bei Alltagsbewegungen – etwa Gehen, Aufstehen oder Treppensteigen – und niedrigeren CASP-12-Werten. Auch Fatigue war signifikant mit einer geringeren Lebensqualität verbunden (p < 0,05).
Fazit: Funktionelle Mobilität als wichtiger Faktor für Lebensqualität bei Arthrose
Die Analyse zeigt, dass sowohl Muskelkraft als auch funktionelle Mobilität das Wohlbefinden älterer Menschen beeinflussen. Bei Teilnehmern mit Arthrose waren Einschränkungen bei alltäglichen Bewegungen enger mit einer geringeren Lebensqualität verbunden als Unterschiede in der Handgriffstärke. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung funktioneller Mobilität für das subjektive Wohlbefinden älterer Menschen mit Arthrose. Gleichzeitig zeigen sie, dass standardisierte Kraftmessungen wie die Handgriffstärke nur einen Teil der körperlichen Leistungsfähigkeit abbilden.








