Lanreotid

Lanreotid ist ein Somatostatin-Analogon, das zur Behandlung von inoperablen, gut oder mäßig differenzierten, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren und Akromegalie eingesetzt wird.

Lanreotid

Anwendung

Lanreotid wird für angewendet für die Behandlung von:

  • Patienten mit Akromegalie, bei denen nach einer chirurgischen Behandlung und/oder Radiotherapie weiterhin abnormale Spiegel von Wachstumshormon (GH) und/oder Insulin-like Growth Factor-1 (IGF-1) bestehen oder bei Patienten, die aus anderen Gründen eine medikamentöse Behandlung benötigen. Das Ziel der Behandlung bei Akromegalie ist es, die GH- und IGF-1-Spiegel zu reduzieren und, wenn möglich, diese Werte zu normalisieren
  • klinischen Symptomen bei Karzinoidtumoren
  • gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren (GEP-NET G1 und einer Teilgruppe G2 mit einem Ki67-Index bis zu 10%), die ihren Ursprung im Mitteldarm, Pankreas oder einer unbekannten Primärlokalisation haben (ausgenommen das Rektum), bei erwachsenen Patienten mit inoperabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung

Wirkmechanismus

Lanreotid ist ein Peptidmedikament, das strukturell dem natürlichen menschlichen Hormon Somatostatin ähnlich ist. Sein Wirkmechanismus ist komplex und umfasst eine Reihe von Mechanismen, die zur Kontrolle und Hemmung der Freisetzung verschiedener Hormone beitragen.

  • Bindung an Somatostatin-Rezeptoren: Lanreotid bindet an Somatostatin-Rezeptoren (insbesondere den SST2- und SST5-Rezeptor) auf der Oberfläche von Zellen, die Sekretionsprozesse steuern. Dies sind hauptsächlich endokrine und exokrine Zellen.
  • Hemmung der Sekretion sekundärer Hormone: Durch die Bindung an diese Rezeptoren kann Lanreotid die Sekretion verschiedener sekundärer Hormone wie Wachstumshormon (GH), Insulin, Glucagon und gastrische Hormone hemmen. Dies geschieht durch die Inhibition der Adenylatzyklase und der daraus resultierenden Reduzierung der intrazellulären zyklischen Adenosinmonophosphat (cAMP) Konzentration.
  • Direkte und indirekte Wirkungen: Durch die direkte Hemmung der GH-Sekretion kann Lanreotid dazu beitragen, Symptome und Zustände, die mit übermäßiger GH-Produktion verbunden sind, wie Akromegalie, zu behandeln. Seine indirekten Effekte umfassen die Hemmung der Sekretion von insulinartigem Wachstumsfaktor 1 (IGF-1), einem Protein, das in der Leber produziert wird und dessen Sekretion durch GH stimuliert wird.
  • Verlängerte Wirkung: Lanreotid hat eine verlängerte Wirkung aufgrund seiner langsamen Freisetzung aus dem Depot nach subkutaner oder intramuskulärer Injektion.
  • Wirkung auf Tumorzellen: Darüber hinaus hat Lanreotid in vitro und in vivo eine direkte und indirekte hemmende Wirkung auf das Wachstum von Tumorzellen gezeigt.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Lanreotid bildet nach der Injektion ein Medikamentendepot an der Einstichstelle.
  • Die Aufnahme von Lanreotid in den Körper kann in zwei Phasen unterteilt werden: Zuerst gibt es eine schnelle Freisetzung in das Unterhautgewebe während der ersten Tage der Behandlung, bei der das Medikament, das sich nicht abgesetzt hat, schnell aufgenommen wird. Anschließend erfolgt eine langsame Freisetzung des Medikaments aus dem Depot durch passive Diffusion.
  • Die Resorption ist unabhängig von Körpergewicht, Geschlecht und Dosierung.

Verteilung

  • Das geschätzte Verteilungsvolumen beträgt 15,1 Liter.

Elimination

  • Weniger als 5% von Lanreotid werden im Urin und weniger als 0,5% unverändert im Stuhl ausgeschieden, was auf eine Beteiligung der Gallenausscheidung hindeutet.
  • Die Halbwertszeit beträgt ungefähr 22 Tage.
  • Die geschätzte Clearance liegt bei 23,1 Liter pro Stunde.

Dosierung

Akromegalie

  • Anfangsdosis: 60-120 mg Lanreotid alle 28 Tage.
  • Dosis kann angepasst werden basierend auf dem individuellen Patientenansprechen oder vorherigen Erfahrungen mit Somatostatinanaloga.
  • Bei unzureichender Kontrolle von Symptomen und biochemischen Parametern kann die Dosis auf bis zu 120 mg alle 28 Tage erhöht werden.
  • Wenn eine vollständige therapeutische Wirkung erreicht wurde, kann die Dosis reduziert werden.
  • Patienten, die gut auf ein Somatostatin-Analogon eingestellt sind, können mit Lanreotid 120 mg alle 42 bis 56 Tage (6 bis 8 Wochen) behandelt werden.
  • Eine routinemäßige Langzeitüberwachung der Symptome sowie der GH- und IGF-1-Spiegel ist erforderlich.

Gastroenteropankreatische neuroendokrine Tumore

  • Anfangsdosis: Eine Injektion von Lanreotid 120 mg alle 28 Tage.
  • Die Behandlung sollte zur Tumorkontrolle so lange wie nötig fortgesetzt werden.

Behandlung der Symptome von neuroendokrinen Tumoren

  • Anfangsdosis: 60-120 mg Lanreotid alle 28 Tage.
  • Dosisanpassung basierend auf der Verbesserung der Symptome.

Bei Nieren- und/oder Leberfunktionsstörungen

  • Keine Anpassung der Dosierung aufgrund der großen therapeutischen Breite von Lanreotid erforderlich.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen bei einer Behandlung mit Lanreotid betreffen in erster Linie den Magen-Darm-Trakt. HIerbei sind am häufigsten Durchfall und Bauchschmerzen, die meist von milder bis moderater Intensität sind und nur vorübergehend anhalten. Des Weiteren kann es zu Gallensteinen kommen, die oft symptomlos bleiben. Reaktionen an der Injektionsstelle, wie Schmerzen, Knötchenbildung und Verhärtungen, sind ebenfalls übliche Nebenwirkungen.

Kontraindikationen

Lanreotid darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.

Anwendungshinweise

Folgende Anwendungshinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Lanreotid zu beachten:

  • Gallensteine: Lanreotid kann die Gallenblasenmotilität reduzieren und zur Bildung von Gallensteinen führen. Bei Verdacht auf Gallensteine sollte das Medikament abgesetzt und eine geeignete Behandlung eingeleitet werden. Patienten sollten regelmäßig auf diese Komplikation überwacht werden.
  • Blutzuckerkontrolle: Lanreotid kann sowohl Hypoglykämie als auch Hyperglykämie verursachen, da es die Insulin- und Glucagonsekretion beeinflusst. Daher ist es wichtig, den Blutzuckerspiegel zu Beginn der Behandlung oder bei Dosisänderungen zu kontrollieren und antidiabetische Therapien entsprechend anzupassen.
  • Schilddrüsenfunktion: Bei Akromegalie-Patienten kann Lanreotid zu einem leichten Rückgang der Schilddrüsenfunktion führen. Eine klinisch offensichtliche Hypothyreose ist jedoch selten. Bei Bedarf sollten Schilddrüsenfunktionstests durchgeführt werden.
  • Herzfrequenz: Lanreotid kann bei Patienten ohne vorbestehende Herzprobleme eine Abnahme der Herzfrequenz verursachen. Bei Patienten mit bereits bestehenden Herzerkrankungen könnte eine Sinusbradykardie auftreten. Bei Patienten mit Bradykardie sollte zu Beginn der Lanreotid-Behandlung Vorsicht angewandt werden.

Alternativen

Weitere Somatostatin-Analoga sind Octreotid und Pasireotid.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
1096.32 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
29.06.2023
Quelle:

Fachinformation Mytolac

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