Eltern befürworten Impfungen – Unsicherheiten gegenüber Impfmythen bleiben

Eltern von Kindern unter sieben Jahren bewerten Impfungen überwiegend als wichtig und sicher. Gleichzeitig bestehen Wissenslücken und Unsicherheiten gegenüber Impfmythen. Das zeigen Ergebnisse des Forschungsprojekts IMPRESS des Robert Koch-Instituts.

Baby beim Arzt

Impfungen gehören zu den größten Erfolgen der modernen Medizin und verhindern weltweit Millionen Todesfälle. Dennoch verzichten auch in Deutschland Menschen auf empfohlene Schutzimpfungen oder nehmen sie verspätet in Anspruch. Um die Ursachen für Impfentscheidungen besser zu verstehen, hat das Robert Koch-Institut (RKI) im Rahmen des Forschungsprojekts IMPRESS ein kontinuierliches Impfakzeptanz-Monitoring aufgebaut. Erste Ergebnisse für Eltern von Kindern unter sieben Jahren zeigen eine grundsätzlich hohe Impfbereitschaft, zeigen aber auch Wissenslücken und Unsicherheiten gegenüber verbreiteten Impfmythen.

Hohe Zustimmung zu Kinderimpfungen

Die Mehrheit der Eltern in Deutschland steht demnach Kinderimpfungen positiv gegenüber. Rund neun von zehn Eltern mit Kindern unter fünf Jahren halten Impfungen für wichtig für die Gesundheit ihres Kindes. Auch bei Eltern älterer Kinder bleibt die Zustimmung hoch. Impfungen werden zudem mehrheitlich als sicher eingeschätzt. Besonders groß ist das Vertrauen in Kinderärzte: Etwa acht von zehn Eltern geben an, ihnen bei Impfentscheidungen stark zu vertrauen.

Auch das soziale Umfeld unterstützt Impfungen überwiegend. Knapp acht von zehn Eltern berichten, dass Familie und Freunde eine Impfung ihrer Kinder befürworten. Mehr als 80 % gehen zudem davon aus, dass die meisten Eltern in ihrem Umfeld ihre Kinder impfen lassen.

Viele Kinder nicht altersgerecht geimpft

Trotz der hohen Akzeptanz zeigen sich Lücken bei der Umsetzung. Am Beispiel der Diphtherie-, Tetanus- und Pertussis-Impfung (DTP) waren nur etwa sechs von zehn Kindern altersgerecht geimpft. Rund vier von zehn Kinder erhielten Impfungen nicht gemäß Impfplan, knapp 10 % waren ungeimpft.

Lediglich sieben von zehn Eltern möchten alle Impfungen des empfohlenen Impfkalenders durchführen lassen. Rund drei von zehn Eltern befürworten nur ausgewählte Impfungen.

Unsicherheit gegenüber Impfmythen

Auffällig sind die Ergebnisse zur Gesundheitskompetenz. 

Die Hälfte der Eltern verfügt laut Studie über eine eher niedrige impfbezogene Gesundheitskompetenz. Im Durchschnitt beantworten Eltern lediglich fünf von neun Wissensfragen korrekt. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Unsicherheiten bei verbreiteten Impfmythen.

Rund 40 % der Eltern sind unsicher oder stimmen der Falschaussage zu, Kinder würden ohne Impfungen widerstandsfähiger werden. Etwa die Hälfte der Befragten kann die Behauptung, Impfungen könnten Autismus auslösen, nicht eindeutig als falsch erkennen.

Erinnerungssysteme könnten Impfquoten verbessern

Die Autoren sehen deshalb Handlungsbedarf. Erinnerungen an ausstehende Impfungen, etwa per SMS, E-Mail oder App, könnten die Inanspruchnahme erhöhen. Gleichzeitig sollten Impfmythen gezielt entkräftet und leicht zugängliche Informationsangebote ausgebaut werden. Kinderärzte spielen dabei eine Schlüsselrolle, da ihre Empfehlungen einen starken Einfluss auf Impfentscheidungen haben.

Hintergrund

Die Daten stammen aus der ersten Erhebung des Impfakzeptanz-Monitorings IMPRESS im Oktober 2025. Befragt wurden 614 Eltern von Kindern unter sieben Jahren innerhalb des RKI-Panels „Gesundheit in Deutschland“. Ziel des Projekts ist es, Impfverhalten sowie psychologische und soziale Einflussfaktoren regelmäßig zu erfassen.

Autor:
Stand:
08.06.2026
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