Bedeutung der Miktionsposition in der Urologie
Die Frage, ob Männer im Stehen oder im Sitzen urinieren sollten, scheint auf den ersten Blick vor allem kulturell oder hygienisch motiviert zu sein. Tatsächlich kann die Miktionsposition jedoch Einfluss auf den Harnfluss und die Blasenentleerung haben. Insbesondere bei Männern mit benigner Prostatahyperplasie (BPH) oder anderen Miktionsstörungen sind die Auswirkungen der Positionierung von besonderem Interesse.
Miktionsverhalten im internationalen Vergleich
Eine internationale Umfrage des britischen Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2023 untersuchte das Miktionsverhalten von über 7.000 Männern aus 13 Ländern. In Deutschland gaben 40 % der Befragten an, stets im Sitzen zu urinieren, während es in Mexiko nur 6 % waren. Eine aktuelle japanische Studie mit 3.000 befragten Männern (Sekido et al., 2024) zeigt, dass in Japan mittlerweile 57 % der Männer zu Hause im Sitzen urinieren.
Vergleich von stehender und sitzender Miktionsposition
Eine niederländische Meta-Analyse (de Jong et al., 2014) analysierte den Einfluss der Miktionsposition auf die Blasenentleerung. Die Ergebnisse zeigen, dass für gesunde Männer keine signifikanten Unterschiede zwischen stehender und sitzender Miktion bestehen. Bei Männern mit BPH hingegen verbessert die sitzende Position signifikant die Harnstrahlstärke und reduziert die Restharnmenge, was vermutlich auf eine bessere Entspannung der Beckenbodenmuskulatur zurückzuführen ist. Die Effektstärke ist hierbei vergleichbar mit der Wirkung von Alpha-Blockern, was für eine Kombination beider Maßnahmen spricht.
Japanische Studien liefern neue Erkenntnisse
Zwei aktuelle epidemiologische Untersuchungen in Japan (Mitsui et al., 2024; Sekido et al., 2024) liefern vertiefte Einblicke in das Miktionsverhalten und dessen Zusammenhänge mit urologischen Erkrankungen.
Die erste Studie zeigt, dass Symptome der unteren Harnwege (engl. lower urinary tract symptoms, LUTS) mit zunehmendem Alter stark an Prävalenz gewinnen. In der Altersgruppe über 40 Jahre sind 82,5 % der Bevölkerung von LUTS betroffen. Die Studie betont die Notwendigkeit weiterer Aufklärung, da viele Betroffene keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.
Die zweite Studie ergab, dass sitzendes Wasserlassen mit einer höheren Prävalenz von LUTS assoziiert ist, insbesondere bei älteren Männern. Dies könnte darauf hindeuten, dass Männer mit LUTS sich bewusst für das Sitzen entscheiden, weil es die Miktion erleichtert.
Interessanterweise besteht zudem ein Zusammenhang zwischen der sitzenden Miktionsposition, dem Familienstand und dem Alter: Verheiratete Männer urinieren häufiger im Sitzen als unverheiratete, während jüngere Männer diese Position häufiger wählen als ältere.
Klinische Relevanz und Empfehlungen für die Praxis
Basierend auf der aktuellen Studienlage ergeben sich klare Empfehlungen: Während es für gesunde Männer keinen Unterschied macht, ob sie im Stehen oder Sitzen urinieren, ist für Männer mit LUTS oder BPH das Urinieren im Sitzen medizinisch vorteilhafter.
Zudem bietet die sitzende Position hygienische Vorteile. Urologinnen und Urologen sollten Patienten mit Miktionsproblemen daher gezielt auf diese Aspekte hinweisen. Darüber hinaus sollte die bevorzugte Miktionsposition in der urologischen Diagnostik berücksichtigt werden, da sie z. B. Einfluss auf uroflowmetrische Messungen haben kann.
Fazit: Bedeutung für Forschung und Praxis
Die Miktionsposition hat für viele Männer nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine medizinische Dimension. Während bei gesunden Männern keine funktionellen Unterschiede festzustellen sind, profitieren insbesondere Patienten mit BPH von einer sitzenden Miktion. Die japanischen Studien heben zudem die Bedeutung von LUTS in der alternden Bevölkerung hervor. Künftige Forschung sollte sich darauf konzentrieren, wie gezielte Aufklärung und therapeutische Ansätze die Versorgung von Patienten mit Miktionsproblemen verbessern können.










