Langzeitvergleich von partieller und totaler Knieendoprothese

Die Wahl zwischen partieller und totaler Knieendoprothese bei isolierter medialer Gonarthrose ist trotz klinischer Relevanz nicht abschließend geklärt. Die TOPKAT-Studie vergleicht beide Verfahren in einer randomisierten Studie mit einer Nachbeobachtungszeit von zehn Jahren.

Knieprothese

Die Kniearthrose (Gonarthrose) ist eine der häufigsten degenerativen Erkrankungen und stellt angesichts des demografischen Wandels eine zunehmende medizinische Herausforderung dar. Schmerzen, Funktionseinschränkungen und eine reduzierte Belastbarkeit führen bei vielen Patienten zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. Sind konservative Therapieoptionen ausgeschöpft, gilt der endoprothetische Gelenkersatz als etablierte Behandlungsstrategie.

Endoprothetische Optionen bei isolierter medialer Gonarthrose

Ein relevanter Anteil der Patienten mit Kniearthrose weist eine isolierte Beteiligung des medialen Kompartiments auf. In diesen Fällen kommt neben der totalen auch die partielle Knieendoprothese in Betracht. Bei diesem Verfahren wird nur das betroffene Kompartiment ersetzt, wesentliche Strukturen des Kniegelenks bleiben erhalten. Ob diese weniger invasive Option der totalen Versorgung langfristig gleichwertig ist, wird seit Jahren kontrovers diskutiert.

Evidenzlage und Bedarf an Langzeitdaten

Befürworter der partiellen Knieendoprothese nennen potenzielle Vorteile wie geringere Invasivität, schnellere Rehabilitation und niedrigere Kosten. Dem stehen Bedenken hinsichtlich höherer Revisionsraten gegenüber. Diese stammen überwiegend aus registerbasierten Beobachtungsstudien und sind durch Selektionsbias limitiert. Randomisierte Studien waren bislang meist klein oder auf kurze Nachbeobachtungszeiträume beschränkt.

Da Implantatversagen, Revisionen und funktionelle Veränderungen jedoch häufig erst Jahre nach dem Eingriff auftreten und sich partielle und totale Knieendoprothesen auch hinsichtlich möglicher Folgeeingriffe unterscheiden, besteht ein klarer Bedarf an randomisierten Langzeitstudien mit einer Nachbeobachtungszeit von mindestens zehn Jahren.

Vergleichsstudie zu partieller und totaler Knieendoprothese

Um diese Evidenzlücke zu schließen, wurde die britische Studie „Total or Partial Knee Arthroplasty Trial“ (TOPKAT) konzipiert. Das Ziel bestand darin, die klinische Wirksamkeit und die Kosteneffektivität der partiellen im Vergleich zur totalen Knieendoprothese bei Patienten mit fortgeschrittener, isolierter medialer Gonarthrose im Langzeitverlauf zu untersuchen.

Es handelte sich um eine multizentrische, randomisierte Vergleichsstudie mit einer Randomisierung im Verhältnis 1:1, die in 27 Kliniken des National Health Service (NHS) durchgeführt wurde. Der primäre Endpunkt der Langzeitanalyse war der nach zehn Jahren im Intention-to-treat-Kollektiv erhobene Oxford Knee Score, ein patientenberichteter Fragebogen zur Beurteilung von Schmerz und Funktion.

Studienpopulation und Nachbeobachtung

Zwischen 2010 und 2013 wurden 528 Patienten randomisiert. Das mittlere Alter betrug 65 Jahre, rund 60 % der Studienteilnehmer waren männlich. Die Behandlungsgruppen waren hinsichtlich relevanter Ausgangsmerkmale vergleichbar.

Nach zehn Jahren lagen für etwa drei Viertelder Patienten, die noch lebten und nicht aus der Studie ausgeschieden waren, vollständige Daten zum primären Endpunkt vor. Die Ausfallraten unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant.

Subjektive und funktionelle Ergebnisse im Langzeitverlauf

Beim primären Endpunkt zeigte sich nach zehn Jahren kein Unterschied zwischen partieller und totaler Knieendoprothese. Beide Verfahren führten zu einer anhaltenden Verbesserung von Schmerz und Funktion im Vergleich zum Zustand vor der Operation.

Dieses Ergebnis bestätigte sich in allen sekundären funktionellen Endpunkten, einschließlich des Aktivitätsniveaus und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Die Patientenzufriedenheit war in beiden Gruppen hoch. Mehr als 80 % der Patienten gaben an, mit dem Operationsergebnis zufrieden zu sein, und würden sich erneut für den jeweiligen Eingriff entscheiden. Alter, Geschlecht, präoperativer Funktionsstatus und operative Erfahrung der Operateure hatten keinen relevanten Einfluss auf die Langzeitergebnisse.

Postoperative Komplikationen und Revisionen

Insgesamt traten im Zehnjahresverlauf Komplikationen nach totaler Knieendoprothese häufiger auf als nach partieller Knieendoprothese, insbesondere in der Intention-to-treat-Analyse. Die Komplikationen umfassten postoperative medizinische Ereignisse sowie kniebezogene Probleme wie Schmerzen, Steifigkeit, Instabilität, Infektionen und implantatassoziierte Komplikationen.

Die Häufigkeit von Reoperationen, einschließlich Revisionen, war in beiden Gruppen vergleichbar. Auch die Revisionsraten unterschieden sich nicht signifikant. Revisionen nach einer partiellen Knieendoprothese waren technisch weniger komplexals Revisionen nach einer totalen Knieendoprothese tendenziell aufwendiger ausfielen.

Kosten-Nutzen-Bewertung der Knieendoprothesen

Die partielle Knieendoprothese erwies sich in der gesundheitsökonomischen Analyse als kosteneffektiver. Sie war mit geringeren Gesamtkosten und einem tendenziell höheren Gewinn an qualitätsadjustierten Lebensjahren verbunden. Dieser Vorteil resultierte aus niedrigeren initialen Operationskosten und geringeren Folgekosten und zeigte sich auch in Sensitivitätsanalysen, in denen gleiche Implantatkosten für beide Verfahren angenommen wurden.

Klinische Konsequenzen der TOPKAT-Studie

Die 10-Jahres-Ergebnisse der TOPKAT-Studie zeigen, dass partielle und totale Knieendoprothesen bei isolierter medialer Gonarthrose langfristig vergleichbare funktionelle Ergebnisse erzielen. Die häufig geäußerte Befürchtung, dass partielle Implantate deutlich höhere Revisionsraten aufweisen, bestätigt sich in diesem randomisierten Setting nicht, sofern eine sorgfältige Patientenselektion und ausreichende operative Erfahrung gegeben sind.

Autor:
Stand:
19.02.2026
Quelle:

Beard et al. (2026): Assessing clinical and cost effectiveness of total versus partial knee replacement (TOPKAT): 10-year follow-up of a multicentre, randomised controlled trial. The Lancet Rheumatology, DOI: 10.1016/S2665-9913(25)00250-4.

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