Pilotprojekt: Von der gedruckten Packungsbeilage zum Smartphone

Ab dem 3. Quartal 2026 soll in Krankenhäusern getestet werden, ob gedruckte Packungsbeilagen durch digitale Patienteninformationen ersetzt werden können. Das Vorhaben diGItal knüpft an europäische Projekte an und wird von Pharma- und Gesundheitsverbänden unterstützt.

Aerztin zeigt Patientin etwas auf dem Smartphone

Mit dem Projekt „diGItal“ startet in Deutschland ein groß angelegter Praxistest für digitale Patienteninformationen. Im Rahmen eines Krankenhauspiloten werden bei ausgewählten Arzneimitteln teilnehmender Pharmaunternehmen die gedruckten Packungsbeilagen durch digitale Versionen ersetzt. Die ersten entsprechenden Arzneimittelpackungen sollen ab dem 3. Quartal 2026 in den stationären Bereich gelangen. Anschließend wird untersucht, wie sich die Umstellung im Klinikalltag bewährt.

Grundlage sind Erfahrungen aus europäischen Pilotprojekten in 14 Ländern. Diese haben gezeigt, dass im stationären Umfeld auf gedruckte Packungsbeilagen verzichtet werden kann, ohne die Arzneimittelversorgung zu beeinträchtigen.

Gebrauchsinformationen über App und Website

Im Rahmen des Teilprojekts soll nicht nur die grundsätzliche Akzeptanz digitaler Packungsbeilagen untersucht werden. Geprüft wird auch, wie die Informationen im klinischen Alltag bereitgestellt und genutzt werden können. Für die Pilotarzneimittel werden die Gebrauchsinformationen über eine spezielle App sowie eine Website zugänglich gemacht. Durch das Scannen eines Barcodes auf der Umverpackung können Patienten und medizinisches Personal direkt auf die jeweilige Packungsbeilage zugreifen.

Die Projektverantwortlichen wollen damit Erkenntnisse darüber gewinnen, ob sich die in anderen europäischen Ländern bereits erprobte digitale Bereitstellung von Arzneimittelinformationen auf die deutsche Krankenhausversorgung übertragen lässt. Zudem wird fortlaufend dokumentiert, welche Arzneimittel in das Pilotprojekt aufgenommen werden und ab welchem Zeitpunkt Packungen ohne gedruckte Packungsbeilage in Umlauf gelangen.

Verbände treiben Digitalisierung voran

Initiiert wurde das Projekt von den Herstellerverbänden Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Pharma Deutschland, Pro Generika und dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa). Die Umsetzung übernimmt deren Tochterunternehmen ACS PharmaProtect. Das Vorhaben baut zudem auf den Erfahrungen der Initiative „Gebrauchsinformation 4.0“ auf, die bereits 2016 gestartet wurde.

Nach Angaben der Projektpartner sollen digitale Patienteninformationen dazu beitragen, Arzneimittelinformationen schneller, aktueller und nutzerfreundlicher bereitzustellen. Im Gegensatz zu gedruckten Beilagen können elektronische Versionen jederzeit aktualisiert werden und bieten zusätzliche Funktionen wie Suchmöglichkeiten oder eine strukturierte Darstellung.

Bereits Millionen Zugriffe über die elektronische Patientenakte

Ein weiterer Bestandteil des Projekts betrifft die Einbindung elektronischer Patienteninformationen in digitale Angebote der Krankenkassen. Seit Dezember 2025 sind entsprechende Informationen nach Angaben der Initiatoren bereits in rund 35 Millionen elektronischen Patientenakten von zwölf Krankenkassen verfügbar. Weitere Kassen sollen folgen.

Unterstützung von Behörden und Gesundheitswesen

Das Projekt wird nach Angaben der beteiligten Verbände mit Unterstützung der Europäische Kommission, des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und auf Grundlage eines zustimmenden Beschlusses der Arbeitsgemeinschaft der obersten Landesgesundheitsbehörden durchgeführt. Die Initiatoren betonen zudem die breite Unterstützung durch Fachgesellschaften, Krankenkassen, pharmazeutische Unternehmen und Behörden.

Autor:
Stand:
03.06.2026
Quelle:
  1. Bundesverband der Pharmazeutische Industrie (BPI): Pressemitteilung, 28.05.2026
  2. ACS PharmaProtect GmbH: Krankenhauspilot
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