Erhöhte Interferon-Signalgebung als Ursache für vaginale Trockenheit beim Sjögren-Syndrom

Frauen mit primärem Sjögren-Syndrom leiden häufig an vaginaler Trockenheit, die die sexuelle Funktion beeinträchtigen kann. Einer aktuellen Studie zufolge trägt eine erhöhte Interferon-Signalgebung im Vaginalgewebe zur vaginalen Entzündung und Scheidentrockenheit bei.

Vaginale Erkrankung

Das primäre Sjögren-Syndrom (pSS) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die vor allem die exokrinen Drüsen betrifft und zu Trockenheit der Schleimhäute, einschließlich der Vagina, führt. Vaginale Trockenheit beeinträchtigt das sexuelle Wohlbefinden und die Lebensqualität betroffener Frauen erheblich. Frühere Studien haben gezeigt, dass in Vaginalbiopsien von Patientinnen mit pSS im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen ein höheres Maß an Entzündung vorliegt. 

Eine Forschungsgruppe aus den Niederlanden hat nun die molekularen Mechanismen untersucht, die dieser Entzündung zugrunde liegen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift »The Journal of Rheumatology« veröffentlicht. 

Studie zur Entzündungsaktivität im Vaginalgewebe

Ziel der niederländischen Studie war es, die Aktivität der Entzündungswege im Vaginalgewebe von Frauen mit pSS zu untersuchen und die zugrunde liegenden molekularen Signalwege zu identifizieren. Zu diesem Zweck wurden Vaginalbiopsien von acht prämenopausalen Frauen mit primärem Sjögren-Syndrom und vaginaler Trockenheit sowie von sieben altersgematchten Kontrollen ohne pSS entnommen. Die Expression von Genen, die an Entzündungen und der Gewebehomöostase beteiligt sind, wurde mittels NanoString-Technologie gemessen und durch TaqMan Real-Time PCR validiert. Vaginalgewebeschnitte wurden immunhistochemisch auf das Myxovirus-Resistenzprotein 1 (MxA) und CD123 (plasmacytoide dendritische Zellen [pDCs]) gefärbt.

Erhöhte IFN-Signalgebung 

Der am stärksten angereicherte Signalweg in Vaginalbiopsien von pSS-Patientinnen im Vergleich zu den nicht-pSS-Kontrollen war die Interferon (IFN)-Signalgebung (p<0,01). Ebenso waren die Aktivitäten des JAK-STAT-Signalwegs mit Januskinase (JAK) und STAT-Proteinen (Signal Transducers and Activators of Transcription) sowie des Notch-Signalwegs erhöht (p<0,01 für beide Signalwege). Umgekehrt waren die Werte für den transformierenden Wachstumsfaktor-β-Signalweg und den Angiogenese-Signalweg bei Frauen mit primärem Sjögren-Syndrom niedriger (p=0,02 bzw. p=0,04).

Die Unterschiede in der IFN-Signalgebung zwischen Patientinnen mit primärem Sjögren-Syndrom und Frauen ohne diese Erkrankung wurden durch PCR und MxA-Gewebefärbung bestätigt. Plasmacytoide dendritische Zellen (CD123+ pDCs), die normalerweise mit der IFN-Produktion in Verbindung gebracht werden, waren in den Vaginalbiopsien der pSS-Patientinnen nicht nachweisbar. Die Expression von IFN-stimulierten Genen korrelierte positiv mit der Anzahl der CD45+ Zellen in den Vaginalbiopsien und der Anti-SSA/Ro-Positivität im Serum.

Verbindung zwischen IFN-Signalen und vaginaler Trockenheit naheliegend

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Hochregulierung der IFN-Signalgebung im Vaginalgewebe von Frauen mit primärem Sjögren-Syndrom zur Entzündung der Vaginalwand beiträgt und auch zu den klinischen Symptomen wie vaginaler Trockenheit führen kann.

Autor:
Stand:
12.08.2024
Quelle:

Visser, A. et al. (2024): Increased Interferon Signaling in Vaginal Tissue of Patients With Primary Sjögren Syndrome. The Journal of Rheumatology, DOI: 10.3899/jrheum.2023-1068.

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