Die aktuellen „OTC-Daten 2026“ des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) verdeutlichen die anhaltend hohe Bedeutung der Selbstmedikation. Im Jahr 2025 wurden insgesamt rund 941 Millionen Packungen verschreibungsfreier Arzneimittel über Apotheken und Versandhandel abgegeben. Damit entfällt weiterhin mehr als jede zweite Arzneimittelpackung auf den OTC-Bereich.
Auch wirtschaftlich zeigt sich der Markt robust: Der Umsatz stieg auf 11,5 Milliarden Euro, was einem Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gleichzeitig entwickelte sich jedoch der Absatz rückläufig und sank insgesamt um etwa 1 Prozent. Diese gegenläufige Entwicklung deutet darauf hin, dass Preis- und Strukturverschiebungen, etwa hin zu höherpreisigen oder präventionsorientierten Produkten, den Markt zunehmend prägen.
Erkältungsmittel weniger gefragt
Nach wie vor stellen Husten- und Erkältungsmittel die wichtigste Produktgruppe im OTC-Markt dar und machen etwa ein Drittel des Absatzes aus. Entsprechend stark beeinflussen saisonale Infektionswellen die Marktentwicklung.
Im Jahr 2025 fiel die Erkältungssaison im Herbst vergleichsweise schwach aus. Das führte zu einem Rückgang der verkauften Packungen in diesem Segment um 3,2 Prozent in Apotheken und Versandhandel. Auch außerhalb der Apotheken zeigte sich ein ähnliches Bild, wenn auch weniger ausgeprägt. Die Zahlen unterstreichen, wie stark klassische OTC-Segmente weiterhin von epidemiologischen Faktoren abhängen.
Wachstum bei Vitaminen
Im Gegensatz dazu entwickelten sich Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsergänzungsmittel (NEM) ausgesprochen dynamisch. Diese Produktgruppe verzeichnete in Apotheken ein Absatzplus von 7,5 Prozent und zählt damit zu den klaren Gewinnern des Jahres.
Der Trend spiegelt ein verändertes Gesundheitsverständnis wider. Verbraucher setzen zunehmend auf Prävention, Selbstoptimierung und langfristige Gesunderhaltung. NEM spielen dabei eine wichtige Rolle, sind allerdings regulatorisch nicht den Arzneimitteln zugeordnet und dienen primär der Ergänzung der Ernährung.
Versandhandel legt zu
Die stationäre Apotheke bleibt der wichtigste Vertriebsweg im OTC-Markt. Rund 77 Prozent aller Packungen werden weiterhin vor Ort verkauft. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine leichte Verschiebung zugunsten des Versandhandels, der seinen Anteil sowohl beim Umsatz als auch beim Absatz weiter ausbauen konnte. Diese Entwicklung verdeutlicht den zunehmenden Wettbewerb zwischen Offizin und digitalen Vertriebsstrukturen, ohne die Rolle der Apotheke grundsätzlich infrage zu stellen.
Selbstmedikation entlastet das Gesundheitssystem
Die Bedeutung der OTC-Arzneimittel reicht über den Markt hinaus. Da die Kosten für verschreibungsfreie Präparate überwiegend von den Patienten selbst getragen werden, leisten sie einen Beitrag zur Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung. Gerade bei leichten Erkrankungen wie Erkältungen, Magen-Darm-Beschwerden oder Schmerzen ermöglicht die Selbstmedikation eine effektive und niedrigschwellige Versorgung.
Zwischen Wachstum und strukturellem Druck
Trotz stabiler Umsatzentwicklung steht die Branche vor Herausforderungen. Steigende Produktionskosten, Lieferengpässe, Fachkräftemangel und eine insgesamt schwache wirtschaftliche Entwicklung belasten die Unternehmen. Auffällig ist zudem, dass die Preise für OTC-Produkte weniger stark gestiegen sind als die allgemeine Inflation. Das deutet auf einen intensiven Wettbewerb und eine begrenzte Möglichkeit hin, Kostensteigerungen vollständig an Verbraucher weiterzugeben.
Die Selbstmedikation bleibt damit nicht nur ein wirtschaftlich bedeutender Markt, sondern auch ein wichtiger Baustein der Gesundheitsversorgung. Strukturelle Herausforderungen nehmen jedoch auch für diesen Marktanteil zu.












