Kniearthrose: Telerehabilitation vergleichbar mit Präsenzbehandlung

Angesichts der steigenden Prävalenz von Osteoarthritis und damit verbundenen chronischen Knieschmerzen ist die Suche nach effektiven und zugänglichen Reha-Möglichkeiten von größter Bedeutung. Die PEAK-Studie liefert wertvolle Erkenntnisse über den Einsatz der Telerehabilitation.

Telephysio

Rehabilitative Maßnahmen spielen eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates, die häufig mit ausgeprägten Schmerzsymptomen und Funktionseinschränkungen einhergehen. Chronische Knieschmerzen, die vor allem durch degenerative Gelenkerkrankungen wie Osteoarthritis verursacht werden, stellen einen erheblichen Anteil der Fälle dar, die rehabilitative Interventionen erfordern. Um diese zu behandeln, kommen in erster Linie physiotherapeutische Anwendungen infrage. Sie zielen darauf ab, die Schmerzsymptomatik zu lindern, die Gelenkfunktion zu verbessern und damit die Lebensqualität der betroffenen Patienten zu erhöhen.

Telemedizin: Digitalisierung in der Medizin

Die Telemedizin nutzt digitale Technologien, um die Limitationen der medizinischen Versorgung zu minimieren. Patienten, die aufgrund geografischer Entfernungen oder körperlicher Einschränkungen Schwierigkeiten haben, medizinisch versorgt zu werden, können auf diese Weise betreut werden. Telerehabilitation – die Bereitstellung von Rehabilitationsmöglichkeiten über digitale Plattformen wie Videokonferenzen – hat insbesondere während der Corona-Pandemie an Relevanz gewonnen. Einige Patienten, die während der Pandemie Teil dieser Angebote waren, sind der Meinung, dass diese Möglichkeit eine dauerhafte Option bleiben sollte.

Bedenken bei Patienten und medizinischem Personal

Dennoch stehen viele Patienten und Kliniker der Telerehabilitation nach wie vor kritisch gegenüber, was die Implementierung und Akzeptanz nach der Pandemie behindern könnte.

Ausgehend von den Erfahrungen mit der Telerehabilitation während der Pandemie glauben weniger als 50 % des medizinischen Personals, dass die Telerehabilitation eine ebenso wirksame Alternative zur konventionellen Behandlung vor Ort darstellt. Gleichzeitig sind fast genauso viele Patienten der Ansicht, dass die Qualität der Versorgung durch Videokonferenzen mit Physiotherapeuten im Vergleich zu persönlichen Therapiesitzungen geringer ist.

Weitere Bedenken betreffen die Sicherheit, Schwierigkeiten bei der Nutzung der Technologie, den fehlenden physischen Kontakt und die Beeinträchtigung der therapeutischen Beziehung.

PEAK-Studie zur Telerehabilitation

Ziel der australischen PEAK-Studie (Physiotherapy Exercise And physical Activity for Knee osteoarthritis) war es, die Gleichwertigkeit von Videokonferenzberatungen mit der Betreuung durch einen Physiotherapeuten vor Ort zu untersuchen.

Zwischen Dezember 2019 und Juni 2022 wurden dazu 394 Patienten mit chronischen Knieschmerzen in 27 australischen Kliniken in die Studie aufgenommen. Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt: Telerehabilitation mittels Videoberatung oder persönliche Betreuung. Beide Gruppen erhielten über einen Zeitraum von drei Monaten fünf Reha-Sitzungen mit den Schwerpunkten Kraftaufbau, körperliche Aktivität und Patientenaufklärung. Primäre Endpunkte waren Veränderungen von Schmerzen und der körperlichen Funktion nach 3 Monaten

Vergleichbare Ergebnisse mit Telerehabilitation

Beide Studiengruppen zeigten signifikante Verbesserungen sowohl im Schmerzniveau als auch in der Funktionalität. Die Telerehabilitation war somit der herkömmlichen Behandlung in Bezug auf Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung nicht unterlegen.

Darüber hinaus berichteten die Teilnehmer der Telerehabilitationsgruppe über eine hohe Zufriedenheit und eine signifikante Reduktion der Reisekosten und -zeiten, was die Zugänglichkeit und Bequemlichkeit dieser Behandlungsmethode unterstreicht.

Unerwünschte Ereignisse wurden in beiden Gruppen etwa gleich häufig berichtet, wobei keines der gemeldeten Ereignisse als schwerwiegend eingestuft wurde.

Tele-Reha als Zukunftsmodell?

Die Wirksamkeit der Telerehabilitation als gleichwertige Alternative zu konventionellen Behandlungsmethoden konnte bestätigt werden. Damit liefert die PEAK-Studie wertvolle Erkenntnisse für die zukünftige Gestaltung der Rehabilitation bei chronischen Knieschmerzen.

Angesichts der zunehmenden Verbreitung digitaler Technologien und der durch die COVID-19-Pandemie beschleunigten Akzeptanz von Telemedizin könnte die Telerehabilitation eine zentrale Rolle in der zukünftigen Gesundheitsversorgung einnehmen. Sie eröffnet neue Wege für die Bereitstellung von Rehabilitationsdiensten, insbesondere für Menschen in abgelegenen oder unterversorgten Gebieten.

Zusammenfassend bietet die Telerehabilitation eine vielversprechende Alternative zur herkömmlichen physiotherapeutischen Behandlung, insbesondere für Patienten, die nicht persönlich an Rehabilitationsmaßnahmen teilnehmen können. Durch den Einsatz digitaler Technologien zur Durchführung von Rehabilitationsleistungen kann die Telemedizin die Effektivität, Zugänglichkeit und Zufriedenheit der Patienten verbessern und gleichzeitig den mit Reisen verbundenen Zeit- und Kostenaufwand reduzieren.

Zukünftige Forschung sollte sich auf die Weiterentwicklung dieser Methoden konzentrieren, um ihre Anwendungsbereiche zu erweitern und die Qualität der Versorgung für eine breitere Patientenpopulation sicherzustellen.

Die Studie wurde von dem National Health and Medical Research Council finanziert und ist bei der Australian and New Zealand Clinical Trials Registry unter ACTRN12619001240134 registriert.

Autor:
Stand:
12.04.2024
Quelle:

Hinman et al. (2024): Telerehabilitation consultations with a physiotherapist for chronic knee pain versus in-person consultations in Australia: the PEAK non-inferiority randomised controlled trial. The Lancet, DOI: 10.1016/S0140-6736(23)02630-2

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden