Trotz erhöhtem Risiko für invasive Pneumokokken-Infektionen ist Impfquote bei Älteren zu niedrig
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für invasive Erkrankungen durch Pneumokokken deutlich. So liegt die Inzidenz bei über 65-Jährigen bei etwa 4 pro 100 000 mit einer Letalität zwischen 21 % und 40 %. Impfstoffe gegen Pneumokokken sind auch in dieser Altersgruppe bei der Prävention von Pneumokokken-Infektionen effektiv. Dennoch bleibt die Impfquote niedrig – so lag sie beispielsweise im Jahr 2023 in Hong Kong lediglich bei rund 35 % bei Senioren. Diese Diskrepanz zwischen erhöhtem Risiko und nur moderater Impfquote stellt eine Herausforderung dar.
Wie lässt sich die Impfquote erhöhen?
Frühere Interventionen wie telefonische Aufklärung oder Hausbesuche waren zwar effektiv, aber häufig mit hohem Ressourcenaufwand verbunden. Eine Alternative könnten Chatbots darstellen. Dies sind Computerprogramme, die menschliche Interaktionen nachbilden können. Frühere Studien zeigten bereits, dass es mit ihrer Hilfe möglich ist, die Zielpopulation zu erreichen und die Impfquote zu erhöhen.
Chat-Bots könnten helfen, Impfquote zu erhöhen
Eine aktuelle Studiengruppe nutzte einen hybriden Chatbot. Dieser besaß eine mit KI- gestützte Echtzeit-Frage-Antwort-Funktion und lieferte Informationen, die auf das individuelle Stadium der Impfentscheidung basierend auf dem Stage of Change Modell zugeschnitten waren. Dieses postuliert, dass Verhaltensänderungen fünf Hauptstadien durchlaufen: Absichtslosigkeit, Absichtsbildung, Vorbereitung, Handlung und Aufrechterhaltung.
Studie untersuchte Wirksamkeit eines hybriden Chatbots zur Erhöhung der Pneumokokken-Impfquote
Die Forscher untersuchten dann in ihrer randomisierten Studie, ob der hybride Chatbot die Pneumokokken-Impfquote effektiver erhöhen kann als ein Chatbot mit Standard-Intervention ohne Echtzeit Frage und Antwort Funktion. Dafür wurden in die Studie 374 Erwachsene (≥ 65 Jahre, mittleres Alter: 69,6 Jahre) ohne vorherige Pneumokokken¬impfung eingeschlossen. Die Studienteilnehmer besaßen zudem ein Smartphone und waren WhatsApp Nutzer. 187 von ihnen wurden der „Stage-of-Change-Gruppe“ (hybrider Chatbot) und 187 zur „Standard-Interventions-Gruppe“ (Chatbot mit standardisiertem Video-Link) zugewiesen.
Chatbot ermittelte Stadium der Impfabsicht und schickte angepasste Informationen zur Pneumokokkenimpfung
Bei der hybriden Chatbot-Gruppe bewertete der Chatbot initial das Verhaltensstadium der Studienteilnehmer bezogen auf die Impfabsicht. Danach wurden den Probanden monatlich über vier Monate (Monate 0, 1, 2, 3) Videos/Textmodule geschickt, die jeweils auf das passende Stadium zugeschnitten waren. Zusätzlich war eine KI-gestützte Frage und Antwort-Funktion verfügbar. Die Studienteilnehmer der Standardgruppe erhielten in den Monaten null, eins, zwei und drei jeweils einen Link zu einem Standard-Online-Video zur Pneumokokken-Impfung.
Als primären Studienendpunkt legten die Forscher die Durchführung einer Pneumokokken-impfung zwölf Monate nach Abschluss der Intervention fest.
Als sekundäre Studienendpunkte wählten die Wissenschaftler Veränderungen des Stage-of-Change-Scores vom Studienbeginn zum zwölften Monat.
Teilnehmer der hybriden Chatbot-Gruppe zeigten höhere Impfquote
Die Forscher wiesen eine signifikant höhere Impfquote in der Stage-of-Change-Gruppe gegenüber der Standardgruppe nach (29,4 % versus 18,7 %; p = 0,01). Auch der mittlere Stage-of-Change-Score lag nach zwölf Monaten in der Interventionsgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe (2,2 versus 1,9; p = 0,02).
Zudem war die Teilnahme an mindestens einer Interventions-Session bei der hybriden Chatbot-Gruppe höher (79,7 % vs. 57,8 %; p < 0,001).
Damit zeigt sich: Die hybride Chatbot-Intervention war effektiver als eine einfache Online-Video-Intervention ohne die Möglichkeit zu Echtzeit - Fragen und Antworten und individualisierte Ansprache. Der Einsatz eines digitalen Chatbots, kombiniert mit KI-basierter Kommunikation und Verhaltensstadien-Anpassung, könnte somit bei älteren Erwachsenen wirksam zur Erhöhung der Impfquote sein.
Die Studie ist bei ClinicalTrials.gov unter NCT05772117 registriert.










