Unter Androgenentzugstherapie verliert der Knochen häufig an Dichte
Prostatakrebs ist oft schon vor dem Beginn einer Androgenentzugstherapie (androgen deprivation therapy [ADT]) mit signifikantem Knochenschwund verbunden. In etwa 50% der Fälle wird eine ADT über mehrere Jahre verordnet, um das Wachstum des Karzinoms einzudämmen. Die ADT führt jedoch gegenüber gesunden Männern zu einem fünf- bis zehnfach höheren Verlust der Knochenmineraldichte (bone mineral density [BMD]) und einem bis zu siebenfachen Anstieg des Frakturrisikos.
Derzeit existieren kaum Interventionen, um dem ADT-induzierten Knochendichteverlust entgegenzuwirken. Aktuelle Behandlungsleitlinien empfehlen für Patienten unter ADT die Gabe von Vitamin D 800 IU/Tag und Kalzium 1.200-1.500 mg/Tag. Wegen der Komplikationsrisiken sollten antiresorptive Wirkstoffe wie Bisphosphonate nur zurückhaltend eingesetzt werden.
Über die optimalen Serumkonzentrationen durch die Gabe von hochdosiertem Vitamin D gibt es bisher keinen Konsens.. Eine Expertenkommission der American Society of Clinical Oncology (ASCO) ermittelte im Jahr 2019, dass die allgemein empfohlene Supplementierung mit 600-1.000 IU/Tag im onkologischen Bereich Knochenschwund nicht ausreichend verhindern kann.
Kann hochdosiertes Vitamin D den Knochenschwund vorhindern?
US-amerikanische Wissenschaftler untersuchten in einer randomisierten, kontrollierten Phase-II-Studie die Durchführbarkeit, Sicherheit und vorläufige Wirksamkeit der Gabe von hochdosiertem Vitamin D (HDVD, 50.000 IE/Woche) im Vergleich zu Placebo über 24 Wochen.
Die 59 an Prostatakrebs erkrankten Studienteilnehmer hatten innerhalb der letzten sechs Monate eine ADT begonnen. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 67,7 Jahre, der Serumgehalt von 25-Hydroxyvitamin-D lag unter 32 ng/ml.
Alle Studienteilnehmer erhielten zusätzlich Vitamin D 600 IU/Tag und Kalzium 1.000 mg/Tag. Zu Studienbeginn und nach der Intervention wurde die BMD mittels Dual-Energy-Röntgenabsorptiometrie beurteilt. Außerdem betrachteten die Wissenschaftler Aspekte des Knochenstoffwechsels anhand von Markern für die Knochenbildung und die Resorption, um die Mechanismen zu erforschen, über die die HDVD auf die Knochenintegrität wirkt. Die Ergebnisse publizierten die Forscher unter Erstautor Dr. Luke Peppone vom University of Rochester Medical Center in Rochester, USA, im Fachblatt Cancer [1].
Die HDVD-Supplementierung reduzierte signifikant den Verlust an Knochendichte.
Die Männer in der HDVD-Gruppe (N = 29) verloren 1,5% der BMD an der gesamten Hüfte, diejenigen in der niedrig dosierten Gruppe (N = 30) 4,1% (p = 0,03). Am Oberschenkelhals betrug der Verlust 1,7% vs. 4,4% (p = 0,06). Patienten mit einem 25-Hydroxyvitamin-D-Ausgangswert von <27 ng/ml verloren unter HDVD 2,3% der BMD an der gesamten Hüfte. In der niedrig dosierten Gruppe waren es 7,1% (p < 0,01).
Im HDVD-Arm zeigten sich signifikante Veränderungen in den Spiegeln von Parathormon (p < 0,01), Osteoprotegerin (p < 0,01), des N-terminalen Telopeptids des Typ-1-Kollagens (p < 0,01) und des C-terminalen Telopeptids des Typ-1-Kollagens (p < 0,01).
Die Inzidenzen von unerwünschten Ereignissen und Toxizitätsreaktionen waren für beide Versuchsgruppen vergleichbar.
Die HDVD-Supplementierung schützte den Knochen, die Effektgröße war jedoch gering.
Die Wissenschaftler schlussfolgerten, dass die HDVD-Supplementierung bei älteren Männern mit Prostatakrebs und ADT durchführbar, sicher und wirksam war. Den größten Nutzen zogen Männer mit besonders niedrigen Ausgangsspiegeln an 25-Hydroxyvitamin-D aus der HDVD-Gabe.
Die Wissenschaftler beobachteten, dass die BMD anstieg, obwohl auch die Biomarkerlevel für die Resorption angestiegen waren. Analyseergebnisse gaben Hinweise darauf, dass der Effekt möglicherweise darauf zurückzuführen sein könnte, dass die HDVD die Differenzierung von Osteoklasten beeinflusste. Die Wissenschaftler halten weitere Studien für nötig, bevor sich dazu Schlussfolgerungen ziehen lassen.
Im Vergleich zu anderen Wirkstoffen war die Effektgröße der HDVD-Supplementierung gering. Die Wissenschaftler sehen daher die Supplementierung eher als ergänzende Option bei Patienten, die besonders gefährdet für einen Knochendichteschwund sind.









