Frakturen im Zusammenhang mit einer verminderten Knochendichte zählen weltweit zu den wichtigsten Ursachen für Morbidität, Verlust der Selbstständigkeit und Mortalität im höheren Lebensalter. Prognosen gehen von einer weiter steigenden Inzidenz aus. Neben den akuten Folgen wie Schmerzen, Funktionsverlust und erhöhter Sterblichkeit haben osteoporotische Frakturen häufig langfristige Konsequenzen wie chronische Schmerzen und Pflegebedürftigkeit.
Frakturen als signifikanter Mortalitäts- und Kostenfaktor
Ein gut belegter Befund ist die deutlich erhöhte Ein-Jahres-Mortalität nach Hüftfrakturen. Diese zählen weltweit zu den folgenreichsten Fragilitätsfrakturen und sind mit einem ausgeprägten Sterblichkeitsrisiko verbunden: Mehr als ein Drittel der betroffenen Männer und mehr als ein Viertel der betroffenen Frauen sterben innerhalb eines Jahres, deutlich häufiger als gleichaltrige Personen ohne Fraktur. Zusätzlich verursachen Fragilitätsfrakturen Gesundheitskosten, die die vieler anderer chronischer Erkrankungen übersteigen.
Knochendichte als zentraler Risikofaktor
Die Knochendichte ist ein verlässlicher Prädiktor für Fragilitätsfrakturen. Die duale Röntgenabsorptiometrie (DXA) liefert standardisierte Messwerte und gilt als Goldstandard für Diagnostik und Therapieentscheidungen. Obwohl kosteneffektive Strategien zur Identifikation und Therapie existieren, werden diese häufig unzureichend umgesetzt. Verschiedene europäische Berichte verweisen auf ein zu geringes Bewusstsein für die Bedeutung niedriger Knochendichte.
Epidemiologische Bewertung niedriger Knochendichte
Die aktuelle Analyse der Global Burden of Disease Study (GBD) quantifiziert die weltweite Krankheitslast, die auf niedrige Knochendichte zurückzuführen ist. Dafür wurden Menschen ab 40 Jahren im Zeitraum von 1990 bis 2020 untersucht. Berücksichtigt wurden Frakturen, die durch Stürze, Verkehrsunfälle und andere unfallbedingte Verletzungen verursacht worden waren. Erfasst wurden Lebensjahre mit Beeinträchtigung (YLD [years lived with disability]), krankheitsbereinigte Lebensjahre (DALY [disability adjusted life years]) und Todesfälle.
Zur Schätzung der Knochendichte wurden Daten aus 169 Quellen aus 48 Ländern ausgewertet. Als Referenz diente das 99. Perzentil der femoralen Knochendichte aus den nationalen Gesundheits- und Ernährungsstudien der USA. Mittels einer Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien wurde das relative Frakturrisiko pro Abnahme der Knochendichte um eine Standardabweichung ermittelt. Krankenhaus- und Mortalitätsdaten ergänzten die Modellierung der resultierenden Krankheitslast.
Entwicklung der weltweiten Gesundheitsbelastung
Im Jahr 2020 wurden weltweit 8,32 Millionen YLDs, 17,2 Millionen DALYs sowie 477.000 Todesfälle auf niedrige Knochendichte zurückgeführt. Im Vergleich zu 1990 entspricht dies einem Anstieg von rund 92 % bei den YLDs und 90 % bei den DALYs. Die Zahl der Todesfälle stieg um 127 %.
Die altersstandardisierten Raten sanken hingegen leicht. YLDs und DALYs gingen jeweils um rund 13 % zurück, die Zahl der Todesfälle um etwa 4 %. Diese Entwicklung deutet auf einen moderaten Rückgang des individuellen Risikos hin. Gleichzeitig führten Bevölkerungswachstum und -alterung zu einem deutlichen Anstieg der absoluten Fallzahlen.
Alters- und Geschlechtsunterschiede der Knochendichte
Die globalen Mittelwerte der Knochendichte blieben zwischen 1990 und 2020 weitgehend stabil. Männer wiesen zu allen Zeitpunkten höhere Werte auf als Frauen. In beiden Geschlechtern zeigte sich ab dem mittleren Erwachsenenalter ein kontinuierlicher Rückgang, der bei Frauen früher und ausgeprägter eintrat. Die niedrigsten Werte traten in den höchsten Altersgruppen auf.
Regionale Verteilung und Einfluss demografischer Faktoren
Südasien wies die höchsten altersstandardisierten Raten verlorener gesunder Lebensjahre sowie die höchste Mortalität im Zusammenhang mit niedriger Knochendichte auf. Niedrigere Raten wurden in Zentralasien sowie in einkommensstarken Regionen im asiatisch-pazifischen Raum beobachtet. In mehreren europäischen Regionen, in Nordafrika und im Nahen Osten sowie in Teilen Lateinamerikas sanken die altersstandardisierten Raten, während die absoluten Fallzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung dennoch zunahmen.
Die Analyse der beitragenden Faktoren ergab, dass in schnell wachsenden Regionen vor allem das Bevölkerungswachstum zur steigenden Krankheitslast beitrug. In anderen Regionen dominierte die Alterung der Bevölkerung. Verbesserte Prävention und Traumaversorgung konnten diesen Anstieg teilweise abschwächen.
Rolle von Stürzen und Verkehrsunfällen
Stürze waren im Jahr 2020 weltweit die wichtigste Verletzungsursache im Zusammenhang mit niedriger Knochendichte. Sie machten den größten Anteil der YLDs, DALYs und Todesfälle aus. Verkehrsunfälle waren die zweitwichtigste Ursache. Ein relevanter Anteil der sturz- und verkehrsbedingten Gesundheitslast ist direkt auf eine verminderte Knochendichte zurückzuführen.
Die höchste Belastung durch sturzbedingte Behinderungsjahre trat in der Altersgruppe der 70- bis Mitte 80-Jährigen auf. Die meisten sturzbedingten Todesfälle wurden in noch höheren Altersgruppen beobachtet.
Konsequenzen für Versorgung und Prävention
Eine niedrige Knochendichte verursacht weltweit eine erhebliche und wachsende Krankheitslast. Um Behinderung, Pflegebedürftigkeit und vorzeitige Todesfälle zu reduzieren, sind eine konsequente Risikoerfassung, eine stärkere Nutzung der Knochendichtemessung, eine leitliniengerechte Therapie sowie strukturierte Programme der Sturzprävention von prioritärer Bedeutung.








