Acetylcystein
Acetylcystein ist ein Mukolytikum und Antioxidans, das durch Spaltung von Disulfidbrücken in Mukoproteinen den Schleim verflüssigt und erleichtert. Es wird hauptsächlich zur Behandlung von Atemwegserkrankungen mit zähem Schleim und als Antidot bei Paracetamol-Überdosierung eingesetzt.
Acetylcystein: Übersicht

Anwendung
Acetylcystein wird oral, inhalativ und intravenös zur Verflüssigung des Schleims und Erleichterung des Abhustens bei akuten (z.B. erkältungsbedingter Bronchitis) und chronischen (z.B. chronische Bronchitis, Mukoviszidose) bronchopulmonalen Erkrankungen, die mit einer Störung von Schleimbildung und -transport einhergehen, eingesetzt.
Als Infusionslösung kann der Wirkstoff als Antidot bei Intoxikationen mit Paracetamol, Acrylnitril, Methacrylnitril, Methylbromid verwendet werden.
Wirkmechanismus
Acetylcystein (N-Acetylcystein) wirkt als Mukolytikum, indem es Disulfidbrücken in Mucoproteinen des Schleims reduziert, was die Viskosität des Schleims senkt und dessen Clearance erleichtert. Zusätzlich fungiert Acetylcystein als Vorläufer von Glutathion, einem wichtigen endogenen Antioxidans, indem es die Verfügbarkeit von Cystein erhöht und somit die Entgiftung von reaktiven Sauerstoffspezies fördert. Darüber hinaus besitzt Acetylcystein entzündungshemmende Eigenschaften, indem es pro-inflammatorische Zytokine hemmt und die Aktivität von Transkriptionsfaktoren wie NF-κB moduliert. In der Leber wirkt Acetylcystein als Antidot bei Paracetamol-Überdosierungen, indem es die Glutathion-Speicher auffüllt und die Bildung toxischer Metaboliten verhindert. Es besitzt zudem direkte antioxidative Effekte, indem es freie Radikale neutralisiert.
Pharmakokinetik
- Acetylcystein wird nach oraler Aufnahme rasch und nahezu vollständig resorbiert und in der Leber zu Cystein, dem pharmakologisch aktiven Metaboliten metabolisiert.
- Die Bioverfügbarkeit von oral verabreichtem Acetylcystein ist aufgrund des hohen First-pass-Effektes sehr gering (ca. 10%).
- Beim Menschen werden die maximalen Plasmakonzentrationen nach 1 – 3 Stunden erreicht, wobei die maximale Plasmakonzentration des Metaboliten Cystein im Bereich von etwa 2 μmol/l liegt.
- Die Plasmahalbwertszeit von Acetylcystein beträgt ca. 1 Stunde und wird hauptsächlich durch die rasche hepatische Biotransformation bestimmt. Eine Einschränkung der Leberfunktion führt daher zu verlängerten Plasmahalbwertszeiten bis zu 8 Stunden. Die Eliminationshalbwertszeit nach intravenöser Gabe beträgt 30–40 Min, nach oraler Gabe beträgt die terminale Halbwertszeit 6,25 h.
- Die Proteinbindung von Acetylcystein beträgt etwa 50%.
- Die Exkretion erfolgt fast ausschließlich in Form inaktiver Metabolite über die Nieren.
- Pharmakokinetische Untersuchungen mit intravenöser Gabe von Acetylcystein ergaben ein Verteilungsvolumen von 0,47 l/kg.
- N-Acetylcystein passiert die Plazenta und ist im Nabelschnurblut nachweisbar. Es liegen keine Informationen zur Ausscheidung in die Muttermilch vor.
Dosierung
Orale Anwendung
Erkältungsbedingte Bronchitis:
Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren:
- Einmal täglich 600 mg oder
- Zwei- bis dreimal täglich 200 mg
- Einnahme ohne ärztlichen Rat: max. 4-5 Tage
Kinder und Jugendliche von 6-14 Jahren:
- Zweimal täglich 200 mg
Kinder von 2-5 Jahren:
- Zwei- bis dreimal täglich 100 mg
Kinder unter 2 Jahren:
- Kontraindiziert
Mukoviszidose:
Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren:
- Einmal täglich 600 mg
Kinder über 6 Jahre:
- Dreimal täglich 200 mg
Kinder von 2-6 Jahren:
- Viermal täglich 100 mg
Intravenöse Anwendung
Kinder unter 1 Jahr:
- Nur bei lebenswichtiger Indikation und nicht ambulant
Kinder unter 6 Jahren:
- 10 mg/kg Körpergewicht pro Tag
- Orale Behandlung bevorzugt
Kinder 6-14 Jahre:
- Ein- bis zweimal täglich 150 mg
Erwachsene:
- Ein- bis zweimal täglich 300 mg
- Erste Dosis: 1:1 verdünnt mit isotonischer Natriumchlorid-Lösung oder 5%iger Glukose-Lösung
- Langsame Injektion (über ca. 5 Min.)
Inhalative Anwendung
Kinder 6-14 Jahre:
- Ein- bis zweimal täglich 150-300 mg
Erwachsene:
- Zweimal täglich 300 mg
- Verwendung eines Kompressionsverneblers empfohlen
Anwendung als Antidot (Paracetamol-Vergiftung)
Gesamtdosis innerhalb von 21 Stunden: 300 mg/kg Körpergewicht
Erste Infusion:
- 150 mg/kg in 200 ml Infusionslösung (1 Stunde)
Zweite Infusion:
- 50 mg/kg in 500 ml Infusionslösung (4 Stunden)
Dritte Infusion:
- 100 mg/kg in 1000 ml Infusionslösung (16 Stunden)
Kinder und Jugendliche:
- Gleiche Dosen wie Erwachsene, aber angepasstes Volumen
Nebenwirkungen
Gelegentlich:
Überempfindlichkeitsreaktionen, Kopfschmerzen, Tachykardie, Erbrechen, Durchfall, Stomatitis, Bauchschmerzen, Übelkeit, Urtikaria, Rash, Angioödem, Juckreiz, Exanthem, Fieber, Hypotonie.
Selten:
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mediastinums Bronchospasmus, Dyspnoe, Dyspepsie.
Sehr selten:
Anaphylaktischer Schock, anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen, Hämorrhagie, schwere Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom und Lyell-Syndrom.
Nicht bekannt:
Rhinorrhoe (äußere Anwendung), Flush (intravenöse Anwendung), Gesichtsödeme, verlängerte Prothrombinzeit (intravenöse Anwendung).
Wechselwirkungen
Antitussiva:
Wechselwirkungsstudien wurden nur bei Erwachsenen durchgeführt. Bei kombinierter Anwendung von Acetylcystein mit Antitussiva (hustenstillende Mittel) kann aufgrund des eingeschränkten Hustenreflexes ein gefährlicher Sekretstau entstehen.
Antibiotika:
Acetylcystein inaktiviert in In-vitro-Versuchen Antibiotika (Tetracyclin, Aminoglycoside, Penicilline) beim direkten Mischen. Daher wird ein Mischen von Acetylcystein mit anderen Arzneimitteln nicht empfohlen. Aus Sicherheitsgründen ist die orale Applikation von Antibiotika getrennt und in einem mindestens zweistündigen Abstand zeitversetzt zu erfolgen. Dies gilt nicht für Cefixim.
Nitroglycerin:
Die gleichzeitige Gabe von Acetylcystein kann möglicherweise zu einer Verstärkung der vasodilatatorischen Wirkung von Glyceroltrinitrat (Nitroglycerin) führen. Bei gemeinsamer Anwendung ist der Patient auf eine eventuell auftretende Hypotonie hin zu überwachen, die sich möglicherweise durch Kopfschmerzen andeuten und schwerwiegend sein kann.
Veränderungen bei der Bestimmung von Laborparametern:
Acetylcystein kann die kolorimetrische Gehaltsbestimmung von Salicylaten und bei Harnuntersuchungen die Ergebnisse der Bestimmung von Ketonkörpern beeinflussen.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformationen der verschiedenen Acetylcystein-Präparate
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Gentamicin 160 HEXAL® SF, 160 mg/2 ml Injektionslösung
Hexal AG
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Gentamicin-ratiopharm® 40 mg/ml SF, Injektionslösung
ratiopharm GmbH
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Gentamicin-ratiopharm® 80 mg/2 ml SF, Injektionslösung
ratiopharm GmbH
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Gentamicin-ratiopharm® 160 mg/2 ml SF, Injektionslösung
ratiopharm GmbH
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Hepar 10 % Pfrimmer Infusionslösung
Baxter Deutschland GmbH Medication Delivery
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Intrafusin® 10% Infusionslösung, 500ml
Baxter Deutschland GmbH Medication Delivery
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Intrafusin® 15 % Infusionslösung, 500 ml
Baxter Deutschland GmbH Medication Delivery
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Intrafusin® 15 % Infusionslösung, 1000 ml
Baxter Deutschland GmbH Medication Delivery
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Levomepromazin-neuraxpharm® 25 mg/ml Injektionslösung
neuraxpharm Arzneimittel GmbH
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NAC 200 akut - 1 A Pharma®, 200 mg Brausetabletten
1 A Pharma GmbH
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NAC 600 akut - 1 A Pharma®, 600 mg Brausetabletten
1 A Pharma GmbH
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NAC AIWA 600 mg Brausetabletten
T & D Pharma GmbH
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NAC AL 600 Brausetabletten
ALIUD PHARMA® GmbH
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NAC AL akut 200 mg Brausetabletten
ALIUD PHARMA® GmbH
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NAC AL akut 600 mg Brausetabletten
ALIUD PHARMA® GmbH
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NAC-ratiopharm® 200 mg Brausetabletten
ratiopharm GmbH
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NAC-ratiopharm® 200 mg Trinktabletten
ratiopharm GmbH
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NAC-ratiopharm® 600 mg Brausetabletten
ratiopharm GmbH
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NAC-ratiopharm® akut 600 mg Hustenlöser, Brausetabletten
ratiopharm GmbH
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Nephrosteril Infusionslösung
FRESENIUS KABI Deutschland GmbH
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Nephrotect, Infusionslösung, 250ml
FRESENIUS KABI Deutschland GmbH
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Nephrotect, Infusionslösung, 500ml
FRESENIUS KABI Deutschland GmbH
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Neurocil® Ampullen, 25 mg/ml, Injektionslösung
Desitin Arzneimittel GmbH










