Impfakzeptanz ist kein Ja-oder-Nein
Im Rahmen des Projekts IMPRESS etablierte das Robert Koch-Institut erstmals ein kontinuierliches Impfakzeptanz-Monitoring. Die erste Erhebung (Herbst 2025) basiert auf Daten von 5.450 Erwachsenen aus der Allgemeinbevölkerung. Die Ergebnisse zeigen: Impfbereitschaft ist kein festes Merkmal, sondern situativ und veränderbar.
„Impfakzeptanz ist kein Ja-oder-Nein, sondern stark kontextabhängig“, sagte Dr. Greta Magdalena Steckhan (RKI) auf der Nationalen Impfkonferenz.
Vertrauen ja, politische Skepsis bleibt
Rund 60 % der Befragten gaben an, den behördlichen Zulassungsverfahren für Impfstoffe zu vertrauen. Gleichzeitig äußerten nur etwa 40 % Vertrauen in die wissenschaftliche Fundierung politischer Entscheidungen zu Impfungen. Diese Diskrepanz unterstreicht die besondere Rolle der Ärzteschaft als vertrauenswürdige Instanz.
Steckhan betonte: „Ärzte genießen deutlich mehr Vertrauen als staatliche Institutionen – das ist für die Impfberatung zentral.“
Nebenwirkungen werden häufig überschätzt
Ein zentrales Hemmnis bleibt die Wahrnehmung von Nebenwirkungen. Zwar hält rund die Hälfte der Befragten diese für selten und mild, zugleich zeigt sich eine verbreitete Unsicherheit bei der individuellen Risikoabwägung. Diese Unsicherheit wirkt sich direkt auf die Inanspruchnahme von Impfungen aus, insbesondere bei freiwilligen Angeboten.
Akzeptanz hängt auch vom Zugang ab
Neben Einstellungen spielen strukturelle Faktoren eine wichtige Rolle. Etwa 40 % der Befragten stehen Impfungen in Apotheken grundsätzlich offen gegenüber. Gleichzeitig wusste etwa jede zweite Person nicht, dass es dieses Angebot gibt. Informationsdefizite wirken damit als praktische Barriere – unabhängig von der grundsätzlichen Impfbereitschaft.
COVID-19 bleibt ein Sonderfall
Im Vergleich zu anderen Impfungen zeigt sich weiterhin eine deutlich geringere Bereitschaft zur COVID-19-Impfung. Selbst in Risikogruppen liegt der Anteil impfbereiter Personen niedrig, wenn keine frühere Impferfahrung besteht. Damit bestätigt das Monitoring, dass Impfentscheidungen nicht pauschal von einer Impfung auf andere übertragbar sind.
Bedeutung für den Praxisalltag
Für die Versorgung liefern die Monitoring-Daten eine klare Botschaft: Ablehnung ist selten absolut. Häufig fehlen Orientierung, Wissen oder ein konkreter Anlass zur Entscheidung. Impfgespräche profitieren davon, diese Barrieren gezielt anzusprechen und Impfangebote aktiv sichtbar zu machen.
Fazit
Die Impfbereitschaft in Deutschland ist grundsätzlich vorhanden, bleibt aber fragil. Vertrauen, Information und Zugang entscheiden darüber, ob Impfungen angenommen werden – eine zentrale Aufgabe für die ärztliche Präventionsarbeit.












