Die systemische Sklerose (SSc) ist eine chronische, heterogene Autoimmunerkrankung, die durch Fibrose und Aktivierung des Immunsystems gekennzeichnet ist. Viele Betroffene leiden unter starker Fatigue, die oft unterschätzt wird, aber die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Etwa 75 % der SSc-Patienten berichten über Fatigue, und 89 % stufen sie als ihr häufigstes Symptom ein. Die Fatigue bei SSc ist vergleichbar mit der bei Krebspatienten unter aktiver Behandlung und ist mit Arbeitsunfähigkeit und Therapieresistenz assoziiert.
Ein weiteres Merkmal der SSc ist die autonome Dysfunktion, bei der eine Unteraktivität des Parasympathikus und eine Überaktivität des Sympathikus vorliegt. Diese Dysfunktion geht der Organfibrose voraus und spielt eine Rolle bei der Pathogenese von Symptomen wie dem Raynaud-Phänomen (RP), digitaler Ischämie und Dysphagie. Da Fatigue sowohl bei autonomer Dysfunktion als auch bei SSc häufig vorkommt, könnten Interventionen, die das autonome Nervensystem modulieren, vielversprechende Kandidaten für die Behandlung von Fatigue bei SSc sein.
Vibrationsstimulation gegen die autonome Dysfunktion
Bisher ist unklar, ob Interventionen, die den Parasympathikotonus verbessern, zu einer Linderung von SSc-Symptomen, einschließlich Fatigue, führen können. Das Apollo-Wearable ist ein armbanduhrengroßes Gerät, das abgestimmte Vibrationsstimulationen in Form von niederfrequenten Schallwellen (<200 Hz) abgibt. Vorläufige Arbeiten haben gezeigt, dass diese Frequenzen die Herzfrequenzvariabilität (HRV), einen wichtigen Biomarker des autonomen Tonus, erhöhen können.
Frühere Studien haben die Rolle von Vibration bei der Regulierung der Stressphysiologie unterstützt. Daher wurde die Hypothese aufgestellt, dass die Vibrationsstimulation des Apollo-Wearables die Patient-Reported Outcomes (PROs) von Fatigue, RP, Lebensqualität und Depression verbessern könnte.
Pilotstudie zum Apollo-Wearable bei Fatigue von SSc-Patienten
In einer unverblindeten, einarmigen Pilotstudie wurden Patienten mit SSc rekrutiert, die unter moderater Fatigue litten. Insgesamt 25 Teilnehmer erhielten das Apollo-Wearable, das am Handgelenk oder Sprunggelenk getragen wird und über Bluetooth mit einem Smartphone verbunden ist. Sie wurden angewiesen, das Gerät mindestens 15 Minuten pro Tag über vier Wochen zu nutzen, wobei sie aus sieben Vibrationsmodi wählen und die Intensität individuell anpassen konnten.
Der primäre Endpunkt war die Veränderung des PROMIS Fatigue-Scores (Patient Reported Outcomes Measurement Information System – Short Form – Fatigue 13a), einem Fragebogen zur Erfassung von Fatigue. Die sekundären Endpunkte umfassten die Akzeptanz des Geräts, Nebenwirkungen, technische Schwierigkeiten, die Häufigkeit und Schwere von RP-Anfällen (mittels Raynaud Condition Score [RCS]-Tagebuch), die Lebensqualität (PROMIS-29) und Depressionssymptome (Quick Inventory of Depressive Symptomatology–Self Report [QIDS-SR]).
Signifikante Verbesserung von Fatigue und Raynaud-Symptomen
Die Studie zeigte eine signifikante Verbesserung der Fatigue-Werte (durchschnittliche Veränderung des PROMIS Fatigue-Scores: -7,0; p<0,001). Die Teilnehmer nutzten das Gerät durchschnittlich 2,87 Stunden täglich, weit über die geforderten 15 Minuten hinaus, was die gute Akzeptanz unterstreicht. Es traten keine unerwünschten Ereignisse auf, und nur vier Teilnehmer benötigten geringfügige technische Unterstützung.
Die Häufigkeit der RP-Anfälle nahm durchschnittlich um 0,5 Anfälle pro Tag ab, was einer relativen Reduktion um etwa 26 % entspricht. Auch die Depressionssymptome (QIDS-SR) und die Lebensqualität (PROMIS-29) verbesserten sich in mehreren Bereichen, darunter körperliche Funktion, Schlafstörungen und die Fähigkeit zur Teilnahme an sozialen Aktivitäten.
Potenzial mit vielen offenen Fragen
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Apollo-Wearable eine vielversprechende, nicht-pharmakologische Option zur Behandlung von Fatigue und RP bei SSc sein könnte. Die Verbesserung der HRV und die Wiederherstellung des autonomen Gleichgewichts könnten die zugrunde liegenden Mechanismen sein. Stark eingeschränkt werden diese ersten, vorläufigen Ergebnisse insbesondere durch das Fehlen einer Kontrollgruppe und einer fehlenden Korrektur für multiples Testen.
Die Ergebnisse sollten durch größere, randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Studien bestätigt werden. Zukünftige Studien könnten auch den Einsatz dieser Technologie bei anderen Erkrankungen mit bekannter autonomer Dysfunktion untersuchen, insbesondere solchen, die mit Fatigue einhergehen.









