Rheumatische Erkrankungen verkürzen die gesunde Erwerbslebenszeit

Rheumatische und muskuloskelettale Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen, Behinderung und funktionelle Einschränkungen. Eine europäische Studie zeigt, dass Betroffene ab dem 50. Lebensjahr deutlich weniger Jahre gesund und erwerbstätig bleiben als Menschen ohne diese Erkrankungen.

Kollegen bei der Arbeit

Rheumatische und muskuloskelettale Erkrankungen (RMDs) gehören weltweit zu den wichtigsten Ursachen für funktionelle Einschränkungen und Behinderungen. Angesichts einer alternden Bevölkerung und steigender Renteneintrittsalter gewinnt die Frage an Bedeutung, wie lange Menschen trotz chronischer Erkrankungen gesund erwerbstätig bleiben können. Forscher der Keele University in Großbritannien untersuchten daher den Einfluss von RMDs auf die sogenannte Healthy Working Life Expectancy (HWLE). Die Ergebnisse wurden in 'Annals of the Rheumatic Diseases' veröffentlicht.

Deutlich kürzere gesunde Erwerbszeit bei Betroffenen

Die Wissenschaftler analysierten Daten aus zwei großen bevölkerungsbasierten Langzeitstudien: der Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE) und der English Longitudinal Study of Ageing (ELSA). Eingeschlossen waren Erwachsene ab 50 Jahren aus insgesamt 19 europäischen Ländern. Als gesund galten Personen ohne langfristige krankheitsbedingte Einschränkungen. Erwerbstätigkeit wurde als Beschäftigung oder Selbstständigkeit definiert. Als RMDs erfassten die Forscher eine ärztlich diagnostizierte Arthritis oder Rheuma.

Niedrigste Werte in Österreich, höchste in der Schweiz

In 18 der 19 untersuchten Länder war die gesunde Erwerbslebenserwartung bei Menschen mit RMDs niedriger als bei Personen ohne diese Erkrankungen. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede in sechs Ländern, in denen die HWLE der Betroffenen etwa halb so hoch oder noch geringer ausfiel als in der Vergleichsbevölkerung.

Die niedrigste HWLE bei Menschen mit RMDs wurde in Österreich beobachtet. Dort konnten Betroffene ab dem 50. Lebensjahr durchschnittlich nur 2,6 Jahre gesund und erwerbstätig bleiben.

Dies entsprach 42,9 % der HWLE von Personen ohne RMDs. Die höchsten Werte wurden in der Schweiz ermittelt.

Bildung und Bewegung beeinflussen die Ergebnisse

Neben den Unterschieden zwischen den Ländern identifizierte die Analyse weitere Faktoren, die mit einer geringeren HWLE assoziiert waren. In allen untersuchten Ländern war die gesunde Erwerbszeit bei Menschen mit RMDs und einem Bildungsabschluss unterhalb der Sekundarstufe II kürzer als bei höher Gebildeten.

Zudem zeigte sich in 16 der 19 Länder eine niedrigere HWLE bei körperlich inaktiven Personen mit RMDs im Vergleich zu körperlich aktiven Betroffenen.

Unterstützungsangebote könnten die Erwerbszeit verlängern

Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass Menschen mit RMDs von gezielten Unterstützungsmaßnahmen profitieren könnten. Genannt werden unter anderem arbeitsmedizinische Angebote, flexible Arbeitsplatzgestaltung sowie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, die den Verbleib im Erwerbsleben erleichtern können. Darüber hinaus könnte die Förderung gesundheitserhaltender Faktoren, einschließlich körperlicher Aktivität, dazu beitragen, die gesunde Erwerbszeit zu verlängern.

Für zukünftige Untersuchungen sind größere Datensätze erforderlich, um das Zusammenspiel gesundheitlicher, sozialer und arbeitsplatzbezogener Einflussgrößen besser zu verstehen. 

Autor:
Stand:
14.06.2026
Quelle:
  1. Wilkie, R. et al. (2026): How long do people with rheumatic and musculoskeletal diseases stay healthy and in work across Europe? Analysis of data from SHARE and ELSA. Annals of the Rheumatic Diseases, DOI: 10.1016/j.ard.2026.02.010
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