Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) haben sich in Deutschland in kurzer Zeit etabliert. Seit ihrem Start im Oktober 2020 wurden sie laut aktuellem DiGA-Report mehr als 1,7 Millionen Mal genutzt. Allein im Jahr 2025 entfielen rund 690.000 Anwendungen darauf. Parallel dazu hat sich das Angebot stabilisiert: Ende 2025 waren 58 DiGA im Verzeichnis gelistet, davon die große Mehrheit dauerhaft. Damit entwickeln sich digitale Therapien zunehmend zu einer dritten Säule neben ambulanter und stationärer Versorgung.
Solide Basis mit methodischen Schwächen
Ein Argument für DiGA bleibt ihre wissenschaftliche Fundierung. Für dauerhaft gelistete Anwendungen liegen randomisierte kontrollierte Studien vor. Gleichzeitig zeigen Analysen, dass Studiendesigns, Endpunkte und Laufzeiten stark variieren. Die Aussagekraft der Ergebnisse muss daher differenziert bewertet werden. Auch Real-World-Daten liefern ein gemischtes Bild: Zwar berichten etwa die Hälfte der Nutzer über Symptomverbesserungen, doch die tatsächliche Nutzung bleibt begrenzt. In einer Untersuchung kannten knapp 40 % der Patienten DiGA, genutzt hatten sie jedoch nur rund 13 %.
Nutzung steigt, aber Zugang bleibt kompliziert
Die Nachfrage wächst dynamisch: Die Zahl eingelöster Freischaltcodes ist 2025 um 64 % gestiegen. Auch die Therapietreue hat sich verbessert. Drei Viertel der Patienten nutzen ihre Anwendung bis zum Ende der Verordnung. Dennoch bleibt der Zugang ein zentrales Problem. Zwischen Verordnung und tatsächlichem Therapiebeginn vergehen oft Wochen. Ursache sind komplexe Freischaltprozesse und bürokratische Hürden, etwa bei Krankenkassen oder beim E-Rezept.
Mehr Anforderungen, weniger Dynamik
Mit neuen gesetzlichen Vorgaben steigt der regulatorische Druck. Die Einführung zusätzlicher Anforderungen, etwa zur Erfolgsmessung oder Datensicherheit, soll Qualität und Transparenz erhöhen, führt jedoch auch zu erheblichem Mehraufwand für Hersteller. Die Zahl neuer Anwendungen wächst langsamer. 2025 wurden nur wenige neue DiGA aufgenommen, was auf steigende Markteintrittshürden hindeutet.
Potenzial für strukturelle Entlastung
Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und steigenden Gesundheitskosten gewinnen digitale Therapien an Bedeutung. Sie ermöglichen orts- und zeitunabhängige Behandlungen und könnten bei chronischen Erkrankungen Effizienzgewinne bringen. Langfristig könnten DiGA helfen, Versorgungslücken zu schließen und Patienten stärker in ihre Therapie einzubinden.
Internationales Vorbild mit Nachholbedarf
Das deutsche DiGA-Modell gilt international als Referenz. Länder wie Frankreich, Belgien oder die Schweiz entwickeln ähnliche Erstattungsstrukturen. In der Schweiz sollen ab 2026 erstmals digitale Anwendungen regulär erstattet werden. Gleichzeitig fehlt es bislang an europaweit harmonisierten Regelungen. Das ist ein Hindernis für die Skalierung digitaler Therapien.
Zwischen Erfolg und Reformbedarf
Die Bilanz nach fünf Jahren fällt jedoch insgesamt positiv aus. DiGA sind in der Versorgung angekommen und werden zunehmend genutzt. Ihr langfristiger Erfolg hängt davon ab, ob die aktuellen Herausforderungen gelöst werden. Dazu zählen ein einfacher Zugang, praktikable regulatorische Anforderungen und eine Weiterentwicklung der Evidenzstandards.












