DGU 2025: Ablative Verfahren beim Nierenzellkarzinom

Neue Studiendaten zeigen eine klare Unterlegenheit ablativer Verfahren gegenüber der partiellen Nephrektomie. Leitlinien empfehlen sie nur für Hochrisikopatienten.

Älterer Herr

T1a-Tumoren mit einem Durchmesser < 4 cm gelten häufig als weniger aggressiv. Eine systematische Arbeit von Klatte et al. (2021) zeigte eine Metastasierungsrate von nur 1,8 % und eine karzinomspezifische Mortalität (CSM) von 0,8 %. Demgegenüber wies das schwedische Krebsregister für dieselbe Tumorgröße eine Metastasierungsrate von 8 % aus. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass selbst kleine Tumoren ein relevantes biologisches Potenzial haben.

Ablative Verfahren im Vergleich zur partiellen Nephrektomie

Kryotherapie und Radiofrequenzablation gelten als minimalinvasive Alternativen. Im direkten Vergleich zeigte sich jedoch, dass beide Verfahren hinsichtlich rezidivfreiem, lokalrezidivfreiem und metastasenfreiem Überleben jedoch deutlich schlechtere Ergebnisse liefern als die partielle Nephrektomie (Flegar et al. 2023).

Leitlinienempfehlungen zur Indikation

Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt Ablationsverfahren nur für gebrechliche Patienten, bei starker Komorbidität oder begrenzter Lebenserwartung. Eine ähnliche Haltung vertritt die EAU-Leitlinie. Die AUA-Leitlinie empfiehlt dagegen eine Ausweitung der Indikation auf Tumoren bis cm Durchmesser. Vor dem Hintergrund der schlechteren onkologischen Ergebnisse ist diese Empfehlung kritisch zu betrachten.

Häufigkeit ablativer Verfahren in Deutschland

2019 wurden in Deutschland lediglich rund 2 % der Nierenzellkarzinome mittels Ablation behandelt – ein ähnlich niedriger Anteil wie in den USA. „Das ist eine vernachlässigbare Zahl, die sich auch in naher Zukunft kaum ändern wird“, so die Einschätzung von Prof. Kuczyk auf dem DGU-Kongress 2025.

Fazit und Ausblick

Ablative Verfahren bieten zwar einen schonenden, minimalinvasiven Ansatz, sind jedoch der partiellen Nephrektomie klar unterlegen. Ihr Einsatz sollte weiterhin auf Patientengruppen mit eingeschränkter Prognose begrenzt bleiben. Künftige Forschung könnte neue Techniken oder Kombinationen prüfen, doch derzeit stützen die Leitlinien die strikte Indikationsrestriktion.

Autor:
Stand:
06.10.2025
Quelle:
  1. Kuczyk M. Update Nierenzellkarzinom. Vortrag auf dem 77. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU 2025), 17.–20. September 2025, Hamburg, Deutschland.
  2. Flegar L, Herrmann TRW, Kroeze SGC, de Reijke TM, Müller SC, Eichelberg C., Focal therapy for renal cancer: comparative trends in the USA and Germany from 2006 to 2020 and analysis of the German health care landscape. Urol Int. 2023;107(4):396–406. DOI:10.1159/000528559
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