Pyrogene sind für Menschen giftig und können bei parenteraler Gabe lebensbedrohliches Fieber auslösen. Parenteralia müssen daher pyrogenfrei sein. Der Test auf Pyrogene zählt zu den im Arzneibuch vorgeschriebene Sicherheitstests.
Das Europäische Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (European Directorate for the Quality of Medicines and HealthCare, EDQM) hat 59 Texte, die sich im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) mit Pyrogentests befassen, zur öffentlichen Konsultation veröffentlicht. Dabei handelt es sich um das neue allgemeine Kapitel 5.1.13. „Pyrogenität“ und 58 überarbeitete Texte. Die Kommentierungsfrist endet am 31. März 2023 [1].
Die betroffenen Texte beziehen sich unter anderem auf Impfstoffe für den menschlichen Gebrauch, Blutprodukte, Antibiotika, Radiopharmazeutika und Behälter. Sie wurden überarbeitet, um den traditionell zum Pyrogen-Nachweis angewendeten Tierversuch durch eine In-vitro-Alternative zu ersetzen. Der Kaninchen-Pyrogentest (Rabbit Pyrogen Test, RPT) soll damit endgültig obsolet werden [1].
Kaninchen-Pyrogentest
Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) werden in Deutschland jährlich etwa 6.000 bis 7.000 Kaninchen für den RPT eingesetzt. Der Tierversuch ist anzeigepflichtig und wurde von den zuständigen Landesbehörden gewöhnlich für jeweils fünf Jahre genehmigt [2].
Die rechtliche Grundlage zur Genehmigung von RPTs änderte sich allerdings mit der EU-Richtlinie 2010/633 („Schutz von Versuchstieren“). RPTs durften seitdem nur noch im Ausnahmefall durchgeführt werden. Dazu musste der Antragsteller experimentell belegen, dass alternative Tests nicht zum Nachweis geeignet waren [2].
Umstieg auf Ersatzmethoden
Dem größten deutschen Auftragstester verweigerte die zuständige Landesbehörde 2018 die pauschale Verlängerung der RPTs um weitere fünf Jahre. Die betroffene Arzneimittelhersteller mussten für ihre Arzneimittel Pläne einreichen, in denen sie darlegen, wie sie auf andere Testverfahren umstellen wollen. Damit die Patientenversorgung nicht gefährdet ist, wurden daraufhin befristete Einzelgenehmigungen für den RPT erteilt [2].
Ein seit Jahrzehnten etabliertes Ersatzverfahren ist der spezifische Test auf bakterielles Endotoxin, welches das stärkstes bekannte Pyrogen ist (2.6.14. „Bakterielle Endotoxine“). Der Test ist als Bakterien-Endotoxin-Test (BET) oder Limulus-Amöbozyten-Lysat (LAL) bekannt. Seine Hauptkomponente wird aus der Hämolymphe von Pfeilschwanzkrebsen wie Limulus polyphemus gewonnen. Pro Jahr wird dazu etwa 500.000 Tieren ein Teil ihres Blutes entnommen. Die meisten Tiere überleben die Prozedur, viele Populationen sind jedoch bedroht [2].
Rekombinante Herstellung
Die Zahl der BET-Testungen nimmt weltweit zu, während die Tierressource limitiert ist. Mittlerweile kann die für den Test entscheidende Blutkomponente, der sogenannte Faktor C, rekombinant hergestellt werden (rFC). Eine Monografie, die die Verwendung des rFC beschreibt, findet sich seit 2016 im Arzneibuch (2.6.32. „Test auf bakterielle Endotoxine mit rekombinantem Faktor C“). Für den rFC werden keine Wildtiere benötigt [2].
Monozyten-Aktivierungstest
Mit dem BET können nur Pyrogene, die Endotoxine sind, erfasst werden. Diese Lücke kann der Monozyten-Aktivierungstest (MAT) füllen. Als Alternative zum RPT hat dieser Test ebenfalls eine Arzneibuchmonografie (2.6.30. „Monozyten-Aktivierungstest“). Beim MAT wird eine Fieberreaktion in vitro mit menschlichen Blutzellen nachgestellt [2].
Im neuen Kapitel 5.1.13. „Pyrogenität“ soll Anwendern geholfen werden, den BET oder MAT als Kontrollmethode einzuführen. Der BET kann nach einer Risikoanalyse als einziger Pyrogentest verwendet werden. Dafür muss der Antragsteller jedoch belegen, dass in seinem Produkt keine Pyrogene enthalten sein können, die vom BET nicht erkannt werden [3].
Mehr Tierschutz im Arzneibuch
Die Europäische Arzneibuch-Kommission hatte im Juni 2021 beschlossen, den RPT durch andere Verfahren zu ersetzen. Details dazu wurden im September 2022 veröffentlichten Strategiepapier zur Pyrogenität beschrieben. 2026 soll das Arzneibuchkapitel zum RPT endgültig gestrichen werden. Mit den modernen tierversuchsfreien Tests sind nach Meinung des PEI die Weichen für eine fortschrittliche und nachhaltige Pyrogen- bzw. Endotoxintestung gestellt [1-3].










