Herpes zoster: Zu wenige sind vor Gürtelrose geschützt

Deutschland hinkt beim Schutz vor Gürtelrose hinterher. Trotz klarer Impfempfehlung bleiben laut dem BARMER-Arzneimittelreport 2025 vier von fünf Anspruchsberechtigten ungeschützt. Der Bericht zeigt auch, welche Rolle die Hausarztpraxis dabei spielt.

Ältere Frau impfen

Die Gürtelrose gilt als typische Alterskrankheit und ist weit mehr als nur ein lästiger Hautausschlag. Das Herpes-zoster-Virus (HZV) kann heftige Nervenschmerzen nach sich ziehen, im schlimmsten Fall sogar die Augen befallen und zur Erblindung führen. Jährlich erkrankt etwa jeder Hundertste ab 60 Jahren, und über ein ganzes Leben gesehen, trifft es jeden Dritten. Trotzdem ist die Schutzimpfung gegen Gürtelrose in Deutschland bislang ein Stiefkind der Prävention.

Vier von fünf Anspruchsberechtigten ungeimpft

Seit Mai 2019 ist die HZV-Impfung für alle Menschen ab 60 Jahren sowie für bestimmte Risikopatienten eine Kassenleistung. Dennoch sind rund 20 Millionen Personen in dieser Altersgruppe nicht oder nur unvollständig geimpft. Das entspricht rund 80 % der Anspruchsberechtigten, wie der aktuelle Arzneimittelreport 2025 der BARMER zeigt. Der Bericht, der auf den Datenanalysen von Dr. Veronika Lappe, PMV-Forschungsgruppe, Universitätsklinikum Köln, basiert, zeigt deutliche Impflücken auf.

Dabei ist die Schutzwirkung gut belegt. Im Jahr 2023 erkrankten 11,4 von 1.000 Ungeimpften an Gürtelrose, unter Geimpften waren es lediglich 4,1. „Die HZV-Impfung verringert das Erkrankungsrisiko einer Gürtelrose erheblich“, sagt BARMER-Vorstandschef Prof. Christoph Straub. Die bisherige Impfquote hält er für absolut unzureichend.

Besonders Ältere schlecht geschützt

Alarmierend ist die Situation bei den Hochbetagten. Gerade bei Menschen ab 85 Jahren, die besonders anfällig für Komplikationen sind, liegt die Impfquote mit 15,5 % auf einem Tiefstand. Auch bei den jüngeren Senioren ab 60, für die die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung empfiehlt, ist die Bilanz ernüchternd. Weniger als jeder Zehnte erhält überhaupt die erste Dosis. Nach einem langsamen Anstieg bis 2022 sanken die Erstimpfungsraten 2023 wieder. Das ist ein Rückschritt im Impfgeschehen.

Hausarztpraxis entscheidet über Impfchance

Der Report offenbart zudem erhebliche Unterschiede im Versorgungsalltag. Während einige Hausärzte bis zu 88 % ihrer älteren Patienten impfen, bleiben andere komplett untätig. Es haben 134 Praxen unter den ausgewerteten 8.648 in fünf Jahren keine einzige HZV-Impfung verabreicht. Es zeigt sich dabei, dass Praxen, die selten Gürtelrose-Impfungen anbieten, auch weniger gegen Grippe impfen. Das deutet laut Report auf organisatorische Defizite hin und nicht auf eine gezielte Impfskepsis.

„Ob jemand die von der STIKO empfohlene HZV-Impfung angeboten bekommt, hängt wesentlich davon ab, zu welchem Hausarzt er geht“, kritisiert Studienautor Prof. Daniel Grandt vom Klinikum Saarbrücken. Laut Straub sei Impfen jedoch grundsätzlich Aufgabe aller Praxen.

Starke regionale Unterschiede

Nicht nur zwischen den Praxen, auch regional gibt es große Differenzen. In Sachsen-Anhalt ist fast ein Drittel der über 60-Jährigen gegen Gürtelrose geschützt. In Bayern und Baden-Württemberg hingegen liegt die Impfquote bei nur rund 15 %. Diese Unterschiede erinnern an die bekannten Nord-Süd-Gefälle bei Kinderimpfungen.

Erinnerungen, Check-ups, mehr Einbindung

Um die Impflücke zu schließen, fordern die Autoren strukturelle Änderungen. Ein Ansatzpunkt sei die elektronische Patientenakte (ePA), die Ärzte automatisch auf fällige Impfungen aufmerksam machen könnte. Zudem müsse die Impfberatung fester Bestandteil des allgemeinen Gesundheits-Check-ups werden. Auch eine stärkere Einbindung von medizinischen Fachangestellten und regelmäßige Rückmeldungen zu den erreichten Impfquoten könnten den Impffortschritt beschleunigen.

„Entgegen der Feststellung der WHO, dass Impfskepsis die wesentliche Ursache unzureichender Impfraten ist, sind es bei der Herpes-Zoster-Impfung organisatorische Defizite“, sagt Grandt.

Wirksam, aber Nutzen verpufft

Der BARMER-Arzneimittelreport 2025 zeigt, dass Deutschland beim Schutz älterer Menschen vor Gürtelrose noch weit zurückliegt. Die Impfung ist wirksam, verfügbar und bezahlt, doch ihr Nutzen verpufft, solange sie nicht konsequent eingesetzt wird. Angesichts von Millionen Betroffenen und hohen Krankheitslasten mahnen die Autoren ein schnelles Gegensteuern an.

Autor:
Stand:
07.10.2025
Quelle:
  1. BARMER: Pressemitteilung25.09.2025.
  2. BARMER: BARMER-Arzneimittelreport 2025, 25.09.2025.
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: