Glomeruläre Erkrankungen und COVID-19: Ein komplexes Verhältnis
Glomeruläre Nierenerkrankungen (GN) sind chronische Leiden, die oft zu einem fortschreitenden Nierenversagen führen können und Menschen aller Altersgruppen betreffen. Bei Patienten mit GN besteht ein erhöhtes Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung.
Es gibt Befürchtungen, dass COVID-19 die Progression der GN beschleunigen könnte. Berichte über Fälle, in denen COVID-19-Impfstoffe Krankheitsrückfälle auslösten [1], führten zur Zurückhaltung gegenüber den Impfangeboten.
Auswertung von Daten des Cure Glomerulonephropathy Network (CureGN)
In einer prospektiven Kohortenstudie analysierten Forscher den Einfluss einer COVID-19-Infektion im Vergleich zur COVID-19-Impfung auf die Nierenfunktion und die Aktivität glomerulärer Nierenerkrankungen (GN).
Die Studie basierte auf Daten von 2.055 Kindern und Erwachsenen mit verschiedenen primären GN-Formen, darunter minimale Veränderungen, fokale segmentale Glomerulosklerose, membranöse Nephropathie und IgA-Nephropathie. Diese Daten stammen aus 71 Zentren in Nordamerika, Kanada und Europa, die alle Teil des Cure Glomerulonephropathy Network (CureGN) sind. Dieses Netzwerk zielt darauf ab, eine solide Grundlage für GN-Studien zu schaffen und die Diagnose sowie Behandlung von GN-Patienten zu verbessern.
Seit seiner Gründung im Jahr 2014 hat das CureGN-Netzwerk eine umfangreiche und diverse Patientengruppe zusammengestellt, wodurch den Forschern umfassende Möglichkeiten zur Untersuchung von GN geboten werden. Dies war in der Vergangenheit aufgrund langer erforderlicher Beobachtungszeiträume und der Herausforderung der Patientenakquise oft schwierig [2].
Die Resultate der COVID-19-Studie, unter der Leitung des Erstautors Chia-shi Wang von der Abteilung für Kinder-Nephrologie in Atlanta, USA, wurden im "American Journal of Kidney Diseases" veröffentlicht [3].
COVID-19 und Nierenfunktion
Von den Studienteilnehmern mit GN erkrankten 35% (722 von 2.055) an COVID-19. Von diesen mussten 13% (92 Personen) stationär aufgenommen werden, und drei verstarben, was weniger als 1% entspricht.
Vor einer COVID-19-Infektion lag die Veränderung der eGFR bei -1,40 ml/min/1,73 m2 pro Jahr. Dieser Wert verschlechterte sich in den sechs Monaten nach einer COVID-19-Infektion auf -4,26 ml/min/1,73 m2 pro Jahr. Allerdings stellten die Forscher fest, dass dieser Unterschied statistisch nicht signifikant war (p=0,3).
Erhöhtes Risiko einer GN-Verschlechterung nach COVID-19
Durch Proteinmessungen im Urin vor und nach einer COVID-19-Infektion stellten Forscher fest, dass das Risiko einer Verschlechterung der GN infolge einer COVID-19-Erkrankung zunahm (HR 1,35).
Impfung und ihre Auswirkungen auf die Nierenfunktion
Von den 2.055 Studienteilnehmern erhielten 1.407 (68%) mindestens eine Dosis des COVID-19-Impfstoffs.
Vor der Impfung lag die jährliche Änderung der eGFR bei -1,34 ml/min/1,73 m2. Innerhalb von sechs Monaten nach der Impfung änderte sie sich auf -2,16 ml/min/1,73 m2 pro Jahr, wobei dieser Unterschied nicht signifikant war (p=0,6).
Trotz der Impfung blieb das Risiko einer GN-Verschlechterung, basierend auf Proteinurie-Messungen, konstant (Hazard Ratio (HR) 1,02).
Die Forscher sehen in der Förderung der COVID-19-Impfung einen entscheidenden Schritt, um sowohl COVID-19-Infektionen als auch potenzielle schwerwiegende Auswirkungen, wie Rückfälle der GN und Verschlechterungen der Nierenfunktion, zu verhindern.









