Octreotid
Octreotid ist ein synthetisches Analogon des natürlichen Hormons Somatostatin. Es wird zur Behandlung von Erkrankungen wie Akromegalie und endokrin aktiven Tumoren des Gastrointestinaltrakts angewendet.
Octreotid: Übersicht

Anwendung
Octreotid wird angewendet zur:
- Symptomatischen Behandlung bestimmter endokrin aktiver Tumoren des Gastrointestinaltrakts, wie metastasierende Karzinoide mit dem Karzinoid-Syndrom, VIPome und Glukagonome
- Senkung der Wachstumshormon- und Insulin-like growth factor 1-Spiegel bei Patienten mit Akromegalie, bei denen andere Behandlungen erfolglos waren
- Prophylaxe von postoperativen pankreatischen Komplikationen nach Pankreaschirurgie
Wirkmechanismus
Octreotid ist ein synthetisches Analogon des natürlichen Hormons Somatostatin. Es bindet selektiv an Somatostatin-Rezeptoren, insbesondere an Subtypen 2, 3 und 5. Durch diese Bindung hemmt Octreotid die Freisetzung verschiedener Hormone, einschließlich Wachstumshormon (GH), Glukagon, Insulin, Gastrin, VIP (Vasoaktives intestinales Peptid) und Sekretin.
Dies führt zu einer Verminderung der Hormonsekretion und kann eine Reihe von physiologischen Effekten nach sich ziehen, einschließlich der Hemmung der Magen-Darm-Motilität, der Reduktion der Magen-Darm-Sekretion, der Hemmung der Tumorwachstumsfaktoren und der Verringerung der Durchblutung des gastrointestinalen Gewebes. Insgesamt trägt der Wirkmechanismus von Octreotid zur Symptomlinderung und Kontrolle hormoneller Dysregulation bei verschiedenen Erkrankungen bei.
Dosierung
Gastroenteropankreatische endokrine Tumoren
- Anfangsdosis 50 µg 1-2x täglich, schrittweise Steigerung auf 100-200 µg 3x täglich.
- Individuelle Erhaltungsdosis.
- Bei ausbleibender Wirkung nach einer Woche Behandlung abbrechen.
Akromegalie
- Anfangsdosis 50-100 µg alle 8-12 Stunden, Dosisanpassung basierend auf GH- und IGF-1-Spiegeln.
- Maximale Tagesdosis 1.500 µg.
- Behandlung abbrechen, wenn keine Besserung innerhalb von drei Monaten.
Prophylaxe nach Pankreasoperation
- Dosis 100 µg 3x täglich, beginnend am Operationstag mindestens eine Stunde vor der Laparotomie, für 7 aufeinanderfolgende Tage.
Nebenwirkungen
Sehr häufige (≥ 1/10) Nebenwirkungen von Octreotid sind:
- Hyperglykämie
- Diarrhö
- Bauchschmerzen
- Übelkeit
- Obstipation
- Flatulenz
- Cholelithiasis
- Reaktionen an der Einstichstelle
Wechselwirkungen
Bei der Anwendung von Octreotid müssen folgende Wechselwirkungen beachtet werden:
- Eine Anpassung der Dosis von Arzneimitteln wie Betablockern, Calciumkanalantagonisten oder Arzneimitteln zur Einstellung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts sowie Insulin und Antidiabetika kann erforderlich sein, wenn Octreotid gleichzeitig verabreicht wird.
- Octreotid kann die intestinale Resorption von Ciclosporin verringern und die von Cimetidin verzögern.
- Bei gleichzeitiger Gabe von Octreotid und Bromocriptin wird die Bioverfügbarkeit von Bromocriptin erhöht.
- Es gibt begrenzte Daten, die darauf hinweisen, dass Somatostatin-Analoga aufgrund der Senkung des Wachstumshormonspiegels die metabolische Clearance von Substanzen verringern könnten, die über das Cytochrom-P450-System abgebaut werden. Daher sollte bei Arzneimitteln, die hauptsächlich durch CYP3A4 metabolisiert werden und eine geringe therapeutische Breite haben (z. B. Chinidin, Terfenadin), Vorsicht geboten sein.
Kontraindikationen
Octreotid darf nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.
Schwangerschaft
Es gibt nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Octreotid bei Schwangeren. Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass bei der Anwendung von Octreotid während der Schwangerschaft keine kausalen Zusammenhänge mit angeborenen Anomalien bestehen. Dennoch wird aus Vorsichtsgründen empfohlen, Octreotid während der Schwangerschaft zu vermeiden.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Octreotid beim Menschen in die Muttermilch übergeht. Tierstudien zeigen jedoch, dass Octreotid in die Muttermilch ausgeschieden wird. Aus diesem Grund sollten Frauen während der Behandlung mit Octreotid nicht stillen.
Verkehrstüchtigkeit
Octreotid hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.
Anwendungshinweise
- Bei Patienten mit GH-sezernierenden Hypophysentumoren ist eine sorgfältige Beobachtung erforderlich, da eine Tumorexpansion schwere Komplikationen verursachen kann.
- Weibliche Akromegalie-Patientinnen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Octreotid eine angemessene Verhütungsmethode anwenden, da eine Normalisierung des GH-Spiegels und des IGF-1-Spiegels potenziell zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit führen kann.
- Bei langfristiger Behandlung mit Octreotid sollte die Schilddrüsenfunktion überwacht werden.
- Die Leberfunktion sollte während der Therapie mit Octreotid überwacht werden.
- Es wurden Fälle von Bradykardie berichtet. Eine Anpassung der Dosis anderer Arzneimittel wie Betablocker, Calciumkanalantagonisten oder Flüssigkeits- und Elektrolytregulatoren kann erforderlich sein.
- Octreotid kann die Gallenblasenmotilität herabsetzen und das Risiko für Gallensteinbildung erhöhen. Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Gallenblase werden empfohlen.
- Bei einigen Patienten kann Octreotid den Glukosestoffwechsel beeinflussen, was zu postprandialer Glukoseintoleranz, Hyperglykämie oder Hypoglykämie führen kann. Die Glukosetoleranz und die antidiabetische Behandlung sollten überwacht werden.
- Lokale Reaktionen an der Injektionsstelle sind selten und zeigen keine Relevanz für die Anwendung bei Menschen.
- Octreotid kann die Resorption von Nahrungsfetten beeinflussen und den Vitamin-B12-Spiegel senken. Bei Patienten mit Vitamin-B12-Mangel sollte der Spiegel während der Therapie überwacht werden.
Alternativen
Zu den Behandlungsalternativen von Octreotid zählen:
- Chirurgische Entfernung des Tumors: Bei einigen endokrin aktiven Tumoren des Gastrointestinaltrakts kann eine vollständige chirurgische Entfernung des Tumors die bevorzugte Behandlungsoption sein. Dies kann bei Tumoren wie Karzinoiden, Insulinomen oder Gastrinomen der Fall sein.
- Radiotherapie: In einigen Fällen kann die Strahlentherapie eingesetzt werden, entweder als primäre Behandlungsoption oder als adjuvante Therapie nach der Operation. Sie kann dazu beitragen, das Tumorwachstum zu kontrollieren und hormonelle Symptome zu lindern.
- Somatostatin-Analoga wie Lanreotid oder Pasireotid.
- Zielgerichtete Therapien: In einigen Fällen können zielgerichtete Therapien eingesetzt werden, um das Tumorwachstum zu hemmen. Dies kann durch die Blockierung spezifischer Signalwege erreicht werden, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind. Beispiele für zielgerichtete Therapien sind Tyrosinkinase-Inhibitoren oder mTOR-Inhibitoren.
- Wachstumshormonrezeptor-Antagonist Pegvisomant bei Akromegalie.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Octreotid Hexal
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