DGU 2025: Chirurgische Strategien beim Nierenzellkarzinom

Die operative Behandlung des Nierenzellkarzinoms entwickelt sich stetig. Eine aktuelle Analyse vergleicht offene und minimalinvasive Verfahren und untersucht, welche Faktoren eine Konversion zur radikalen Nephrektomie erforderlich machen.

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Primärtumor beim Nierenzellkarzinom: Zentrale chirurgische Fragestellungen

Das Nierenzellkarzinom zählt zu den häufigsten urologischen Tumoren. Die chirurgische Resektion bleibt die zentrale Therapieform, wobei sich die Frage stellt, ob ein offenes oder minimalinvasives Verfahren langfristig bessere Ergebnisse liefert. Diese Diskussion beschäftigt seit Jahren auch Leitlinienautoren.

Offene versus minimalinvasive Chirurgie

Eine Analyse der französischen Gesundheitsdatenbank mit 8.162 Patienten zeigte, dass die Komplikationsrate sowie die Dauer des Krankenhausaufenthalts bei minimalinvasiv behandelten Fällen niedriger waren. Die Autoren sehen deutliche Vorteile minimalinvasiver Verfahren gegenüber der offenen Chirurgie (Pascal et al. 2024). Zwischen roboterassistierter Chirurgie und Laparoskopie wurde nicht weiter differenziert.

Konversionsraten bei roboterassistierter partieller Nephrektomie

Bei roboterassistierten Eingriffen kann es erforderlich werden, von einer geplanten partiellen auf eine radikale Nephrektomie zu konvertieren. Eine Meta-Analyse mit rund 4.000 Patienten identifizierte Alter, ASA-Score, RENAL-Score und die Off-Clamp-Technik als Risikofaktoren (Wang et al. 2024). Eine multizentrische Serie mit 2.500 Fällen bestätigte diese Faktoren und zeigte eine Konversionsrate von 3,5 %. Zusätzlich spielte die Erfahrung des Operateurs eine wesentliche Rolle.

Operateurserfahrung als Schlüsselfaktor

Prof. Kuczyk betonte, dass unerfahrene Operateure erwartungsgemäß eine höhere Konversionsrate aufweisen als erfahrene Kollegen. Neben patienten- und tumorbezogenen Variablen ist die chirurgische Expertise somit ein entscheidender Prognosefaktor.

Bedeutung von intraoperativen Strategien

In 53 % der Konversionsfälle erfolgte nicht die Umstellung auf eine radikale Nephrektomie, sondern der Wechsel von einer roboterassistierten zu einer offenen partiellen Resektion. Dies verdeutlicht, dass spezialisierte Zentren Strukturen vorhalten müssen, um intraoperativ flexibel zu reagieren. Eine qualifizierte Umstellung sichert den Organerhalt und kann unnötige Radikaloperationen vermeiden.

Fazit und Ausblick

Minimalinvasive Ansätze haben sich in der Chirurgie des Nierenzellkarzinoms etabliert. Sie bieten klare Vorteile gegenüber offenen Verfahren, auch wenn sich dies nicht in allen Komplikationsraten widerspiegelt. Entscheidend sind die Erfahrung des Operateurs und die Möglichkeit, intraoperativ flexibel auf komplexe Situationen zu reagieren. Weitere Studien sollten untersuchen, wie Trainingsprogramme und Zentrenbildung die chirurgischen Ergebnisse langfristig verbessern können.

Autor:
Stand:
29.10.2025
Quelle:
  1. Kuczyk M. Update Nierenzellkarzinom. Vortrag auf dem 77. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU 2025), 17.–20. September 2025, Hamburg, Deutschland.
  2. Pascal, G., Eschwège, P., Salleron, J. et al. Open versus mini-invasive partial and radical nephrectomy complications: results from the French national health database. BMC Urol 24, 229 (2024). DOI:10.1186/s12894-024-01625-1 
  3. Wang, C.-J., Qin, J., Pang, C.-C., Chen, C.-X., Li, H.-Y., Huang, H.-T., Cao, S., & Yang, X.-S. (2024). Meta-analysis and systematic review of factors predicting conversion to radical nephrectomy following robotic-assisted partial nephrectomy in renal cancer patients. Journal of Robotic Surgery, 18(1), 377. DOI:10.1007/s11701-024-02147-7
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