Levetiracetam
Levetiracetam ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Antiepileptika (Antikonvulsiva), der zur Monotherapie partieller Anfälle sowie zur Zusatzbehandlung partieller, myoklonischer und primär generalisierter tonisch-klonischer Anfälle eingesetzt wird.
Levetiracetam: Übersicht

Anwendung
Der antikonvulsive Wirkstoff Levetiracetam (Keppra) ist indiziert zur Monotherapie partieller Anfälle mit oder ohne sekundärer Generalisierung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren mit neu diagnostizierter Epilepsie.
Darüber hinaus ist Levetiracetam indiziert zur Zusatzbehandlung von:
- Partiellen Anfällen mit oder ohne sekundärer Generalisierung bei Erwachsenen, Jugendlichen, Kindern und Säuglingen ab 1 Monat mit Epilepsie
- Myoklonischen Anfällen bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit juveniler myoklonischer Epilepsie
- Primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit idiopathischer generalisierter Epilepsie
Anwendungsart
Levetiracetam ist in den Darreichungsformen Filmtablette (250, 500, 750, 1000 mg), Lösung zum Einnehmen (100 mg/mL) und Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (100 mg/mL) erhältlich. Die Filmtabletten müssen zusammen mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen und als Ganzes geschluckt werden. Die Einnahme kann dabei nahrungsunabhängig erfolgen. Patienten, die die Tabletten nicht als Ganzes schlucken können, oder Patienten, für die die passende Dosis nicht mit ganzen Tabletten zusammengestellt werden kann, sollten die Lösung zum Einnehmen verwenden. Nach der oralen Einnahme kann der bittere Geschmack von Levetiracetam wahrnehmbar sein. Die Tagesdosis wird generell auf zwei gleich große Einzeldosen verteilt.
Wirkmechanismus
Levetiracetam und das ebenfalls antikonvulsiv wirkende Analogon Brivaracetam binden an das synaptische Vesikelprotein 2A (SV2A), ein transmembranäres Glykoprotein, das im zentralen Nervensystem (ZNS) eine elementare Rolle bei der Regulation der Neurotransmitterfreisetzung einnimmt. Brivaracetam bindet dabei selektiver und mit 15- bis 30-fach höherer Affinität an eine andere Bindestelle oder Konformation von SV2A.
Die exakte Funktion des synaptischen Vesikelproteins 2A ist noch nicht vollständig erforscht, wobei postuliert wird, dass SV2A als eine Art Transporter fungiert oder die Exozytose von Transmitter-enthaltenen synaptischen Vesikeln moduliert.
Darüber hinaus zeigen in-vitro-Daten, dass Levetiracetam die intraneuronalen Ca2+-Spiegel beeinflusst, indem der durch N-Typ-Kanäle vermittelte Ca2+-Strom partiell inhibiert sowie die Freisetzung von Ca2+ aus intraneuronalen Speichern vermindert wird. Außerdem kehrt Levetiracetam partiell die Reduktion der GABA- und Glycin-gesteuerten Ströme um, die durch Zink und ß-Carboline induziert wird.
Pharmakokinetik
Allgemein
- Levetiracetam ist eine sehr gut lösliche und membrangängige Substanz.
- Das pharmakokinetische Profil ist dosislinear bei geringer intra- und interindividueller Variabilität.
- Die Clearance verändert sich nach wiederholter Anwendung nicht.
- Das pharmakokinetische Profil bei gesunden Probanden und bei Patienten mit Epilepsie ist vergleichbar.
- Aufgrund der vollständigen und linearen Resorption von Levetiracetam ist es möglich, die Plasmaspiegel anhand der oralen Dosis (mg/kg Körpergewicht) vorherzusagen (daher besteht keine Notwendigkeit, die Plasmaspiegel von Levetiracetam zu überwachen).
- Bei Erwachsenen und Kindern wurde eine signifikante Korrelation zwischen den Speichel- und Plasmakonzentrationen gezeigt (das Verhältnis der Speichel-/Plasmakonzentration beträgt 1 bis 1,7 für die orale Tablettenformulierung und 4 Stunden nach Einnahme der Dosis für die Lösung zum Einnehmen).
Resorption
- Levetiracetam wird nach oraler Gabe rasch resorbiert.
- Die orale absolute Bioverfügbarkeit beträgt nahezu 100%.
- Maximale Plasmakonzentrationen (cmax) werden 1,3 Stunden nach der Einnahme erzielt.
- Bei einer 2x täglichen Gabe wird die Steady-State-Konzentration nach 2 Tagen erreicht.
- Die maximalen Plasmakonzentrationen (cmax) betragen etwa 31 bzw. 43 μg/mL nach einer Einmalgabe von 1000 mg bzw. nach der wiederholten Gabe von 1000 mg 2x täglich.
- Das Ausmaß der Resorption ist dosisunabhängig und wird durch Nahrungsmittel nicht beeinflusst.
Verteilung
- Zur Verteilung von Levetiracetam im menschlichen Gewebe liegen keine Daten vor.
- Weder Levetiracetam noch sein primärer Metabolit werden signifikant an Plasmaproteine gebunden (< 10%).
- Das Verteilungsvolumen von Levetiracetam beträgt annähernd 0,5 bis 0,7 L/kg (ein Wert, der nahe am Volumen des Gesamtkörperwassers liegt).
Metabolismus
- Im Menschen wird Levetiracetam nicht extensiv metabolisiert.
- Der Hauptmetabolisierungsweg ist die enzymatische Hydrolyse der Acetamidgruppe von Levetiracetam (24% der Dosis).
- Bei der Bildung des primären Metaboliten ucb L057 sind keine Isoformen des Cytochrom P450-Systems der Leber beteiligt.
- Die Hydrolyse der Acetamidgruppe erfolgt in vielen verschiedenen Geweben einschließlich der zellulären Blutbestandteile.
- Der Metabolit ucb L057 ist pharmakologisch inaktiv.
- Weiterhin wurden zwei Nebenmetaboliten identifiziert: Der eine entsteht durch Hydroxylierung des Pyrrolidonrings (1,6% der Dosis), der andere durch Öffnung des Pyrrolidonrings (0,9% der Dosis).
- Weitere, nicht-identifizierte Abbauprodukte haben einen Anteil von lediglich 0,6% der Dosis.
- Weder für Levetiracetam noch für seinen primären Metaboliten wurde in vivo eine Umwandlung der Enantiomere ineinander festgestellt.
Elimination
- Die Plasmahalbwertszeit bei Erwachsenen beträgt 7±1 Stunden und wird weder durch die Dosis noch durch die Art der Anwendung oder wiederholte Anwendung beeinflusst.
- Die mittlere Gesamtkörperclearance beträgt 0,96 mL/min/kg.
- Die Ausscheidung erfolgt mit ca. 95% der Dosis hauptsächlich über den Urin (annähernd 93% der Dosis werden innerhalb von 48 Stunden ausgeschieden).
- Lediglich 0,3% der Dosis werden mit den Fäzes ausgeschieden.
- Die kumulierte renale Ausscheidung von Levetiracetam und seinem primären Metaboliten innerhalb der ersten 48 Stunden liegt bei 66% bzw. 24% der verabreichten Dosis.
- Die renale Clearance von Levetiracetam und ucb L057 beträgt 0,6 bzw. 4,2 mL/min/kg (diese Werte deuten darauf hin, dass Levetiracetam über glomeruläre Filtration mit anschließender tubulärer Rückresorption ausgeschieden wird, während der primäre Metabolit glomerulär filtriert und zusätzlich noch aktiv tubulär sezerniert wird).
- Die Elimination von Levetiracetam korreliert mit der Kreatinin-Clearance.
Kinder und Jugendliche
Kinder (4 bis 12 Jahre):
- Nach oraler Anwendung einer Einzeldosis von 20 mg/kg bei Kindern mit Epilepsie (6 bis 12 Jahre) beträgt die Halbwertszeit von Levetiracetam 6,0 Stunden.
- Die Gesamtkörperclearance ist um etwa 30% höher als bei erwachsenen Epilepsiepatienten.
- Nach wiederholter oraler Anwendung (20 mg bis 60 mg/kg/Tag) bei Kindern mit Epilepsie (4 bis 12 Jahre) wird Levetiracetam schnell resorbiert.
- Maximale Plasmakonzentrationen werden 0,5 bis 1,0 Stunde nach der Dosisgabe beobachtet.
- Bezüglich der maximalen Plasmakonzentrationen und der AUC-Werte wurden lineare und dosis-proportionale Anstiege beobachtet.
- Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 5 Stunden.
- Die scheinbare Körperclearance beträgt 1,1 mL/min/kg.
Säuglinge und Kinder (1 Monat bis unter 4 Jahre):
- Nach Anwendung einer Einzeldosis (20 mg/kg) einer 100 mg/mL Lösung zum Einnehmen bei Kindern mit Epilepsie (1 Monat bis 4 Jahre) wird Levetiracetam schnell resorbiert.
- Maximale Plasmakonzentrationen werden etwa 1 Stunde nach der Dosisgabe beobachtet.
- Die pharmakokinetischen Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Halbwertszeit kürzer (5,3h) als bei Erwachsenen (7,2h) und die scheinbare Clearance schneller (1,5 mL/min/kg) als bei Erwachsenen (0,96 mL/min/kg) ist.
- In populationspharmakokinetischen Untersuchungen bei Patienten ab 1 Monat bis zu 16 Jahren korrelierte das Körpergewicht signifikant mit der scheinbaren Körperclearance (die Clearance wurde mit zunehmendem Körpergewicht größer) und dem scheinbaren Verteilungsvolumen.
- Das Alter hat ebenfalls Einfluss auf beide Parameter (dieser Effekt ist besonders ausgeprägt bei Säuglingen, lässt mit zunehmendem Alter nach und wird vernachlässigbar ab einem Alter von ungefähr 4 Jahren).
- In beiden populationspharmakokinetischen Untersuchungen wurde eine 20%ige Steigerung der scheinbaren Körperclearance von Levetiracetam beobachtet, wenn es zusammen mit einem enzyminduzierenden Antiepileptikum verabreicht wurde.
Patientenindividuelle Pharmakokinetik
- Ältere Patienten: Die Halbwertszeit von Levetiracetam verlängert sich bei älteren Patienten um etwa 40% (10 bis 11 Stunden), was mit der verminderten Nierenfunktion in dieser Personengruppe zusammenhängt.
- Eingeschränkte Nierenfunktion: Die Gesamtkörperclearance von Levetiracetam und seinem primären Metaboliten korreliert mit der Kreatinin-Clearance, weshalb empfohlen wird, die tägliche Erhaltungsdosis von Levetiracetam entsprechend der Kreatinin-Clearance bei Patienten mit mäßiger bis schwerer Nierenfunktionsstörung anzupassen. Bei anurischen erwachsenen Patienten mit Nierenerkrankungen im Endstadium beträgt die Halbwertszeit ca. 25 Stunden zwischen zwei Dialysevorgängen bzw. 3,1 Stunden während einer Dialyse. Während einer typischen, 4-stündigen Dialyse werden 51 % der Levetiracetam-Dosis aus dem Plasma entfernt.
- Eingeschränkte Leberfunktion: Bei Patienten mit leichter bis mäßiger Beeinträchtigung der Leberfunktion ist die Clearance von Levetiracetam nur unwesentlich verändert. Dagegen ist bei den meisten Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung aufgrund einer gleichzeitig vorliegenden Beeinträchtigung der Nierenfunktion die Clearance von Levetiracetam um mehr als 50% herabgesetzt.
Dosierung
Erwachsene (≥ 18 Jahre) und Jugendliche (12 bis 17 Jahre) ab 50 kg Körpergewicht für alle Indikationen
- Empfohlene Anfangsdosis: 2x täglich 500 mg (mit dieser Dosis kann ab dem ersten Behandlungstag begonnen werden)
- Basierend auf der Beurteilung des Arztes bezüglich einer Verringerung von Anfällen gegenüber möglichen Nebenwirkungen kann allerdings auch eine geringere Initialdosis von 250 mg 2x täglich appliziert werden (diese kann nach zwei Wochen auf 500 mg 2x täglich erhöht werden).
- Je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit kann die Tagesdosis bis auf 2x täglich 1500 mg gesteigert werden.
- Dosiserhöhungen bzw. -reduzierungen können in Schritten von 2x täglich 250 mg oder 500 mg alle zwei bis vier Wochen vorgenommen werden.
Kinder und Jugendliche
- Der Arzt sollte die entsprechend Alter, Körpergewicht und erforderlicher Dosis am besten geeignete Darreichungsform, Packungsgröße und Arzneimittelstärke verordnen.
- Die Filmtabletten sind nicht für die Anwendung bei Säuglingen und Kindern unter 6 Jahren geeignet, weshalb die Lösung zum Einnehmen die geeignete Darreichungsform für diese Patientengruppe darstellt.
- Des Weiteren sind die verfügbaren Tablettenstärken nicht geeignet für die Initialbehandlung von Kindern, die weniger als 25 kg wiegen, von Patienten, die keine Tabletten einnehmen können, oder für die Anwendung von Dosierungen unter 250 mg (in all diesen Fällen sollte die Lösung zum Einnehmen verwendet werden).
- Monotherapie: Die Sicherheit und Wirksamkeit von Levetiracetam als Monotherapie bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren ist bisher noch nicht erwiesen.
Jugendliche (16 bis 17 Jahre) ab 50 kg Körpergewicht mit partiellen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei neu diagnostizierter Epilepsie
- Siehe obiger Abschnitt Erwachsene (≥ 18 Jahre) und Jugendliche (12 bis 17 Jahre) ab 50 kg Körpergewicht für alle Indikationen
Zusatzbehandlung für Säuglinge im Alter von 6 bis 23 Monaten, Kinder (2 bis 11 Jahre) und Jugendliche (12 bis 17 Jahre) mit einem Körpergewicht unter 50 kg
- Die Lösung zum Einnehmen ist die bevorzugte Darreichungsform für Säuglinge und Kinder unter 6 Jahren.
- Bei Kindern ab 6 Jahren sollte für Dosierungen unter 250 mg, für Dosierungen, die kein Vielfaches von 250 mg sind, oder wenn die Dosierempfehlung nicht durch die Einnahme mehrerer Tabletten erreicht werden kann und bei Patienten, die keine Tabletten einnehmen können, die Lösung zum Einnehmen verwendet werden.
- Für alle Indikationen sollte die niedrigste wirksame Dosis angewendet werden.
- Die Anfangsdosis für Kinder und Jugendliche ab 25 kg Körpergewicht sollte 250 mg 2x täglich und die Höchstdosis 750 mg 2x täglich betragen.
- Die Dosis für Kinder ab einem Gewicht von 50 kg ist für alle Indikationen dieselbe wie für Erwachsene (siehe obiger Abschnitt Erwachsene (≥ 18 Jahre) und Jugendliche (12 bis 17 Jahre) ab 50 kg Körpergewicht für alle Indikationen).
Zusatzbehandlung für Säuglinge im Alter von 1 Monat bis unter 6 Monaten
- Die Lösung zum Einnehmen ist die geeignete Darreichungsform für Säuglinge.
Beendigung der Therapie
- Falls Levetiracetam abgesetzt werden muss, sollte dies ausschleichend erfolgen.
- Erwachsene und Jugendliche, die mehr als 50 kg wiegen: Verminderung der Dosis um 2x täglich 500 mg alle zwei bis vier Wochen.
- Säuglingen älter als 6 Monate, Kinder und Jugendliche, die weniger als 50 kg wiegen: Die Dosisverminderung sollte nicht mehr als 10 mg/kg 2x täglich alle 2 Wochen betragen.
- Säuglinge unter 6 Monaten: Die Dosisverminderung sollte nicht mehr als 7 mg/kg 2x täglich alle 2 Wochen betragen.
Spezielle Patientenpopulationen
- Eingeschränkte Nierenfunktion: Die Tagesdosis muss individuell entsprechend der Nierenfunktion festgelegt werden. Die Dosisanpassung sollte gemäß der Tabellen in der Fachinformation vorgenommen werden. Bei der Anwendung dieser Tabellen zur Dosisanpassung muss der Wert der Kreatinin-Clearance (CLcr) des Patienten in mL/min abgeschätzt werden (siehe Fachinformation).
- Eingeschränkte Leberfunktion: Bei Patienten mit leicht bis mäßig eingeschränkter Leberfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Leberfunktion kann die Kreatinin-Clearance zu einer Fehleinschätzung der Niereninsuffizienz führen, weshalb eine Halbierung der täglichen Erhaltungsdosis empfohlen wird, wenn die Kreatinin-Clearance weniger als 60 mL/min/1,73 m² beträgt.
Nebenwirkungen
Das Nebenwirkungsprofil von Levetiracetam ist im Allgemeinen in den verschiedenen Altersgruppen und zugelassenen Epilepsieindikationen ähnlich.
Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen unter Levetiracetam umfassen:
- Nasopharyngitis
- Somnolenz
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Schwindel
Weitere häufige Nebenwirkungen umfassen:
- Anorexie
- Depression
- Feindseligkeit/Aggression
- Angst
- Insomnie
- Nervosität/Reizbarkeit
- Konvulsion
- Gleichgewichtsstörungen
- Lethargie
- Tremor
- Drehschwindel
- Husten
- Abdominalschmerzen
- Diarrhö
- Dyspepsie
- Erbrechen
- Nausea
- Rash
Wechselwirkungen
Levetiracetam wird nicht extensiv metabolisiert und bei der Bildung des primären Metaboliten ucb L057 sind keine Isoformen des Cytochrom P450-Systems der Leber beteiligt. Folglich ist das Wechselwirkungsrisiko mit CYP-Enzymen nahezu ausgeschlossen.
Andere Antiepileptika
- Die vorliegenden Daten aus klinischen Studien vor der Zulassung, die bei Erwachsenen durchgeführt wurden, deuten darauf hin, dass Levetiracetam die Serumkonzentrationen anderer Antiepileptika (Phenytoin, Carbamazepin, Valproinsäure, Phenobarbital, Lamotrigin, Gabapentin und Primidon) nicht beeinflusst und dass diese ihrerseits die Pharmakokinetik von Levetiracetam nicht beeinflussen.
- Wie bei Erwachsenen gibt es keine Evidenz für klinisch signifikante Arzneimittelinteraktionen bei pädiatrischen Patienten, die bis zu 60 mg/kg/Tag Levetiracetam erhielten.
- Eine retrospektive Beurteilung der pharmakokinetischen Interaktionen bei Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie (4 bis 17 Jahre) bestätigt, dass die Zusatzbehandlung mit oral angewendetem Levetiracetam die Steady-State-Serumkonzentrationen von gleichzeitig angewendetem Carbamazepin und Valproat nicht beeinflusst (die Daten weisen jedoch darauf hin, dass bei Kindern, die enzyminduzierende Antiepileptika einnehmen, die Clearance von Levetiracetam um 20% erhöht ist, wobei eine Anpassung der Dosis nicht erforderlich ist).
Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen
- Probenecid: Probenecid (4x täglich 500 mg), ein Hemmstoff der renalen tubulären Sekretion, hemmt die renale Clearance des primären Metaboliten, jedoch nicht die von Levetiracetam (dennoch bleibt die Konzentration dieses Metaboliten niedrig).
- Methotrexat (MTX): Es wurde berichtet, dass sich bei gleichzeitiger Anwendung von Levetiracetam und Methotrexat die Methotrexat-Clearance verringert. Dies führt zu einer Erhöhung/Verlängerung der Methotrexatkonzentration im Blut bis hin zu potentiell toxischen Konzentrationen. Die Serumkonzentration von Methotrexat und Levetiracetam sollte bei Patienten, die gleichzeitig mit diesen beiden Arzneimitteln behandelt werden, sorgfältig überwacht werden.
- Laxanzien: Es gibt vereinzelte Berichte darüber, dass die Wirksamkeit von oral angewendetem Levetiracetam durch die gleichzeitige Einnahme des osmotisch wirksamen Abführmittels Macrogol verringert wird, weshalb Macrogol eine Stunde vor und eine Stunde nach der Einnahme von Levetiracetam nicht eingenommen werden sollte.
Kontraindikation
Levetiracetam ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Pyrrolidon-Derivate oder sonstige Bestandteile des Arzneimittels.
Alternativen
Die medikamentösen Therapiealternativen richten sich nach dem Indikationsgebiet bzw. der Anfallsform und sind darüber hinaus abhängig von patientenindividuellen Faktoren wie dem Alter der Patienten, Komorbiditäten oder dem Schweregrad der Erkrankung. Die Pharmakotherapie von Epilepsien bzw. epileptischen Anfällen bietet ein breites Spektrum an alternativen antikonvulsiven Wirkstoffen:
Anwendungshinweise
Suizidgedanken und -verhalten
- Über Suizid, Suizidversuch, suizidale Gedanken und suizidales Verhalten wurde bei Patienten, die mit Antiepileptika (einschließlich Levetiracetam) behandelt wurden, berichtet.
- Eine Metaanalyse randomisierter placebokontrollierter Studien mit Antiepileptika zeigte ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten.
- Der Mechanismus für die Auslösung dieser Nebenwirkung ist nicht bekannt, weshalb Patienten hinsichtlich Anzeichen von Depression und/oder Suizidgedanken und suizidalen Verhaltensweisen überwacht und eine geeignete Behandlung in Erwägung gezogen werden sollten.
- Patienten (und deren Betreuern) sollte geraten werden, ärztlichen Rat einzuholen, wenn Anzeichen von Depression und/oder Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten.
Eingeschränkte Nierenfunktion und akute Nierenschädigung
- Die Anwendung von Levetiracetam bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kann eine Dosisanpassung erfordern.
- Bei Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen muss die Nierenfunktion überprüft werden, bevor die Dosis festgelegt wird.
- Die Anwendung von Levetiracetam wurde in sehr seltenen Fällen mit akuter Nierenschädigung in Zusammenhang gebracht (diese kann nach wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten auftreten).
Blutbild
- Seltene Fälle einer reduzierten Anzahl von Blutzellen (Neutropenie, Agranulozytose, Leukopenie, Thrombozytopenie und Panzytopenie) wurden in Zusammenhang mit der Anwendung von Levetiracetam beschrieben (in der Regel zu Beginn der Behandlung).
- Ein komplettes Blutbild wird bei Patienten mit erheblicher Schwäche, Pyrexie, wiederkehrenden Infektionen oder Koagulationsstörungen empfohlen.
Anormales und aggressives Verhalten
- Levetiracetam kann zu psychotischen Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten einschließlich Reizbarkeit und Aggressivität führen.
- Patienten, die mit Levetiracetam behandelt werden, sollten auf die Entwicklung psychiatrischer Anzeichen überwacht werden, die auf wesentliche Stimmungsänderungen und/oder Persönlichkeitsveränderungen hindeuten.
- Wenn solches Verhalten bemerkt wird, sollte eine Anpassung der Behandlung oder ein schrittweises Absetzen der Behandlung in Betracht gezogen werden.
Verschlechterung von Anfällen
- Wie bei anderen Antiepileptika kann es vorkommen, dass Levetiracetam in seltenen Fällen die Häufigkeit oder Schwere von Anfällen verschlechtert.
- Dieser paradoxe Effekt wurde meist im ersten Monat nach Beginn der Behandlung mit Levetiracetam oder nach Erhöhung der Dosis berichtet und war nach Absetzen oder Verringerung der Dosis reversibel.
- Den Patienten sollte geraten werden, bei einer Verschlechterung der Epilepsie unverzüglich ihren Arzt zu konsultieren.
QT-Zeit-Verlängerung
- Im Rahmen der Überwachung nach Markteinführung wurden seltene Fälle einer Verlängerung des QT-Intervalls im Elektrokardiogramm (EKG) beobachtet.
- Levetiracetam sollte daher mit Vorsicht eingesetzt werden bei Patienten mit einem verlängerten QTc-Intervall, bei Patienten, die gleichzeitig mit Arzneimitteln behandelt werden, die das QTc-Intervall beeinflussen, oder bei Patienten mit relevanten vorbestehenden Herzerkrankungen oder Elektrolytstörungen.
Schwangerschaft
Risiko in Bezug auf Epilepsie und Antiepileptika im Allgemeinen
- Für alle Antiepileptika wurde gezeigt, dass bei behandelten Frauen mit Epilepsie die Prävalenz von Missbildungen bei Kindern 2-3x höher ist als die entsprechende Zahl von etwa 3% in der Allgemeinbevölkerung.
- In der behandelten Gruppe wurde unter Polytherapie ein Anstieg an Missbildungen festgestellt, wobei jedoch nicht geklärt ist, in welchem Ausmaß die Behandlung und/oder die Grunderkrankung dafür verantwortlich ist.
- Das Absetzen einer antiepileptischen Behandlung kann zu einer Verschlimmerung der Erkrankung führen, die schädlich für die Mutter und das Ungeborene sein könnte.
Risiko in Bezug auf Levetiracetam
- Die umfangreichen, seit der Markteinführung erhobenen Daten von Frauen, die eine Levetiracetam-Monotherapie während der Schwangerschaft erhalten hatten (über 1800 Frauen, von denen mehr als 1500 Levetiracetam im ersten Trimenon erhielten), weisen nicht auf ein erhöhtes Risiko für erhebliche angeborene Fehlbildungen hin.
- Zur neurologischen Entwicklung der Kinder, die einer Levetiracetam-Monotherapie in utero ausgesetzt waren, ist die Datenlage begrenzt.
- Die aktuell vorliegenden epidemiologischen Studien (mit Daten von etwa 100 Kindern) weisen nicht auf ein erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen oder -verzögerungen hin.
- Levetiracetam kann während der Schwangerschaft angewendet werden, wenn dies nach sorgfältiger Abwägung für klinisch erforderlich erachtet wird (in diesem Fall wird empfohlen, die Behandlung mit der geringstmöglichen wirksamen Dosis durchzuführen).
- Physiologische Veränderungen während der Schwangerschaft können die Levetiracetam-Konzentration beeinflussen.
- Eine Abnahme der Levetiracetam-Plasma-Konzentration wurde während der Schwangerschaft beobachtet.
- Diese Abnahme ist deutlich ausgeprägter im dritten Trimenon (bis zu 60 % der Anfangskonzentration vor Schwangerschaftsbeginn).
- Eine angemessene klinische Betreuung von Schwangeren, die mit Levetiracetam behandelt werden, sollte sichergestellt sein.
Stillzeit
Levetiracetam wird in die Muttermilch ausgeschieden, weshalb das Stillen nicht empfohlen wird. Sollte jedoch eine Behandlung mit Levetiracetam während der Stillzeit erforderlich sein, müssen Nutzen und Risiko einer Behandlung unter Berücksichtigung der Bedeutung des Stillens für den Säugling gegeneinander abgewogen werden.
Verkehrstüchtigkeit
Levetiracetam hat geringe bis mäßige Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Aufgrund einer möglichen individuell unterschiedlichen Empfindlichkeit können bei einigen Patienten insbesondere zu Behandlungsbeginn oder nach einer Dosissteigerung Somnolenz oder andere zentralnervöse Störungen auftreten. Deshalb ist bei Tätigkeiten, die ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordern, Vorsicht geboten. Patienten sollte geraten werden, kein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen, bis sich herausgestellt hat, dass ihre Fähigkeit zur Durchführung solcher Aktivitäten nicht beeinträchtigt ist.
Weitere Informationen können der Fachinformation entnommen werden.
Wirkstoff-Informationen
- EMA: Fachinformation Keppra
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
- Mutschler et al., Mutschler Arzneimittelwirkungen, 2019, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
- AWMF: Leitlinie Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (2017)
- Feyissa AM. Brivaracetam in the treatment of epilepsy: a review of clinical trial data. Neuropsychiatr Dis Treat. 2019 Sep 9;15:2587-2600. doi: 10.2147/NDT.S143548.
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Keppra 100 mg/ml 2care4 Lösung zum Einnehmen
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Levetiracetam AAA® 1000 mg Filmtabletten
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