Ropivacain

Ropivacain ist ein lang wirkendes Lokalanästhetikum vom Amid-Typ, das vorrangig zur Regionalanästhesie, einschließlich Periduralanästhesie, Nervenblockaden und Infiltrationsanästhesie, eingesetzt wird. Sein Wirkmechanismus beruht auf der Blockade der Natriumkanäle an Nervenzellmembranen, wodurch die Weiterleitung von Schmerzsignalen gehemmt wird.

Ropivacain

Anwendung

Ropivacain wird bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren angewendet bei der chirurgischen Anästhesie zur:

  • Epiduralblockade für operative Eingriffe einschließlich Kaiserschnitt
  • Plexusblockade
  • Leitungs- und Infiltrationsanästhesie

Darüber hinaus wird der Wirkstoff eingesetzt zur Behandlung akuter, postoperativer Schmerzzustände bei Erwachsenen.

Anwendungsart

Ropivacain wird perineural und epidural angewendet.

Wirkmechanismus

Ropivacain ist ein Lokalanästhetikum vom Amid-Typ, das durch die selektive Blockade der spannungsabhängigen Natriumkanäle an den Nervenzellmembranen wirkt, wodurch die Weiterleitung
von Aktionspotentialen gehemmt und somit die Schmerzleitung unterbrochen wird. Ropivacain zeichnet sich durch seine relativ hohe Lipidlöslichkeit und eine moderate vasokonstriktorische Wirkung aus, was zu einer verlängerten Anästhesiedauer und einem reduzierten Blutungsrisiko im Anwendungsbereich führen kann.

Im Vergleich zu anderen Lokalanästhetika weist Ropivacain eine geringere Kardiotoxizität und ZNS-Toxizität auf, was es besonders für langdauernde Anwendungen und kontinuierliche Infusionen geeignet macht.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Ropivacain zu beachten:

  • Kombination mit anderen Lokalanästhetika oder strukturell verwandten Arzneimitteln: Die gleichzeitige Anwendung von Ropivacain mit anderen Lokalanästhetika oder Arzneimitteln, die strukturell mit Anästhetika vom Amidtyp verwandt sind, kann zu einer Verstärkung der systemischen toxischen Effekte führen. Dies gilt auch für bestimmte Antiarrhythmika wie Lidocain und Mexiletin.
  • Gleichzeitige Anwendung mit Allgemeinanästhetika oder Opioiden: Die Kombination von Ropivacain mit Allgemeinanästhetika oder Opioiden kann die Wirkungen und Nebenwirkungen beider Medikamentengruppen verstärken.
  • Interaktion mit Cytochrom P450 (CYP) 1A2-Inhibitoren: Die gleichzeitige Anwendung von Ropivacain mit starken CYP1A2-Hemmern, wie Fluvoxamin und Enoxacin, kann die Plasmaclearance von Ropivacain signifikant reduzieren, was zu einer erhöhten Wirkungsdauer und potenziell zu verstärkten Nebenwirkungen führen kann.
  • Kombination mit CYP3A4-Inhibitoren: Die gleichzeitige Verabreichung von Ropivacain mit starken CYP3A4-Hemmern, wie Ketoconazol, kann die Plasmaclearance von Ropivacain leicht reduzieren, obwohl diese Interaktion klinisch möglicherweise nicht relevant ist.
  • Einfluss auf CYP2D6: Obwohl Ropivacain in vitro ein kompetitiver Hemmer von CYP2D6 ist, scheint es dieses Isoenzym bei klinisch erreichten Plasmakonzentrationen nicht signifikant zu hemmen.

Kontraindikationen

Ropivacain darf nicht angewendet werden:

  • bei Überempfindlichkeit gegen Ropivacain, andere Lokalanästhetika vom Amidtyp oder einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Arzneimittels
  • zur intravenösen Regionalanästhesie
  • zur Parazervikalanästhesie in der Geburtshilfe
  • bei Hypovolämie

Darüber hinaus sollen allgemeine Gegenanzeigen in Verbindung mit einer Epiduralanästhesie unabhängig vom verwendeten Lokalanästhetikum berücksichtigt werden.

Verkehrstüchtigkeit

Abhängig von der Dosis können Lokalanästhetika auch ohne offenkundige ZNS-Toxizität einen geringen Einfluss auf psychische Funktionen und die Koordination haben und können vorübergehend die motorische Beweglichkeit und die Reaktionsfähigkeit vermindern.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Ropivacain zu beachten:

  • Regionalanästhesien sollten nur in dafür ausgestatteten Räumlichkeiten und von qualifiziertem Fachpersonal durchgeführt werden. Notwendige Ausrüstung und Medikamente für Monitoring und Notfallreanimation müssen sofort verfügbar sein.
  • Patientenvorbereitung: Vor großen Blockaden muss der Patient in bestmöglichem klinischen Zustand sein und einen intravenösen Zugang haben.
  • Vermeidung intravasaler Injektionen: Der Arzt muss die nötigen Vorsichtsmaßnahmen treffen, um intravasale Injektionen zu vermeiden und muss in der Erkennung und Behandlung von Nebenwirkungen sowie Komplikationen geschult sein.
  • Injektionen in entzündete Gebiete sollten vermieden werden.
  • Herz-Kreislauf-Reaktionen: Epidural- und Spinalanästhesien können Hypotonie und Bradykardie auslösen, die sofort behandelt werden müssen. Besondere Vorsicht ist bei Patienten geboten, die Antiarrhythmika der Klasse III erhalten.
  • Risiko eines Herzstillstands: Insbesondere bei älteren Patienten und solchen mit Herzerkrankungen kann es selten zu einem Herzstillstand kommen, vor allem nach unbeabsichtigter intravasaler Injektion.
  • Blockaden von Kopf und Hals können mit einem erhöhten Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen verbunden sein.
  • Plexusblockaden bergen ein erhöhtes Risiko einer intravasalen Injektion und/oder schnellen systemischen Absorption.
  • Überempfindlichkeit: Eine mögliche Kreuzallergie mit anderen Amidtyp-Lokalanästhetika sollte berücksichtigt werden.
  • Hypovolämie: Patienten können eine plötzliche und schwere Hypotonie entwickeln.
  • Patienten in schlechtem Allgemeinzustand benötigen besondere Aufmerksamkeit.
  • Leber- und Nierenfunktionsstörungen: Ropivacain sollte bei schwerer Leberinsuffizienz vorsichtig angewendet werden; bei eingeschränkter Nierenfunktion ist im Allgemeinen keine Dosisanpassung erforderlich.
  • Akute Porphyrie: Ropivacain sollte bei Patienten mit akuter Porphyrie nur angewendet werden, wenn keine sicherere Alternative verfügbar ist.
  • Chondrolyse: Nach Markteinführung wurde über Chondrolyse berichtet, besonders im Schultergelenk, nach intraartikulären Dauerinfusionen.
  • Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: Das Arzneimittel enthält eine signifikante Menge an Natrium.
  • Langzeitanwendung: Sollte bei Patienten, die gleichzeitig mit starken CYP1A2-Hemmern behandelt werden, vermieden werden.
  • Kinder: Besondere Vorsicht ist bei Neugeborenen geboten. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Ropivacain in bestimmten Konzentrationen und Anwendungen ist für Kinder bis zu bestimmten Altersgrenzen nicht belegt.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
274.4 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 2.0 H
Q0-Wert:
1.0
Autor:
Stand:
22.02.2024
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