Lidocain
Lidocain ist ein vielseitig einsetzbares Lokalanästhetikum und Antiarrhythmikum, das durch die Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle wirkt und dadurch die Fortleitung von Nervenimpulsen hemmt.
Lidocain: Übersicht

Anwendung
Lidocain ist ein Lokalanästhetikum und Antiarrhythmikum, das für folgende medizinische Zwecke zugelassen ist:
- Lokalanästhesie: Lidocain wird in der Zahnmedizin, bei kleineren chirurgischen Eingriffen, bei der Behandlung von Hauterkrankungen und bei anderen medizinischen Verfahren eingesetzt, um Schmerzen lokal zu betäuben. Es kann als Injektion oder in Form von topischen Gelen, Cremes oder Sprays angewendet werden.
- Behandlung von Herzrhythmusstörungen: Als Antiarrhythmikum der Klasse Ib wird Lidocain auch zur Behandlung bestimmter Arten von Herzrhythmusstörungen, insbesondere nach einem Herzinfarkt, eingesetzt.
- Schmerztherapie: Lidocain-Pflaster werden zur Behandlung von Nervenschmerzen, wie sie beispielsweise bei Herpes Zoster (Gürtelrose) oder anderen neuropathischen Schmerzzuständen auftreten, verwendet.
Wirkmechanismus
Lidocain blockiert die spannungsabhängigen Natriumkanäle der Neuronen und verringert so die Durchlässigkeit ihrer Membran gegenüber Natriumionen. Dies setzt die Depolarisationsgeschwindigkeit herab, erhöht die Erregungsschwelle und verlangsamt die Reizweiterleitung der Nervenzelle. In einem mit Lidocain behandelten Areal entsteht dadurch ein lokales Taubheitsgefühl, das reversibel ist. Im Herz-Kreislauf-System wirkt Lidocain vor allem auf das Myokard. Es reduziert dort die elektrische Erregbarkeit, die Leitungsgeschwindigkeit und die Kontraktionskraft, sodass Rhythmusstörungen entgegen gewirkt wird.

Pharmakokinetik
Je nach Dosis, Darreichungsform, Anwendungsort und Einwirkzeit sind Resorptionsrate, Wirkeintritt und Wirkdauer von Lidocain ganz unterschiedlich. Nach einer intravenösen Injektion beispielsweise beginnt das Mittel bereits nach einer Minute zu wirken. Die Wirkungsdauer liegt bei 10 bis 20 Minuten.
Bei intramuskulärer Injektion tritt die Wirkung eine Viertelstunde später ein und hält dafür bis zu 90 Minuten an. Wie schnell Lidocain von den Schleimhäuten absorbiert wird, hängt ebenfalls von der Konzentration, der Dosis, der Applikationsstelle und der Einwirkzeit ab.
Variabel ist auch die Halbwertszeit. Nach Anwendung als Pumpspray auf der Mundschleimhaut beispielsweise tritt die Wirkung schon nach 1 bis 3 Minuten ein. Maximale Plasmakonzentrationen werden 5 bis 15 Minuten später erreicht. Die Plasmahalbwertszeit beträgt nach der Resorption 1,5 bis 2 Stunden. Lidocain wird durch Metabolisierung in der Leber eliminiert und dann renal ausgeschieden.
Dosierung
Injektionslösung
Als Injektionslösung sollte Lidocain nur im Beisein eines Arztes verabreicht werden, der mit der Regionalanästhesie und Wiederbelebungsmaßnahmen vertraut ist. Es sollte stets die niedrigstmögliche Dosis zum Einsatz kommen und die maximal empfohlene Einzeldosis von 400 mg nicht überschritten werden. Pro Kilogramm Körpergewicht gilt eine Maximaldosis von 5 mg Lidocain. Folgende Dosierungsempfehlungen gelten beispielsweise für Erwachsene mit einem Körpergewicht von rund 70 kg:
- Intravenöse Regionalanästhesie am Arm: 100–200 mg
- Intravenöse Regionalanästhesie am Bein: 200 mg
- Nervenblockade: 20–200 mg
- Sakralanästhesie bei der Geburtshilfe: 200–300 mg
- Lumbale Analgesie: 250–400 mg
Als Oberflächenanästhesie
In Form eines Pumpsprays dient Lidocain der lokalen Schmerzbetäubung beispielsweise in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, in der Zahnheilkunde oder zur Schmerzverhütung bei der Reinigung von Schürfwunden oder lokal begrenzten Verbrennungen. Meist reichen dabei je nach Produkt ein bis fünf Sprühstöße.
Die maximale Dosis für Erwachsene beträgt rund 20 Sprühstöße (ca. 200 mg Lidocain). Bei Kindern unter zwölf Jahren sollte eine Maximaldosis von 3 mg/kg Körpergewicht nicht überschritten werden. Bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sowie bei älteren Menschen ist die Dosis anzupassen.
Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel kann auch Lidocain unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Für den Wirkstoff sind die folgenden Nebenwirkungen bekannt, die nach ihrer Häufigkeit aufgelistet sind.
Sehr häufig:
- Hypotonie
- Übelkeit
Häufig:
- Parästhesie
- Schwindel
- Bradykardie
- Hypertonie
- Erbrechen
Wechselwirkungen
Wird Lidocain kurzfristig in der empfohlenen Dosis angewendet, sind keine Wechselwirkungen zu erwarten. Bei Anwendung über einen längeren Zeitraum und in höherer Dosierung jedoch, kann die gleichzeitige Einnahme von Arzneimitteln, die den Metabolismus von Lidocain hemmen, zu toxischen Plasmakonzentrationen führen. Beispielsweise gilt das für den Wirkstoff Cimetidin. Auch wenn andere Lokalanästhetika parallel im Einsatz sind, sollte Lidocain nur mit Bedacht eingesetzt werden, da sich die toxischen Wirkungen addieren. Ebenso ist Vorsicht geboten, wenn zugleich Antiarrhythmika der Klasse III verwendet werden.
Kontraindikationen
Medikamente mit Lidocain dürfen nicht eingenommen werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder allgemein gegenüber Lokalanästhetika vom Amidtyp besteht. Bei ausgeprägter Hypotonie, kardiogenem oder hypovolämischem Schock sollte Lidocain nicht zur Epiduralanästhesie zum Einsatz kommen.
Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sollte Lidocain nur bei strenger Indikationsstellung angewendet werden, da keine kontrollierten Studien an Schwangeren vorliegen. Bisher liegen keine Hinweise auf angeborene Missbildungen vor. Lidocain passiert nach parenteraler Gabe die Plazenta. Es liegen keine Untersuchungen zum plazentaren Übergang nach topischer Anwendung vor. In tierexperimentellen Studien wurde Reproduktionstoxizität nachgewiesen. Bei Neugeborenen mit hohen Plasmakonzentrationen kann Lidocain eine Dämpfung des ZNS bewirken.
In der Geburtshilfe sind Konzentrationen über 1% nicht anzuwenden.
Bei der Parazervikalblockade kann die Verwendung von Lidocain zu einer Tachykardie oder Bradykardie des Fötus führen. Eine versehentliche Injektion in die Subkutis des Fötus während einer Parazervikal- oder Perinealblockade kann zu Apnoe, Hypotonie und Krampfanfällen führen und stellt ein lebensbedrohendes Risiko für das Neugeborene dar.
Stillzeit
Nach parenteraler Gabe geht Lidocain in geringen Mengen in die Muttermilch über. Untersuchungen zum Übergang nach topischer Anwendung liegen nicht vor. Eine Gefahr für den Säugling erscheint bei therapeutischen Dosen unwahrscheinlich.
Verkehrstüchtigkeit
Lidocain kann vorrübergehend die motorischen Funktionen und die Koordination beeinträchtigen. Während der Lidocain-Behandlung sollte daher auf das Bedienen von Maschinen und die Teilnahme am Straßenverkehr verzichtet werden.
Hinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Lidocain zu beachten:
- Epilepsie: Besondere Aufmerksamkeit ist bei Patienten mit Epilepsie erforderlich, da Lidocain zentralnervöse Symptome auslösen und die Krampfbereitschaft erhöhen kann.
- Nieren- oder Leberfunktionsstörungen: Bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion ist Vorsicht geboten.
- Myasthenia gravis: Patienten mit dieser Erkrankung sollten sorgfältig überwacht werden.
- Herzreizleitungsstörungen: Lidocain kann die Erregungsleitung des Herzens beeinträchtigen, was bei Patienten mit Blockaden im Reizleitungssystem zu Problemen führen kann.
- Eingeschränkte kardiovaskuläre Funktion, Bradykardie, Atemdepression: Patienten mit diesen Zuständen benötigen besondere Überwachung.
- Ältere und geschwächte Patienten: Diese Gruppen sind anfälliger für Nebenwirkungen und sollten entsprechend überwacht werden.
- Koagulopathie oder Behandlung mit Antikoagulanzien: Es besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Blutungen bei unbeabsichtigten Verletzungen von Blutgefäßen.
- Intravaskuläre Injektion oder Überdosierung: Kann zu akuten toxischen Symptomen des ZNS und des kardiovaskulären Systems führen.
- Injektion in entzündetes Gewebe: Erhöhtes Risiko aufgrund von gesteigerter systemischer Resorption und verminderter Effektivität.
- Postoperative intraartikuläre Dauerinfusionen: Berichte über Chondrolyse, insbesondere im Schultergelenk, obwohl ein direkter Zusammenhang nicht nachgewiesen ist.
- Paracervical-Blockade: Kann fetale Bradykardie oder Tachykardie verursachen, erfordert sorgfältige Überwachung der fetalen Herzfrequenz.
Wirkstoff-Informationen
- „Taschenatlas Pharmakologie“, Thieme Verlag, 7. Auflage 2014
- „Checkliste Arzneimittel A–Z“, Thieme Verlag, 7. Auflage 2017
- Fachinformation Lodocain Accord 20 mg/ml Injektionslösung
- Gebrauchsinformation: Information für Anwender, Lidoject®, 1% Injektionslösung
- Fachinformation Versatis® 700 mg wirkstoffhaltiges Pflaster
- Fachinformation Xylocain Pumpspray dental
Abbildung:
Anika Mifka adapted from Amboss - Local anesthetic agents
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