Einige Mikronährstoffe sollen den Lichtschutz unterstützen und zu Reparatur- und Heilungsprozessen in geschädigtem Gewebe beitragen. In diesem Zusammenhang werden Betacarotin und Lycopin, die Vitamine C und E, die Spurenelemente Selen und Zink und der Mineralstoff Kalzium genannt. Sie wirken antioxidativ oder sind Bestandteile antioxidativer Enzyme.
Der „Sonnenschutz von innen“ soll dazu beitragen, molekulare Ziele vor reaktiven Sauerstoffspezies, einschließlich angeregter Singulett-Sauerstoff- und Triplett-Zustandsmoleküle, zu schützen [38,39].
Carotinoide
Der Begriff Carotinoide umfasst eine Klasse von natürlich vorkommenden Farbstoffen mit Betacarotin und Lycopin als prominenten Vertretern. Sie werden von Pflanzen, Bakterien, Pilzen und Algen synthetisiert und sind für die leuchtenden Farben von Obst und Gemüse verantwortlich. Außer in Lebensmitteln sind sie auch in Nahrungsergänzungsmitteln (NEMs) enthalten [38,40].
Was ist zu beachten?
Bei starken Rauchern (20 oder mehr Zigaretten pro Tag) wurde ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko beobachtet, wenn sie Betacarotin in hohen Dosierungen supplementierten. Bis zu 15 mg Gesamtaufnahme werden aber derzeit für Raucher als sicher angesehen. [41, 42].
Studienlage
Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (European Food Safety Authority, EFSA) hat wiederholt die wissenschaftliche Datenlage zu Betacarotin zum Schutz der Haut vor UV-Strahlung geprüft. 2011 betrachtete das Gremium die Studienlage als nicht ausreichend, um entsprechende Wirkungen einer Betacarotin-Supplementierung alswissenschaftlich bewiesen zu bewerten. Die vorgelegten Interventionsstudien seien im Ergebnis uneinheitlich, nur mit einer begrenzten Anzahl von Personen und in Dosen durchgeführt wurden [,43,44].
Schutzwirkung nicht nachgewiesen
Ebenfalls 2011 erschien ein EFSA-Gutachten, das sich mit der wissenschaftlichen Untermauerung gesundheitsbezogener Angaben in Bezug auf eine Kombination aus Lycopin, Proanthocyanidinen, Vitamin C, Vitamin E, Selen und Beta-Carotin und den Beitrag zur normalen Kollagenbildung und zum Schutz der Haut vor UV-induzierten Schäden befasste. Auf der Grundlage der vorgelegten Daten erklärte das Gremium, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen den genannten Substanzen und dem Schutz der Haut vor UV-induzierten Schäden nicht nachgewiesen sei [45].
Das Gutachten der EFSA zu Lycopin stammt ebenfalls aus 2011 und auch darin wurde eine Schutzwirkung vor UV-Schäden als nicht ausreichend belegt befunden [46].
Hinweise aus Reviews
In einzelnen Studien konnten gewisse Schutzwirkungen gezeigt werden. In einem Review aus 2020 haben Zerres und Stahl die UV-protektive Wirkung von Carotinoiden in der Nahrung geprüft. Je nach Design zeigten die meisten Studien, dass eine erhöhte Aufnahme von Carotinoiden mit einer Verringerung der UV-induzierten Erythemreaktion (Sonnenbrand) verbunden war. Der Schutz war jedoch im Sinne eines Lichtschutzfaktors gering [38].
Zu einem ähnlichen Ergebnis waren Fernández-García 2014 und Sies und Stahl 2004 gekommen. Sie wiesen in ihren jeweiligen Reviews darauf hin, dass in den Interventionsstudien relativ lange Behandlungszeiträume (mindestens zehn Wochen) erforderlich gewesen waren, um die schützende antioxidative Wirkung zu erzielen. Die Konzentration müsse zudem ausreichend hoch sein [39,47].
Fazit
Insgesamt lässt sich sagen, dass Mikronährstoffe in Kombination mit anderen Maßnahmen einen geringen UV-Schutz bieten könnten. Sie sind aber keinesfalls ein Ersatz für Sonnenschutzmittel oder andere Schutzmaßnahmen.










