RKI: Keine allgemeine Bedrohung durch Hib-Ausbruch in Hamburg

Ein Ausbruch invasiver Hib-Infektionen in Hamburg betrifft vor allem wohnungslose Menschen und Drogenkonsumenten. Drei Personen sind inzwischen gestorben, weitere schwer erkrankt. Das Robert Koch-Institut sieht keine erhöhte Gefahr für die Allgemeinbevölkerung.

Haemophilus influenzae typ b Hib

Hamburg. Seit Ende 2024 melden Hamburger Gesundheitsbehörden eine ungewöhnliche Häufung invasiver Infektionen mit Haemophilus influenzae Typ b (Hib) bei Erwachsenen. Bis Anfang August 2025 wurden 16 Fälle registriert, drei davon endeten tödlich. Die Betroffenen waren zwischen 26 und 58 Jahre alt, eine Altersspanne, in der das Hib-Bakterium normalerweise kaum eine Rolle spielt.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) betrifft das Infektionsgeschehen Wohnungslose und Drogenkonsumenten. Demnach verbreitet sich das Hib-Bakterium vor allem durch den gemeinsamen Gebrauch von Konsumutensilien, schlechte hygienische Bedingungen und eine allgemein geschwächte Immunabwehr der Betroffenen.

RKI: Regionales Infektionsgeschehen ohne erhöhte Gefahr für gesunde Erwachsene

Das RKI bezeichnet die Häufung der Hib-Infektionen als regionales Infektionsgeschehen. Eine flächendeckende Gefahr für Deutschland bestehe nicht, solange die Erkrankungen engmaschig überwacht und die betroffenen Gruppen gezielt geschützt werden. Nach Angaben des Instituts wurden bis zum 20. Juli 2025 bundesweit insgesamt 27 invasive Hib-Fälle gemeldet. Im gleichen Zeitraum 2024 waren es 16 Fälle (bis Juli 2023: 21). 

Für gesunde Erwachsene bestehe in der aktuellen Lage keine erhöhte Gefahr. Bei Menschen mit geschwächter Abwehrlage könne die Infektion jedoch innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.

Hamburger Sozialbehörde informiert Risikogruppen und bietet Impfungen an

Die Hamburger Sozialbehörde hat auf den Ausbruch reagiert. In zwei Drogenkonsumräumen bietet die Stadt nach eigenen Angaben inzwischen kostenlos Hib-Impfungen an. Darüber hinaus werden Kontaktpersonen von Erkrankten ermittelt und medizinisch beraten. In Einzelfällen könne eine vorbeugende Antibiotikabehandlung erfolgen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Ziel dieser Maßnahmen ist es, möglichst viele Menschen in den betroffenen Gruppen zu erreichen.

Drogenhilfe kritisiert Informationspraxis der Stadt

Trotz der eingeleiteten Maßnahmen äußern Hilfsorganisationen und medizinisches Personal Kritik. Sie bemängeln, dass die Impfangebote zu spät gestartet seien und bislang nicht alle Betroffenen erreichten. Auch fehle es an flächendeckender Aufklärung, sowohl innerhalb der Risikogruppen als auch in der breiten Öffentlichkeit. Eine frühere Kommunikation hätte nach Ansicht der Kritiker dazu beitragen können, die Infektionszahlen zu begrenzen.

Impfung hat Hib-Infektionen weitgehend eingedämmt

Hib gilt seit den 1990er-Jahren in Deutschland als weitgehend eingedämmt. Die Impfung, die Kleinkindern empfohlen wird, hat schwere Verläufe in dieser Altersgruppe weitgehend verschwinden lassen. Erwachsene sind in der Regel nicht geimpft, da sie bereits vor Einführung der Impfempfehlung älter waren.

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