Calcipotriol
Calcipotriol ist ein synthetisches Vitamin-D-Analogon, das Differenzierungsprozesse von Keratinozyten induziert und deren Proliferation inhibiert. Der Wirkstoff wird alleine oder in Kombination mit Glucocorticoiden zur lokalen Behandlung von Psoriasis eingesetzt.
Calcipotriol: Übersicht
Anwendung
Calcipotriol ist indiziert bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis vulgaris zur lokalen Anwendung auf der Kopfhaut und anderen Hautpartien. Neben topischen Formulierungen mit Calcipotriol alleine stehen auch Kombinationspräparate mit topischen Glucocorticoiden zur Verfügung.
Anwendungsart
Calcipotriol-haltige Arzneimittel sind in verschiedenen Formulierungen (Lösung, Gel, Creme, Salbe) erhältlich. Die Wahl der Formulierung und die Häufigkeit der Anwendung orientiert sich an der Lokalisation des betroffenen Hautareals sowie der Ausprägung der Erkrankung. In der Regel erfolgt die topische Anwendung 1-2x täglich. Das Arzneimittel wird dabei dünn (ggf. unter Zuhilfenahme eines geeigneten Applikators) auf die betroffene(n) Hautstelle(n) aufgetragen. Idealerweise verbleibt der Wirkstoff über Nacht oder über den Tag auf der betroffenen Hautstelle ohne zwischenzeitlich abgewaschen zu werden. Calcipotriol-haltige Zubereitungen dürfen nicht direkt im Gesicht oder an den Augen angewendet werden.
Wirkmechanismus
Calcipotriol ist ein synthetisches Vitamin-D-Derivat und ein Analogon des Calcitriols. Calcipotriol aktiviert den nukleären Vitamin-D-Rezeptor (VDR) und induziert folglich eine Heterodimerisierung von VDR mit dem Retinoid-X-Rezeptor (RXR). Auf genomischer Ebene führt dies zur Transaktivierung von Genen des Kalzium- und Knochenstoffwechsels. Darüber hinaus bewirkt die Aktivierung des VDR durch Calcipotriol eine Transrepression entzündlicher und proliferativer Effektorgene, wodurch die Differenzierung von Keratinozyten gefördert und deren Proliferation gehemmt wird. Eine epidermale Hyperproliferation von Keratinozyten in psoriatischen Arealen, die mit einer gestörten Keratinozytendifferenzierung einhergeht, ist maßgeblich beteiligt am Krankheitsbild der Plaque-Psoriasis.
Pharmakokinetik
Resorption
Aktuell verfügbare Daten zeigen, dass weniger als 1% der applizierten Dosis resorbiert werden. Auf geschädigter Haut oder bei Okklusivverbänden kann die Resorption erhöht sein.
Weitere pharmakokinetische Daten sind aufgrund der topischen Anwendung und der zu vernachlässigenden Resorption nicht relevant.
Dosierung
Die Dosierung von Calcipotriol richtet sich im Allgemeinen nach dem Schweregrad der Erkrankung (unter anderem Psoriasis Area and Severity Index, PASI) und berücksichtigt die parallele Anwendung anderer Calcipotriol-haltiger Zubereitungen. Dabei ist zu beachten, dass aufgrund des Risikos einer Hyperkalziämie die zu behandelnde Hautfläche 30% der Körperoberfläche nicht überschreitet und die applizierte Dosis die wöchentliche Maximaldosis von 5 mg Calcipotriol nicht übersteigt. Darüber hinaus sollte die Behandlungsdauer vom Arzt festgelegt werden und nicht länger als 22 Wochen andauern.
Patienten mit schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung sollten nicht mit Calcipotriol behandelt werden. Da für Kinder und Jugendliche Daten zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit fehlen, sollte Calcipotriol erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres angewendet werden.
Calcipotriol- Lösung (0,05 mg/mL)
- 2x täglich (morgens und abends)
Calcipotriol-Gel (z.B. 0,05 mg/mL + 0.5 mg/g Bethametasondipropionat)
- 1x täglich über einen Zeitraum von 4-8 Wochen, wobei für die Behandlung der Kopfhaut 4 g täglich ausreichen.
- Unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle kann eine wiederholte Therapie durchgeführt werden.
Calcipotriol-Creme (0,05 mg/mL)
- 2x täglich (morgens und abends)
- Bei 1x täglicher Anwendung wird empfohlen, zusätzlich eine wirkstofffreie pflegende Creme (z.B. abends) anzuwenden.
Calcipotriol-Salbe (0,05 mg/mL)
- 2x täglich (morgens und abends)
- Für eine Erhaltungstherapie kann die Anwendung auf 1x täglich reduziert werden.
- Die Salbe wird dünn aufgetragen und leicht eingerieben, bis sie fast ganz in die Haut eingezogen ist.
- Wöchentlich sollten nicht mehr als 100 g Salbe appliziert werden.
- Ein deutlicher therapeutischer Effekt tritt nach maximal 4-8 Wochen ein.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen unter Calcipotriol beschränken sich aufgrund der topischen Anwendung auf lokale Hautreaktionen. Diese umfassen:
- Pruritus
- Hautbrennen
- Erythem
- Bullöse Reaktionen
- Verschlechterung der Psoriasis
- (Kontakt-)Dermatitis
- Abschälen der Haut
- Hautausschläge
- Ekzeme
- Hautödeme
- Trockene Haut
- Photoempfindlichkeitsreaktionen
- Seborrhoische Dermatitis
- Schmerzen am Applikationsort
- Pigmentveränderungen am Applikationsort
Systemische Nebenwirkungen treten meist im Zusammenhang mit Hyperkalzämien auf und können durch Einhalten der Dosierungsempfehlung vermieden werden.
Wechselwirkungen
Wirkstoffe mit Einfluss auf die Kalziumhomöostase (Vitamin-D-Supplemente wie Colecalciferol, Kalziumsupplemente, Thiaziddiuretika, Estrogene, anabole Steroide, Parathyroidhormone und -analoga) können das Risiko einer klinisch signifikanten Hyperkalzämie bei gleichzeitiger Anwendung erhöhen.
Die gleichzeitige Anwendung von Calcipotriol und Salicylsäure-haltigen Externa kann möglicherweise zu einer Inaktivierung von Calcipotriol führen.
Kontraindikationen
Calcipotriol darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile des Arzneimittels
- Patienten mit schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen
- Bekannten Störungen des Kalziumstoffwechsels oder Behandlung mit anderen Arzneimitteln, die den Serumkalziumspiegel erhöhen
- Hyperkalzämie
- Erythrodermischer, exfoliativer und pustulöser Psoriasis
Schwangerschaft
Aufgrund fehlender Sicherheitsdaten sollte Calcipotriol während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Tierexperimentelle Studien zeigen eine Reproduktionstoxizität nach oraler Calcipotriol-Gabe, weshalb aus Vorsichtsmaßnahmen auf eine topische Behandlung mit Calcipotriol verzichtet werden sollte.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Calcipotriol in die Muttermilch übergeht. Bei kurzfristiger Anwendung auf kleinen Hautarealen ist keine systemische Absorption zu erwarten (unter diesen Bedingungen kann Calcipotriol in der Stillzeit angewendet werden, da keine Auswirkungen auf das gestillte Kind zu erwarten sind). Calcipotriol sollte während der Stillzeit nicht auf der Brust aufgetragen werden. Eine Langzeitanwendung oder Applikation auf größeren Hautflächen wird während der Stillzeit nicht empfohlen.
Verkehrstüchtigkeit
Die Verkehrstüchtigkeit oder das Bedienen von Maschinen ist unter Therapie mit Calcipotriol nicht beeinträchtigt.
Anwendungshinweise
Einfluss auf den Kalziumstoffwechsel
- Wird die Dosierungsempfehlung eingehalten, ist das Risiko einer Hyperkalzämie gering.
- Wird die wöchentliche Maximaldosis überschritten, können Hyperkalzämien auftreten.
- Nach Absetzen der Behandlung mit Calcipotriol normalisiert sich der Serumkalziumspiegel wieder.
- Die Zugabe von penetrationsfördernden Substanzen oder die Anwendung von Okklusionseffekten sollte vermieden werden.
Hautreaktionen
- Da Calcipotriol Hautreizungen verursachen kann, sollte es nicht im Gesicht und im Bereich der Augen angewendet werden.
- Die Hände müssen nach Applikation entsprechend gründlich gewaschen werden, um ein Übertragen auf Gesicht und Augen zu vermeiden.
- Wird Calcipotriol in Hautfalten angewendet, kann das Risiko für auftretende Nebenwirkungen erhöht sein.
UV-Bestrahlung
- Während der Behandlung mit Calcipotriol muss eine exzessive natürliche oder künstliche Sonnenbestrahlung vermieden werden.
- Die gleichzeitige Anwendung von Calcipotriol und UV-Bestrahlung sollte nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Bewertung durch den Arzt beurteilt werden.
Alternativen
Die Therapiealternativen sind abhängig von patientenindividuellen Faktoren wie dem Alter des Patienten, Begleitmedikationen bzw. Begleiterkrankungen oder dem Schweregrad der Erkrankung (z.B. PASI bei Plaque-Psoriasis).
Topische Therapie:
- Calcineurin-Inhibitoren wie Ciclosporin
- Dithranol
- Kortikosteroide
- Retinoide wie Tazaroten
- Teer
Phototherapie:
- Laser
- UV-B
- Photochemotherapie (PUVA)
Systemische Therapie:
- Retinoide wie Acitretin
- Calcineurin-Inhibitoren wie Ciclosporin
- Fumarate
- Methotrexat
- Small Molecules wie Apremilast
- TNF-Inhibitoren wie Etanercept, Infliximab, Adalimumab, Certolizumab
- Anti-IL-12/23-Antikörper wie Ustekinumab
- Anti-IL-23-Antikörper wie Guselkumab, Tildrakizumab, Risankizumab
- Anti-IL-17-Rezeptor-Antikörper wie Brodalumab
- Anti-IL-17-Antikörper wie Ixekizumab, Secukinumab, Bimekizumab
- Hexal: Fachinformation Lösung
- Hexal: Fachinformation Salbe
- LEO Pharma: Fachinformation Gel
- LEO Pharma: Fachinformation Creme
- AWMF: S3-Leitlinie Therapie der Psoriasis vulgaris (2021)
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
- Mutschler et al., Mutschler Arzneimittelwirkungen, 2019, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
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Enstilar 50 Mikrogramm/g + 0,5 mg/g axicorp B.V. Schaum zur Anwendung auf der Haut
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Emra-Med Arzneimittel GmbH
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Wynzora 50 Mikrogramm/g + 0,5 mg/g Eurim Creme
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Wynzora 50 Mikrogramm/g + 0,5 mg/g kohlpharma Creme
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Wynzora, 50 Mikrogramm/g + 0,5 mg/g Creme
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