Entecavir
Entecavir ist ein Nukleosidanalogon-Inhibitor der Hepatitis B-Virus (HBV)-DNA-Polymerase, der selektiv die reverse Transkription, DNA-Replikation und Transkription in der Virusvermehrung hemmt. Es wird zur Behandlung der chronischen Hepatitis B bei Erwachsenen eingesetzt.
Entecavir: Übersicht

Anwendung
Entecavir wird zur Behandlung der chronischen Hepatitis-B-Virus-Infektion (HBV) bei Erwachsenen eingesetzt, die folgende Kriterien erfüllen:
- Kompensierte Lebererkrankung mit nachgewiesener aktiver Virusreplikation, anhaltend erhöhten Serumspiegeln der Alaninaminotransferase (ALT) und einem histologischen Befund einer aktiven Entzündung und/oder Fibrose.
- Dekompensierte Lebererkrankung, wobei die Indikation auf Daten aus klinischen Studien mit Nukleosid-naiven Patienten sowohl mit HBeAg-positiver als auch HBeAg-negativer HBV-Infektion basiert.
Wirkmechanismus
Entecavir ist ein Guanosin-Nukleosidanalogon, das gezielt gegen HBV wirkt, indem es die virale DNA-Polymerase inhibiert. Es bindet direkt an die reverse Transkriptase des Virus, eine Schlüsselkomponente des HBV-Replikationszyklus, und blockiert drei essenzielle Funktionen: die Primerumwandlung, die reverse Transkription des negativen Strangs der viralen RNA und die Synthese des positiven DNA-Strangs. Durch diese Hemmung verhindert Entecavir effektiv die Vermehrung des Virus, indem es die Bildung der viralen DNA unterbricht.
Im Gegensatz zu vielen anderen antiviralen Medikamenten zeichnet sich Entecavir durch eine hohe Selektivität für die HBV-DNA-Polymerase aus, was zu einer geringeren Rate von Nebenwirkungen und Kreuzresistenzen führt. Die Wirksamkeit von Entecavir umfasst sowohl HBeAg-positive als auch HBeAg-negative Stämme, was es zu einem breit einsetzbaren Therapeutikum in der Behandlung der chronischen Hepatitis B macht.
Kontraindikationen
Entecavir darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Entecavir zu beachten:
- Eingeschränkte Nierenfunktion: Dosisanpassung erforderlich. Engmaschige Überwachung des virologischen Ansprechens wird empfohlen.
- Exazerbation der Hepatitis: Kann bei Behandlungsbeginn auftreten. Engmaschige Überwachung, insbesondere bei fortgeschrittener Lebererkrankung oder Zirrhose, ist notwendig.
- Patienten mit dekompensierter Lebererkrankung: Höheres Risiko für schwere leberassoziierte Nebenwirkungen. Engmaschige Überwachung erforderlich.
- Lactatazidose und schwere Hepatomegalie mit Steatose: Bei Auftreten von schnell ansteigenden Transaminasespiegeln oder progressiver Hepatomegalie Behandlung abbrechen.
- Resistenz und besondere Vorsichtsmaßnahmen für Lamivudin-refraktäre Patienten: Höheres Risiko für Entecavir-Resistenz. Regelmäßige Überwachung und Resistenztests empfohlen.
- Kinder und Jugendliche: Geringeres virologisches Ansprechen bei hohen Ausgangs-HBV-DNA-Werten. Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
- Lebertransplantatempfänger: Nierenfunktion vor und während der Behandlung sorgfältig überwachen.
- Koinfektion mit Hepatitis C oder D: Keine Daten zur Wirksamkeit vorhanden.
- Patienten mit Koinfektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV)/HBV: Nicht bei HIV/HBV-koinfizierten Patienten ohne gleichzeitige antiretrovirale Behandlung anwenden.
- Generelle Hinweise: Behandlung reduziert nicht das Übertragungsrisiko von HBV. Geeignete Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Entecavir Heumann










