Rheumatoide Arthritis und das Mikrobiom: Neue Erkenntnisse zu diätetischen Interventionen

Nicht alle Menschen mit rheumatoider Arthritis reagieren positiv auf diätetische Interventionen, jedoch erzielen Fasten, glutenfreie, lakto-vegetarische Ernährungsformen und ein individualisiertes Wiedereinführungsprotokoll für Nahrungsmittel bei einigen Patienten positive Effekte.

Darmflora

Die rheumatoide Arthritis (RA) zählt zu den häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen und ist eine von über 100 Autoimmunkrankheiten. Individuelle Risikofaktoren wie Rauchen oder Quecksilberexposition scheinen das Erkrankungsrisiko zu erhöhen. Neue Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass auch das Mikrobiom eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von RA spielt. 

Angesichts der zahlreichen Studien, die den Einfluss der Ernährung auf die Darmmikrobiota, die Rolle der Nahrungsauswahl bei chronischen Krankheitsrisiken und die Häufigkeit von Dysbiosen bei rheumatoider Arthritis belegen, sei zu erwarten, dass diätetische Interventionen in der RA-Behandlung wirksam sind, so die Überlegungen einer australischen Forschungsgruppe. Eine vorläufige PubMed-Suche nach systematischen Übersichtsarbeiten zu diesem Thema ergab aber nur begrenzte Evidenz für einen Nutzen bestimmter Nahrungsbestandteile. Die Forschenden wollten dieses scheinbare Paradoxon rationalisieren und Ansätze für zukünftige Forschungen identifizieren. Die Ergebnisse ihrer Übersichtsarbeit wurden in der Fachzeitschrift »Rheumatology International« veröffentlicht. 

Besonders wirksame Ernährungsformen

Die Studiendaten belegen, dass nicht alle RA-Patienten von diätetischen Interventionen profitieren. Dennoch zeigen bestimmte Untergruppen eine positive Reaktion auf Ernährungsumstellungen. Die signifikantesten Effekte erzielten Fasten, glutenfreie pflanzliche Diäten und/oder ein individualisiertes Wiedereinführungsprotokoll für Nahrungsmittel. 

Nach einer einwöchigen Fastenperiode wurden beispielsweise signifikante Verbesserungen in objektiven Parametern wie der Erythrozytensedimentationsrate (ESR), C-reaktives Protein (CRP) und Interleukin-6 (IL-6) dokumentiert. Dies korrelierte mit verbesserten Krankheitsaktivitätswerten, was darauf hinweist, dass diätetische Faktoren eine Quelle der Entzündung bei RA sein könnten. 

Die günstigsten Ergebnisse wurden erzielt, wenn auf die Fastenperiode eine glutenfreie lakto-vegetarische Ernährung folgte und neue Nahrungsmittel nach einem personalisierten Protokoll wiedereingeführt bzw. nach Symptomverschlechterung ausgeschlossen wurden. Ein solch individualisierter Ansatz zeigte bei einigen Patienten auch über ein bis zwei Jahre hinweg Wirkung.

Nahrungsmittelhypersensitivität und RA

Klinische Erkenntnisse legen nahe, dass eine Nahrungsmittelhypersensitivität bei der Pathogenese von rheumatoider Arthritis bei bestimmten Menschen eine Rolle spielen könnte. Tatsächlich haben einige RA-Patienten signifikant erhöhte Serumspiegel von IgA, IgG und/oder IgM-Antikörpern gegen Nahrungsmittelproteine, beispielsweise gegen Weizen- und/oder Milcheiweiße. Die positive Wirkung einer glutenfreien pflanzlichen Ernährung könnte auf eine verminderte Immunantwort auf exogene Nahrungsantigene zurückzuführen sein. 

Statt eines Trial-and-Error-Ansatzes wäre die Messung zirkulierender Antikörperspiegel gegen Nahrungspeptide hilfreich, um für diese Patientengruppe schädliche Nahrungsprodukte zu identifizieren und so eine Entzündungsquelle zeitweise zu eliminieren. Das könnte sich positiv auf die Wiederherstellung der Darmflora auswirken und die Darmbarriere stärken, merken die Studienautoren an.

Zukünftige Forschungsansätze

Zukünftige Studien könnten die Immunreaktivität gegenüber Nahrungspeptiden untersuchen, um festzustellen, ob eine vorübergehende Diät ohne bestimmte Nahrungsmittel eine effektive Strategie zur Gesundheitsverbesserung sein könnte. Die Untersuchung von LPS-Antikörpern wäre ebenfalls nützlich, da ein Anstieg dieser Biomarker auf eine gestörte Darmflora und geschädigte Schleimhautbarriere hinweist, betonen die Forschenden. 

Für RA-Patienten ohne erhöhte Antikörper gegen Nahrungspeptide empfehlen sie, andere potenzielle Auslöser für eine Aktivierung des Immunsystems zu betrachten, darunter synthetische Toxine oder Krankheitserreger wie Helicobacter pylori. 

Autor:
Stand:
12.08.2024
Quelle:

Sharma, P. et al. (2024): Re-evaluation of dietary interventions in rheumatoid arthritis: can we improve patient conversations around food choices? Rheumatology International, DOI: 10.1007/s00296-024-05541-4.

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