Paliperidon

Paliperidon ist ein atypisches Antipsychotikum aus der Gruppe der Benzisoxazol-Derivate. Es handelt sich um den primären aktiven Metaboliten von Risperidon und wird in der Behandlung der Schizophrenie eingesetzt. Die Depot-Formulierung ermöglicht eine kontinuierliche Wirkstofffreisetzung und verbessert die Therapietreue bei Patienten, die eine orale Einnahme nicht zuverlässig gewährleisten können.

Paliperidon

Anwendung

Paliperidon wird zur Behandlung der Schizophrenie und schizoaffektiven Störungen bei Erwachsenen sowie Jugendlichen ab 15 Jahren eingesetzt. Es eignet sich sowohl für die Akuttherapie als auch für die Erhaltungstherapie.

Anwendungsart

Paliperidon kann in zwei unterschiedlichen Darreichungsformen verabreicht werden:

  • Intramuskuläre Depot-Injektionssuspension: Die Injektion erfolgt einmal monatlich in den M. deltoideus oder M. gluteus maximus. Diese Form ermöglicht eine kontinuierliche Wirkstofffreisetzung über Wochen und wird insbesondere zur Erhaltungstherapie bei Patienten eingesetzt, die eine orale Einnahme nicht zuverlässig gewährleisten können.
  • Retardtabletten zur oralen Einnahme: Paliperidon wird einmal täglich als Retardtablette eingenommen. Die Tablette muss als Ganzes mit Flüssigkeit geschluckt werden und darf nicht zerkaut, geteilt oder zerkleinert werden. Eine einheitliche Einnahme in Bezug auf Mahlzeiten (immer nüchtern oder immer mit dem Frühstück) wird empfohlen.

Wirkmechanismus

Paliperidon wirkt als selektiver Dopamin-D2- und Serotonin-5HT2A-Rezeptorantagonist mit zusätzlicher Affinität zu adrenergen α1- und α2-Rezeptoren sowie Histamin-H1-Rezeptoren. Die antipsychotische Wirkung wird vor allem durch die Blockade der dopaminergen Neurotransmission im mesolimbischen System vermittelt. Gleichzeitig wird durch die serotonerge Antagonisierung eine Minderung extrapyramidaler Nebenwirkungen erreicht.

Pharmakokinetik

Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Paliperidon sind wie folgt strukturiert:

Resorption

  • Retardtabletten: Konstante Wirkstofffreisetzung über 24 Stunden mit einer Bioverfügbarkeit von ca. 28 %.
  • Depot-Injektion: Langsame, kontinuierliche Freisetzung des Paliperidonpalmitats mit Erreichen der maximalen Plasmakonzentration nach 13–17 Tagen.

Verteilung

  • Scheinbares Verteilungsvolumen von ca. 391 L.
  • Plasmaproteinbindung etwa 74 %.

Metabolisierung

  • Geringe hepatische Metabolisierung, Hauptanteil unverändert im Plasma.
  • Beteiligung von CYP2D6 und CYP3A4 nur in geringem Umfang.

Elimination

  • Hauptsächlich unverändert renal eliminiert (~59 %).
  • Terminale Halbwertszeit nach oraler Gabe: ca. 23 Stunden (Retardtablette).
  • Nach Depotinjektion: ca. 25–49 Tage, abhängig von Applikationsort und Dosis.

Besondere Hinweise

  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung erforderlich.
  • Nicht empfohlen bei Kreatinin-Clearance < 10 ml/min.

Dosierung

Die Dosierung von Paliperidon richtet sich nach dem Krankheitsbild, der Darreichungsform, dem klinischen Zustand und patientenspezifischen Faktoren:

  • Depot-Injektionssuspension (Erwachsene):
    o Initialdosis: 150 mg am Tag 1 (deltoidal).
    o Zweitdosis: 100 mg am Tag 8 (deltoidal).
    o Erhaltungsdosis: 25–150 mg einmal monatlich intramuskulär.
  • Retardtabletten (Erwachsene):
    o Schizophrenie und schizoaffektive Störungen: 6 mg einmal täglich (morgens), Anpassung zwischen 3–12 mg möglich.
    o Bei leichter Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance 50–80 ml/min): Initialdosis 3 mg einmal täglich.
    o Bei moderater bis schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance 10–50 ml/min): 3 mg alle zwei Tage oder nach klinischer Beurteilung einmal täglich 3 mg.
  • Jugendliche (ab 15 Jahren):
    o Anfangsdosis: 3 mg einmal täglich.
    o Maximale Dosis bei <51 kg: 6 mg täglich.
    o Maximale Dosis bei ≥51 kg: 12 mg täglich.

Nebenwirkungen

Sehr häufige und häufige Nebenwirkungen umfassen:

Gelegentliche bis seltene Nebenwirkungen:

  • Blutbildveränderungen (Leuko- und Thrombopenie)
  • Malignes neuroleptisches Syndrom
  • Tardive Dyskinesie
  • QT-Verlängerun
  • Priapismus
  • Schwere allergische Reaktionen, einschließlich Anaphylaxie

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Paliperidon zu beachten:

  • Carbamazepin kann die Paliperidon-Spiegel senken; Dosisanpassung erforderlich.
  • Andere ZNS-dämpfende Substanzen (Antipsychotika, Benzodiazepine, Opioide) können sedierende Effekte verstärken.
  • Vorsicht bei Kombination mit Antihypertensiva wegen additiver blutdrucksenkender Wirkung.
  • Kombination mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern, kann das Risiko kardialer Arrhythmien erhöhen.
  • Potenzielle Wechselwirkungen mit Dopaminagonisten wie Levodopa.

Kontraindikationen

Paliperidon darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Paliperidon, Risperidon oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels.

Schwangerschaft

Paliperidon sollte während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen das Risiko überwiegt. Bei Neugeborenen, die im letzten Trimenon exponiert waren, können extrapyramidale oder Entzugssymptome auftreten.

Stillzeit

Paliperidon geht in die Muttermilch über. Das Stillen sollte während der Behandlung unterbrochen werden, da eine Exposition des Säuglings zu unerwünschten Wirkungen führen kann.

Verkehrstüchtigkeit

Schwindel, Sedierung und Sehstörungen können auftreten und die Fähigkeit zum Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Patienten sollten entsprechend aufgeklärt werden.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Paliperidon zu beachten:

  • Demenzpatienten: Erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Mortalität bei älteren Patienten mit Demenz.
  • Malignes neuroleptisches Syndrom: Bei Symptomen wie Fieber, Muskelsteifheit und Bewusstseinsstörung sofortige Behandlung erforderlich.
  • Extrapyramidale Symptome: Risiko für Parkinsonismus und tardive Dyskinesie, insbesondere bei Langzeitbehandlung.
  • Hyperprolaktinämie: Regelmäßige Kontrolle bei Symptomen erforderlich.
  • Orthostatische Hypotonie: Vorsicht bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen.
  • Krampfanfälle: Erhöhtes Risiko bei Patienten mit Anfallsleiden.
  • QT-Verlängerung: Vorsicht bei Patienten mit kardialen Risikofaktoren oder gleichzeitiger Einnahme von QT-verlängernden Arzneimitteln.
  • Gewichtszunahme und metabolische Veränderungen: Regelmäßige Gewichtskontrollen und Stoffwechselüberwachung.
  • Niereninsuffizienz: Dosisanpassung erforderlich.

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Paliperidon kommen folgende Wirkstoffe infrage:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
426.48 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
22.10.2025
Quelle:
  1. Fachinformation Paliperidon-ratiopharm® Depot-Injektionssuspension.
  2. EMA – European Medicines Agency. Summary of Product Characteristics.
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