Adalimumab

Adalimumab wird in der Therapie von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn sowie bei schweren Fällen von Schuppenflechte angewendet. Der monoklonale Antikörper ist das erste rekombinant hergestellte menschliche Immunglobulin G1, das sich gegen TNF-alpha richtet.

Anwendung

Adalimumab wird bei einer Reihe von Erkrankungen angewendet, die mit hochregulierten inflammatorischen Prozessen des Körpers assoziiert sind:

Bei Gelenkerkrankungen wird Adalimumab häufig mit Methotrexat kombiniert.

Wirkmechanismus

Adalimumab ist ein monoklonaler Antikörper aus der Wirkstoffgruppe der Immunologika. Der Wirkstoff hemmt inflammatorische Prozesse im Immunsystem, indem er an den Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-α) bindet und dessen Wirkung ausschaltet. In Folge werden weniger Entzündungsbotenstoffe ausgeschüttet. Bei autoimmunen und rheumatischen Erkrankungen ist die TNF-α-Konzentration erhöht. Nach Bindung und Neutralisation durch Adalimumab sinkt dessen Konzentration und die Entzündung bessert sich.

Adalimumab

Pharmakokinetik

  • Nach subkutaner Gabe von 40 mg Adalimumab beträgt die durchschnittliche absolute Bioverfügbarkeit 64%
  • Bei Verabreichung einer Dosis von 0,5 mg/kg liegt die Clearance zwischen 11 und 15 ml/h
  • Die Angaben können allerdings je nach Applikationsart, Dosis und Patient unterschiedlich sein
  • Die Elimination von Adalimumab kann bis zu vier Monate dauern

Dosierung

Erwachsene

  • Rheumatoide Arthritis: 40 mg alle zwei Wochen. Dosiserhöhung auf 40 mg jede Woche oder 80 mg jede zweite Woche möglich bei unzureichendem Ansprechen.
  • Ankylosierende Spondylitis, axiale Spondyloarthritis, Psoriasis-Arthritis: 40 mg alle zwei Wochen.
  • Psoriasis: Anfangsdosis von 80 mg, gefolgt von 40 mg alle zwei Wochen. Dosiserhöhung auf 40 mg jede Woche oder 80 mg jede zweite Woche möglich bei unzureichendem Ansprechen.
  • Hidradenitis suppurativa (Acne inversa): Anfangsdosis von 160 mg, gefolgt von 80 mg nach zwei Wochen und danach 40 mg jede Woche oder 80 mg jede zweite Woche.
  • Morbus Crohn: Induktionsdosis von 80 mg, gefolgt von 40 mg alle zwei Wochen. Dosiserhöhung möglich bei unzureichendem Ansprechen.
  • Colitis ulcerosa: Induktionsdosis von 160 mg, gefolgt von 80 mg nach zwei Wochen und danach 40 mg alle zwei Wochen.
  • Uveitis: 80 mg als Induktionsdosis, gefolgt von 40 mg alle zwei Wochen.

Pädiatrische Patienten

  • Juvenile idiopathische Arthritis: 20 mg jede zweite Woche (für Patienten mit 10 kg bis <30 kg) bzw. 40 mg jede zweite Woche (für Patienten mit ≥30 kg).
  • Enthesitis-assoziierte Arthritis: 20 mg jede zweite Woche (für Patienten mit 15 kg bis <30 kg) bzw. 40 mg jede zweite Woche (für Patienten mit ≥30 kg).
  • Plaque-Psoriasis: 20 mg jede zweite Woche (für Patienten mit 15 kg bis <30 kg) bzw. 40 mg jede zweite Woche (für Patienten mit ≥30 kg).
  • Hidradenitis suppurativa (Acne inversa): 80 mg gefolgt von 40 mg alle zwei Wochen. Dosiserhöhung möglich bei unzureichendem Ansprechen.
  • Morbus Crohn: Dosis basiert auf dem Körpergewicht. Induktions- und Erhaltungsdosen variieren zwischen <40 kg und ≥40 kg Körpergewicht.
  • Uveitis: Dosis basiert auf dem Körpergewicht, mit 40 mg bzw. 80 mg als Induktionsdosis und anschließender Erhaltungsdosis.

Nebenwirkungen

Als sehr häufig auftretende Nebenwirkungen werden u.a. angegeben:

  • Infektionen des Respirationstraktes
  • Leukopenie
  • erhöhte Blutfettwerte
  • Kopfschmerzen
  • Erhöhung der Leberenzyme
  • Hautausschlag
  • muskuloskelettale Schmerzen
  • Reaktion an der Injektionsstelle

Alle weiteren Nebenwirkungen können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.

Wechselwirkungen

  • Bei gleichzeitiger Methotrexat-Behandlung wurde eine geringere Bildung von Antikörpern beobachtet, wohingegen eine Monotherapie mit Adalimumab durch eine gesteigerte Bildung von Antikörpern sowie eine erhöhte Clearance und verminderte Wirksamkeit gekennzeichnet war.
  • Eine Kombination mit Anakinra wird nicht empfohlen (erhöhtes Infektionsrisiko).

Kontraindikation

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Aktive Tuberkulose oder andere schwere Infektionen (z.B. Sepsis oder opportunistische Infektionen)
  • Mäßige bis schwere Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse III-IV)

Schwangerschaft

Adalimumab sollte während einer Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn eine Therapie mit Adalimumab eindeutig erforderlich ist. Die Auswertung einer großen Anzahl (ca. 2100) prospektiv erfasster Schwangerschaften mit Exposition gegenüber Adalimumab und mit Lebendgeburten mit bekanntem Ausgang deutete nicht auf eine erhöhte Rate von Fehlbildungen bei Neugeborenen hin. Bei > 70% dieser Schwangerschaften fand die Exposition während des ersten Trimesters statt.

Eine tierexperimentelle Studie an Affen ergab keine Hinweise auf eine maternale Toxizität, Embryotoxizität oder Teratogenität. Daten zur postnatalen Toxizität von Adalimumab liegen jedoch nicht vor. Wenn Mütter während der Schwangerschaft mit Adalimumab behandelt wurden, gelangt Adalimumab möglicherweise über die Plazenta in das Serum von Säuglingen. Dabei könnten aufgrund der TNF-α-Hemmung die normalen Immunreaktionen des Neugeborenen beeinflusst werden und folglich können diese Säuglinge eventuell ein erhöhtes Risiko für Infektionen haben. Die Verabreichung von Lebendimpfstoffen (z.B. MMR) an Säuglinge, die in utero Adalimumab ausgesetzt waren, ist für 5 Monate nach der letzten Gabe von Adalimumab bei der Mutter während der Schwangerschaft nicht empfohlen.

Stillzeit

Adalimumab geht in sehr geringer Konzentration (zwischen 0,1 – 1 % des Serumspiegels der Mutter) in die Muttermilch über. Da bei oraler Anwendung der Proteine des Typs Immunglobulin G eine intestinale Proteolyse stattfindet und eine schlechte Bioverfügbarkeit vorliegt, werden keine Auswirkungen auf die gestillten Neugeborenen/Säuglinge erwartet. Folglich kann Adalimumab während der Stillzeit angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Da nach Verabreichung von Adalimumab Schwindel und eine Beeinträchtigung des Sehvermögens auftreten können, kann Adalimumab einen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen haben.

Anwendungshinweise

Da unter Adalimumab-Behandlung das Risiko für schwere Infektionen erhöht ist, sollen Patienten im Hinblick auf Infektionen (einschließlich Tuberkulose) engmaschig überwacht werden.

Frauen im gebärfähigen Alter wird nachdrücklich empfohlen, geeignete Empfängnisverhütungsmethoden anzuwenden und diese mindestens fünf Monate nach der letzten Anwendung von Adalimumab fortzuführen.

Alternativen

Es gibt mehrere Alternativen zu Adalimumab, die je nach spezifischer Erkrankung, Patientenbedürfnissen, und Reaktion auf die Therapie ausgewählt werden können:

TNF-α-Inhibitoren (außer Adalimumab)

  • Infliximab (Remicade, Inflectra, Remsima): Ein weiterer TNF-α-Inhibitor, der intravenös verabreicht wird und für ähnliche Indikationen wie Adalimumab verwendet wird.
  • Etanercept (Enbrel): Ein löslicher TNF-Rezeptor, der subkutan verabreicht wird und zur Behandlung von rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Ankylosierender Spondylitis und Plaque-Psoriasis verwendet wird.
  • Certolizumab Pegol (Cimzia): Ein pegyliertes Fab'-Fragment eines humanisierten TNF-Inhibitors, das subkutan verabreicht wird und für ähnliche Indikationen wie Adalimumab genutzt wird.
  • Golimumab (Simponi): Ein monoklonaler Antikörper, der subkutan oder intravenös verabreicht wird und zur Behandlung von rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis und Ankylosierender Spondylitis verwendet wird.

Interleukin-Inhibitoren

  • Ustekinumab (Stelara): Blockiert IL-12 und IL-23 und wird bei Psoriasis, Psoriasis-Arthritis und Morbus Crohn eingesetzt.
  • Secukinumab (Cosentyx): Ein IL-17A-Inhibitor, der für die Behandlung von Psoriasis, Psoriasis-Arthritis und Ankylosierender Spondylitis verwendet wird.
  • Ixekizumab (Taltz): Ein weiterer IL-17A-Inhibitor, der für ähnliche Indikationen wie Secukinumab genutzt wird.

JAK-Inhibitoren

  • Tofacitinib (Xeljanz): Ein oraler Januskinase-Inhibitor, der für die Behandlung von rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis und Colitis ulcerosa eingesetzt wird.
  • Baricitinib (Olumiant): Ein weiterer oraler JAK-Inhibitor, der bei rheumatoider Arthritis verwendet wird.
  • B-Zell-Inhibitor
  • Rituximab (Rituxan, MabThera): Ein monoklonaler Antikörper, der gegen das CD20-Protein auf B-Zellen gerichtet ist und bei rheumatoider Arthritis und bestimmten anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird.

T-Zell-Kostimulationsblocker

  • Abatacept (Orencia): Ein Fusionsprotein, das die T-Zell-Aktivierung blockiert, und bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis und juveniler idiopathischer Arthritis eingesetzt wird.

Wirkstoff-Informationen

Mittlere Halbwertszeit:
ca. 14.0 D
Q0-Wert:
0.0
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