UV-Filter

Chemische und physikalische UV-Filter können einen Sonnenbrand verhindern. Die in der EU eingesetzten Substanzen gelten in den zugelassenen Höchstkonzentrationen als sicher. Einige Hautkrebsformen lassen sich damit vermutlich verhindern.

UV-Filter

Sonnenschutzmittel enthalten chemische und/oder physikalische UV-Filter. Die Filtersubstanzen sind für die schützende Wirkung der Produkte verantwortlich. Aktuell sind 32 verschiedene UV-Filter in der europäischen Union (EU) zugelassen, um mindestens einen Lichtschutzfaktor von mindestens 6 zu erzielen.

Epidemiologische Studien lassen darauf schließen, dass sich durch Sonnenschutzmittel einige Hautkrebsformen verhindern lassen. Es ist allerdings nicht ausreichend belegt, dass sie auch vor einer Melanombildung schützen [5].

Wie sicher sind UV-Filter?

Einige Menschen haben Bedenken, dass die eingesetzten Substanzen gesundheitsschädlich sein könnten. Bei UV-Filtern, die in der Europäischen Union erhältlich sind, sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft keine schädlichen Wirkungen zu erwarten. Die Substanzen wurden durch das wissenschaftliche Expertengremium der EU-Kommission („Scientific Committee on Consumer Safety“ [SCCS]) als sicher zur Verwendung als UV-Filter in Sonnenschutzmitteln bis zu einer genannten Höchstkonzentration bewertet [6,7].

Sicherheit wird bewertet

Auch die Produkte an sich gelten als sicher. Sonnenschutzmittel zählen zu den Kosmetika. Diese müssen anders als Arzneimittel nicht behördlich zugelassen werden. Der Hersteller ist jedoch verpflichtet, eine Sicherheitsbewertung zu erstellen. Darin wird die Sicherheit jedes Inhaltsstoffes in der eingesetzten Konzentration geprüft.

Bei Inhaltsstoffen wie UV-Filtern ist der Hersteller in seiner Auswahl eingeschränkt. Ebenso wie die eingesetzten Farb- und Konservierungsmittel müssen die UV-Filter auf Basis einer Risikobewertung durch das SCCS von der EU-Kommission in den entsprechenden Anhang der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 (EU-KVO) (Anhang IV: Positivliste Farbstoffe; Anhang V: Positivliste Konservierungsstoffe; Anhang VI: Positivliste UV-Filter) aufgenommen worden sein [7].

Sonnenschutzmittel und Vitamin D-Produktion

UVB-Strahlung ist für die Vitamin-D-Synthese unerlässlich, aber auch die Hauptursache für Sonnenbrand und Hautkrebs. Für eine ausreichende Vitamin-D-Synthese genügt es in der Regel, zwei- bis dreimal pro Woche Gesicht, Hände und Arme wenige Minuten der Sonne auszusetzen [1].

Ein klinisch relevanter Vitamin D-Mangel betrifft in Deutschland vor allem Risikogruppen. Dazu zählen alte und chronisch kranke Menschen, die bettlägerig sind oder kaum die Wohnung verlassen. Und da Säuglinge und Kleinkinder einen intensiven Sonnen- und UV-Schutz benötigen, bekommen sie bis zum zweiten Frühsommer nach der Geburt Vitamin D-Präparate [1].

Studien über die Auswirkung von Sonnenschutzmitteln auf die Vitamin-D-Synthese haben zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt. Das könnte zum Teil daran liegen, dass viele Menschen Sonnenschutzmittel nicht optimal auftragen, was die Ergebnisse verfälschen kann. In einer Studie aus 2019 konnte mit einer Formulierung mit Lichtschutzfaktor (LSF) 15 immer noch eine hochsignifikante Verbesserung der Serumkonzentrationen von 25-Hydroxyvitamin D3 erreicht werden [8].

Wie wirksam sind UV-Filter?

Es liegen epidemiologische Studien vor, in denen der Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und dem Risiko für kutane Melanome und nicht-melanozytären Hautkrebs untersucht wurde. Allerdings war die Verwendung von Sonnenschutzmitteln in den meisten Studien nicht die primäre Fragestellung. Die gesammelten Informationen über die Verwendung sind daher lückenhaft und lassen kaum verlässliche Schlussfolgerungen zu [9].

Die Interpretation wird weiterhin dadurch erschwert, dass Sonnenschutzmittel am häufigsten von Menschen verwendet werden, deren Haut empfindlich auf die Sonne reagiert, die sich häufig der Sonne aussetzen und ihre Haut nicht auf andere Weise schützen, oder die eine Vorgeschichte sonnenbedingter Neoplasien haben. Sie haben das höchste Risiko, an Hautkrebs zu erkranken [9].

Es liegen keine randomisierten Studien oder Kohortenstudien zur Verwendung von Sonnenschutzmitteln und dem Risiko für kutane Melanome vor. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) überprüfte 2001 die damals vorliegenden fünfzehn Fall-Kontroll-Studien, in denen der Zusammenhang zwischen der Verwendung von Sonnenschutzmitteln und dem Risiko für das kutane Melanom untersucht wurde. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass es keine ausreichenden Beweise für den Schutz vor Melanomen und Basalzellkarzinomen (BCC) und nur begrenzte Beweise für den Schutz vor kutanen Plattenepithelkarzinomen (cSCC) gebe [9].

Acht der eingeschlossenen Studien zeigten statistisch signifikant höhere Risiken für ein kutanes Melanom bei Nutzern von Sonnenschutzmitteln als bei Nichtbenutzern. Ein möglicher Grund für das erhöhte Melanomrisiko bei Sonnencremenutzern könnte sein, dass sie die Produkte verwendeten, um länger in der Sonne bleiben zu können. Vier der Fall-Kontroll-Studien lieferten kaum Belege für einen Effekt der Sonnenschutzmittel auf das Risiko für das kutane Melanom und drei zeigten statistisch signifikant geringere Risiken bei Anwendern der Produkte [9].

Autor:
Stand:
08.08.2023
Quelle:
  1. Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ): Ultraviolette Strahlung und Krebsrisiko. Warum Schutz vor UV-Strahlung wichtig ist. Letzte Aktualisierung: 26.07.2021 (zuletzt aufgerufen 11.06.2023) Link funktioniert nicht, hier die url: https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/uv-strahlung.php
  2. Empfehlung der Kommission vom 22. September 2006 über die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln und diesbezügliche Herstellerangaben. Amtsblatt der Europäischen Union vom 26.09.2006 (zuletzt aufgerufen 11.06.2023)
  3. Diffey B (2000). Has the sun protection factor had its day? British Medical Journal, DOI: 10.1136/bmj.320.7228.176
  4. Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V.: Sonnenschutzmittel (zuletzt aufgerufen 11.06.2023)
  5. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Sonnenschutzmittel. Rechtliche Regelungen und deren Überwachung (zuletzt aufgerufen 11.06.2023)
  6. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Sonnencreme schützt, doch gibt es gesundheitliche Risiken? Letzte Aktualisierung: 28.05.2020 (zuletzt aufgerufen 11.06.2023)
  7. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Sonnencreme und Co. - gibt es gesundheitliche Risiken? Fragen und Antworten des Bundesinstituts für Risikobewertung zu Sonnenschutzmitteln vom 19.12.2019 (zuletzt aufgerufen 11.06.2023)
  8. Young et al. (2019): Optimal sunscreen use, during a sun holiday with a very high ultraviolet index, allows vitamin D synthesis without sunburn. British Journal of Dermatology, DOI: 10.1111/bjd.17888
  9. IARC (2001): IARC Handbooks of Cancer Prevention Volume 5: Sunscreens
  10. Verordnung über kosmetische Mittel (Kosmetik-Verordnung), Ausfertigungsdatum: 16.07.2014
  11. Sayre, Dowdy, Rosenberg (2013): Sun-protection factor confounded by anti- inflammatory activity of sunscreen agents. Journal of the American Academy of Dermatology, DOI: 10.1016/j.jaad.2013.01.047
  12. Matta et al. (2019): Effect of Sunscreen Application Under Maximal Use Conditions on Plasma Concentration of Sunscreen Active Ingredients: A Randomized Clinical Trial. Journal of the American Medical Association, DOI: 10.1001/jama.2019.5586
  13. Matta et al. (2020): Effect of Sunscreen Application on Plasma Concentration of Sunscreen Active Ingredients: A Randomized Clinical Trial. Journal of the American Medical Association, DOI: 10.1001/jama.2019.20747
  14. Paul (2019): Ensuring the Safety of Sunscreens, and Their Efficacy in Preventing Skin Cancers: Challenges and Controversies for Clinicians, Formulators, and Regulators. Frontiers in Medicine, DOI: 10.3389/fmed.2019.00195
  15. Wang, Kannan (2013): Characteristic profiles of benzonphenone-3 and its derivatives in urine of children and adults from the United States and China. Environmental Science & Technology, DOI: 10.1021/es4032908
  16. Kerdivel et al. (2013): Estrogenic potency of benzophenone UV filters in breast cancer cells: proliferative and transcriptional activity substantiated by docking analysis. PLoS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0060567
  17. Suzuki et al. (2005): Estrogenic and antiandrogenic activities of 17 benzophenone derivatives used as UV stabilizers and sunscreens. Toxicology and Applied Pharmacology, DOI: 10.1016/j.taap.2004.07.005
  18. Nashev et al. (2010): The UV-filter benzophenone-1 inhibits 17β-hydroxysteroid dehydrogenase type 3: virtual screening as a strategy to identify potential endocrine disrupting chemicals. Biochemical Pharmacology, DOI: 10.1016/j.bcp.2009.12.005
  19. Taurog, Dorris, Doerge (1996): Mechanism of simultaneous iodination and coupling catalyzed by thyroid peroxidase. Archives of Biochemistry and Biophysics, DOI: 10.1006/abbi.1996.0222
  20. Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS): OPINION on Benzophenone-3 (CAS No 131-57-7, EC No 205-031-5), 31 March 2021
  21. Wnuk et al. (2022): Benzophenone-3, a chemical UV-filter in cosmetics: is it really safe for children and pregnant women? Advances in Dermatology and Allergology, DOI: 10.5114/ada.2022.113617
  22. Schlumpf et al. (2001): In vitro and in vivo estrogenicity of UV screens. Environmental Health Perspectives, DOI: 10.1289/ehp.01109239
  23. Schlumpf et al. (2004): Estrogenic activity and estrogen receptor beta binding of the UV filter 3-benzylidene camphor. Comparison with 4- methylbenzylidene camphor. Toxicology, DOI: 10.1016/S0300-483X(04)00116-7
  24. Jiménez-Díaz et al. (2013): Simultaneous determination of the UV-filters benzyl salicylate, phenyl salicylate, octyl salicylate, homosalate, 3-(4-methylbenzylidene) camphor and 3-benzylidene camphor in human placental tissue by LC-MS/MS. Assessment of their in vitro endocrine activity. Journal of Chromatography B: Analytical Technologies in the Biomedical and Life Sciences, DOI: 10.1016/j.jchromb.2013.08.006
  25. Scientific Committee on Cosmetic Products and Non-Food Products (SCCNFP) (2001): Opinion on the Evaluation of Potentially Estrogenic effects of UV-filters adopted by the SCCNFP during the 17th Plenary Meeting of 12 June 2001
  26. Agence nationale de sécurité du médicament et des produits de santé (ANSM) (2012): Evaluation du risque lié à l’utilisation de l’octyl methoxycinnamate dans les produits cosmétiques
  27. Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) (2022): Opinion on homosalate, DOI: 10.2875/471351
  28. Scientific Committee on Consumer Safety SCCS) (2022): Opinion on Octocrylene, DOI: 10.2875/955656
  29. health&media GmbH (haut.de) (2022):Titandioxid – Inhaltsstoff – insbesondere Lichtschutzfilter
  30. health&media GmbH (haut.de): TITANIUM DIOXIDE
  31. health&media GmbH (haut.de): ZINC OXIDE
  32. Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.: Pressemeldung: Kinder brauchen gründlichen Sonnenschutz, 05.06.2023
  33. Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) (2012): Opinion on Zinc oxide (nano form), COLIPA S76, DOI: 10.2772/88660
  34. Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) (2013): Addendum to the Opinion on Zinc oxide (nano form), COLIPA S76, DOI: 10.2772/70325
  35. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2010): Sonnenschutzmittel: Zinkoxid als UV-Filter ist nach derzeitigem Kenntnisstand gesundheitlich unbedenklich. Stellungnahme Nr. 037/2010 des BfR vom 18.06.2010 (zuletzt aufgerufen 11.06.2023)
  36. Scientific Committee on Cosmetic Products and Non-Food Products (SCCNFP) (2000): Opinion of the Scientific Committee on Cosmetic Products and Non-Food Products intended for Consumers concerning Titanium Dioxide COLIPA n° s75, Opinion SCCNFP/0005/98
  37. Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) (2013): Opinion on Titanium Dioxide (nano form) COLIPA S75, DOI: 10.2772/70108
  38. Zerres, Stahl (2020): Carotenoids in human skin. Biochimica et Biophysica Acta. Molecular and cell biology of lipids, DOI: 10.1016/j.bbalip.2019.158588
  39. Fernández-García (2014): Skin protection against UV light by dietary antioxidants. Food & function, DOI: 10.1039/c4fo00280f
  40. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE): Fachinformationen. Sekundäre Pflanzenstoffe und Gesundheit. Letzte Aktualisierung: Dezember 2014 (zuletzt aufgerufen 11.06.2023)
  41. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Beta-Carotin-haltige Arzneimittel zur innerlichen Anwendung mit einer Tagesdosis von 2 mg oder mehr, Bescheid vom 07.12.2005
  42. Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/betacarotinkapseln-allenfalls-geringfuegiger-sonnenschutz-10733, Stand 13. Juni 2023
  43. European Food Safety Authority (EFSA) (2009): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to beta carotene and physiological immune responses of the skin in relation to UV radiation (sun exposure). EFSA Journal, DOI: 10.2903/j.efsa.2009.1231
  44. European Food Safety Authority (EFSA) (2011): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to beta carotene and protection of DNA, proteins and lipids from oxidative damage (ID 19, 197, 1262, 1460), protection of the skin from UV-induced (including photo-oxidative) damage (ID 178, 197, 1263, 1461, 1968, 2320) and maintenance of the normal function of the immune system (ID 200, 1462) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006, EFSA Journal, DOI: 10.2903/j.efsa.2011.2021
  45. European Food Safety Authority (EFSA) (2011): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to a combination of lycopene, proanthocyanidins, vitamin C, vitamin E, selenium and beta-carotene and contribution to normal collagen formation (ID 1669) and protection of the skin from UV-induced damage (ID 1669) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006, EFSA Journal, DOI: 10.2903/j.efsa.2011.2239
  46. European Food Safety Authority (EFSA) (2011): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to lycopene and protection of DNA, proteins and lipids from oxidative damage (ID 1608, 1609, 1611, 1662, 1663, 1664, 1899, 1942, 2081, 2082, 2142, 2374), protection of the skin from UV-induced (including photo-oxidative) damage (ID 1259, 1607, 1665, 2143, 2262, 2373), contribution to normal cardiac function (ID 1610, 2372), and maintenance of normal vision (ID 1827) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006, EFSA Journal, DOI: 10.2903/j.efsa.2011.2031
  47. Sies, Stahl (2004): Carotenoids and UV protection. Photochemical & photobiological sciences, DOI: 10.1039/b316082c
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