Vielseitige Manifestationen beim Sjögren-Syndrom
Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, die vorwiegend Frauen betrifft und eine heterogene Symptomatik aufweist. Zu den typischen Symptomen gehören Mund- und Augentrockenheit, Müdigkeit und Gelenkschmerzen. Bei etwa 30–60% der Betroffenen treten systemische Manifestationen auf, die sich vielseitig darstellen können. Beispiele sind die interstitielle Nephritis, primär biliäre Cholangitis und Vaskulitis. Eine wichtige Komplikation ist das B-Zell-Lymphom, dessen Risiko im Vergleich zur Normalbevölkerung um zehn- bis fünfzehnfach erhöht ist.
Bisherige Einteilungen erfolgten nach Symptomlast
Aufgrund der heterogenen klinischen Manifestationen und Krankheitsverläufe beim Sjögren-Syndrom ist eine Einteilung der Patienten zur Risikoeinschätzung von Bedeutung. Hierarchische Clusteranalysen lieferten bereits nützliche Ergebnisse zur Kategorisierung. Allerdings basieren diese ausschließlich auf Parametern der Symptomlast, welche nur eingeschränkt mit dem Auftreten von klinischen Komplikationen korreliert.
Das Ziel französischer Forscher war es daher, neue Subgruppen des Sjögren-Syndroms zu identifizieren, die sowohl die subjektive Symptomatik als auch objektive demographische, klinische und biologische Parameter in die Einteilung einbeziehen. Anschließend wurden Krankheitsverlauf und das Auftreten von Komplikationen unter den neuen Subgruppen verglichen.
Daten aus zwei unabhängigen Datenbanken
Es wurden 534 Patienten aus der Paris-Saclay-Kohorte und 395 Patienten aus der Assessment of Systemic Signs and Evolution of Sjögren’s Syndrome (ASSESS)-Kohorte in die Studie eingeschlossen. Voraussetzung war das Erfüllen der AECG-Diagnosekriterien (American-European Consensus Group) des Sjögren-Syndroms und der Ausschluss anderer Autoimmunerkrankungen. Patienten der ASSESS-Kohorte durchliefen zudem ein Follow-up von mindestens fünf Jahren.
Die subjektive Symptomlast sowie systemische Manifestationen wurden mithilfe des EULAR Sjögren’s Syndrome Disease Activity Index (ESSDAI) und EULAR Sjögren’s Syndrome Patient Reported Index (ESSPRI) erhoben. Außerdem wurde auf das Vorhandensein von Autoantiköpern getestet.
Die Forscher führten die Clusteranalysen an der Paris-Saclay-Kohorte durch und wendeten die Methode anschließend im direkten Vergleich mit dem zuvor publizierten Newcastle Sjögren’s Stratification Tool (NSST) in der ASSESS-Kohorte an.
Clusteranalyse ergibt drei Subgruppen
Die Clusteranalysen in der Paris-Saclay-Kohorte ergaben drei unterschiedliche Subgruppen, die sich in der ASSESS-Kohorte replizieren ließen. Cluster 1 (BALS [B-cell active disease with low symptom burden]) zeichnete sich durch eine geringe Symptomlast und Krankheitsaktivität, aber hohen B-Zell-Aktivitätsmarkern aus. In der Verlaufskontrolle zeigte diese Gruppe eine höhere Tendenz der Symptomverschlechterung und Krankheitsaktivitätszunahme im Vergleich zu den anderen Clustern. Patienten im Cluster 2 (HSA [high systemic disease activity]) hatten höhere Krankheitsaktivitäten und häufig positive Auto-Antikörper. Cluster 3 wies eine hohe Symptomlast bei geringer systemischer Krankheitsaktivität auf (LSAHS [low systemic disease activity with high symptom burden]).
Lymphome traten in der BALS-Gruppe erheblich später auf als in der HSA-Gruppe, mit einem Median von 70 versus 23 Monaten. Nennenswert war außerdem die ethnische Verteilung in den Clustern. Alle 33 (100%) der schwarzen Patienten innerhalb der Paris-Saclay Kohorte waren der HSA-Gruppe, asiatische Patienten hingegen überwiegend der BALS-Gruppe zugeordnet.
Der Vergleich mit der symptombasierten Einteilung nach NSST zeigte nur geringe Übereinstimmungen der Gruppeneinteilungen.
Unterschiedliche Verteilung aufgrund von Rekrutierungsbias
Die Anteile der Patienten in den Untergruppen unterschieden sich zwischen beiden Kohorten. Dies führen die Forscher auf die Unterschiede in den Rekrutierungskriterien zurück. Eine weitere Limitation der Studie ist die eingeschränkte Aussagekraft zur Langzeitentwicklung und Prognose durch die Stratifizierung, da das detaillierte klinische Follow-up nur fünf Jahre umfasste. Prospektive Langzeitstudien könnten hierzu weitere Aufschlüsse geben.
Implikationen für Klinik und Forschung
Die Erkenntnisse dieser Studie betonen die Heterogenität der pathophysiologischen Mechanismen und ihre Relevanz für die Subgruppen-Einteilung beim Sjögren-Syndrom. Die hier vorgestellte Einteilung kann die Identifizierung von Patienten mit hoher Krankheitsaktivität und hohem Risiko unterstützen und zukünftig die Stratifizierung in klinischen Studien beeinflussen.







