Chemische Filter (auch als organische Filter bezeichnet) absorbieren die UV-Strahlen und wandeln sie in Wärmeenergie um. Beispiele sind Octinoxat, Iscotrizinol, Octocrylen, Benzophenone-3 und Homosalat. Sonnenschutzmittel mit chemischen Filtern lassen sich gut auf der Haut verteilen. Ein „Weißeln“, also die Bildung eines weißen Schmierfilms, bleibt aus.
Anhang VI der Kosmetikverordnung listet die UV-Absorber auf, die in der Europäischen Union (EU) verwendet werden dürfen. Sie wurden als gesundheitlich unbedenklich bewertet. Die organischen Filter stammen aus verschiedenen Substanzklassen. Beispiele sind [10]:
| Strukturklasse | Beispiele für UV-Filter Bezeichnung nach internationaler Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe (INCI) |
| Benzophenone | Benzophenone-3 |
| Benzophenone-4 | |
| Salicylate | Homosalat |
| Ethylhexylsalicylat | |
| p-Aminobenzoesäure und Derivate | PEG-25 PABA |
| Benzimidazol-Derivate | Phenylbenzimidazolsulfonsäure |
| Triazine | Ethylhexyltriazon |
| Diethylhexyl Butamido Triazone | |
| Phenolische Benzotriazole | Drometrizoltrisiloxan |
| Dibenzoylmethan-Derivate | Butylmethoxydibenzoylmethan |
| Zimtsäureester | Ethylhexyl Methoxycinnamate |
| Isoamyl p-Methoxycinnamate | |
| Kampfer-Derivate | 4-Methylbenzylidencamphor |
| Camphor Benzalkonium Methosulfat | |
| Terephthalylidene Dicamphor Sulfonic Acid | |
| Benzylidene Camphor Sulfonic Acid | |
| Polyacrylamidomethyl Benzylidene Camphor |
Was ist zu beachten?
Einige chemische UV-Filter wirken entzündungshemmend. Substanzen wie Oxybenzon, Homosalat und Octisalat könnten ein UV-induzierte Erythem maskieren, ohne zelluläre/genomische Schäden zu verhindern [11].
Unerwünschte Wirkungen
Bestimmte chemische Filter sind umstritten. Benzophenone, Homosalat oder Octocrylen können durch die Haut in den Körper eindringen. Es gibt Hinweise, dass einige Substanzen endokrin wirken und Stoffwechselprozesse stören könnten [12,13].
Die drei Hauptklassen, die am meisten Bedenken verursachen, sind Benzophenone, Kampfer-Derivate und Cinnamat-Derivate. Hinweise auf unerwünschten Wirkungen stammen jedoch hauptsächlich aus Tierstudien [14].
Studienlage zur Sicherheit
Die Sicherheit der in der EU eingesetzten chemischen Filter wurde bewertet. Bis zur vorgegebenen Höchstkonzentration dürfen sie in Kosmetika enthalten sein.
Benzophenon
Rückstände von Benzophenon (auch als Oxybenzon bekannt) wurden nicht nur im Abwasser, sondern auch im menschlichen Urin und in der Muttermilch festgestellt [15,16]. In Tierstudien wurden sowohl östrogenartige- als auch androgenschädigende Wirkungen nachgewiesen [17,18].
Benzophenone beeinflussen ferner die Schilddrüsen-Hypothalamus-Achse [19].
Benzophenon-3 (BP-3) erklärte das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) der EU in Anbetracht der vorgelegten Daten dennoch für sicher, wenn es als UV-Filter in Gesichts- sowie Handcremes und Lippenstiften bis zu einer Höchstkonzentration von 6% enthalten ist. In Sonnenschutzmitteln (Cremes/Sprays) dagegen sei es nicht sicher. Insgesamt betrachtete das SCCS die verfügbaren Daten zu mutmaßlich endokrinschädigenden Eigenschaften von BP-3 als nicht schlüssig und bestenfalls als zweideutig. Für eine endgültige Bewertung seien weitere Untersuchungen notwendig [20].
In einem Review aus 2022 rieten die Autoren, dass Schwangere, Kinder und Jugendliche Kosmetika, die BP-3 enthalten, mit Vorsicht verwenden sollten. Grund sei, dass wegen der wenigen Studien am Menschen die Sicherheit nicht eindeutig bewertet werden könne [21].
Kampferderivate
Kampferderivate reichern sich nach längerer Exposition im Gewebe an, und da sie sehr lipophil sind, können sie nach direktem Kontakt mit der Haut leicht absorbiert werden [22]. 4-Methylbenzylidenkampfer oder 3-Benzylidenkampfer (seit Februar 2016 für die Verwendung in kosmetischen Mitteln in der EU nicht mehr erlaubt) haben in verschiedenen Fisch-, Säugetier- und zellbasierten Bio-Tests eine östrogenartig Wirkung gezeigt [23]. Die noch zugelassenen Kampferderivate werden derzeit als ausreichend sicher für die vorgesehene Anwendung bewertet.
Cinnamat-Derivate
Cinnamat-Derivate wie Octylmethoxycinnamat und Octocrylen können sowohl UV-A als auch UV-B absorbieren. Octylmethoxycinnamat könnte verschiedene Hormone, darunter Östrogen, Progesteron und Schilddrüsenhormone, stören [24].
2001 hatte der damals zuständige Vorgängerausschuss des SCCS, das Scientific Committee on Cosmetic Products and Non-food products intended for Consumers (SCCNFP) der EU, die vorliegenden In-vitro- und In-vivo-Studien geprüft und die Nachweise als nicht ausreichend befunden, um ein endokrinschädigendes Potenzial anzunehmen [25]. 2012 hatte die französische Agentur für die Sicherheit von Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten (ANSM) Ethylhexylmethoxycinnamat bewertet. Die Verwendung in kosmetischen Mitteln wurde ebenfalls als sicher befunden [26].
Homosalat
2022 empfahl das SCCS, dass Homosalat wegen Sicherheitsbedenken nur in einer Höchstkonzentration von 0,5% im Endprodukt enthalten sein darf. Um ein Verbot zu erwirken, hielt das SCCS die verfügbaren Nachweise der endokrinen Eigenschaften von Homosalat für nicht schlüssig genug [27].
Octocrylen
Octocrylen bewertete das SCCS 2021. Der UV-Filter darf in kosmetischen Mitteln bis zu einer Höchstkonzentration von 10% verwendet werden. Hinweise aus In-vivo-Studien auf mögliche endokrine Wirkungen betrachtete das Komitee als nicht ausreichend. Die Fälle von Kontaktsensibilisierung seien vernachlässigbar [28].









