Starke Beteiligung der Apotheken: Tausende schließen sich Protesten an

Am 14. Juni haben die Apotheken in Deutschland gegen anhaltende Lieferengpässe, übermäßige Bürokratie, steigende Kosten und eine jahrelange Stagnation der Apothekenhonorare protestiert. Die Reaktion des Gesundheitsministers auf den Protest erhielt viel Kritik.

Protest

Tausende von Apotheken in Deutschland hatten am 14. Juni geschlossen und nahmen an großen Demonstrationen teil, um gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung zu protestieren. Die Apothekerschaft klagt über anhaltende Lieferengpässe, übermäßige Bürokratie, steigende Kosten und eine jahrelange Stagnation der Apothekenhonorare. Die fehlende Wertschätzung seitens der Regierung belaste insbesondere angesichts des unermüdlichen Einsatzes der Apotheken während der Pandemie und der Lieferengpass-Krise. Die Apotheken fordern eine bessere Zukunftsperspektive, höhere Honorare, weniger Bürokratie und mehr Entscheidungskompetenz.

Hohe Teilnahme der Apotheken

Der Protesttag war für die Apotheken von großer Bedeutung, da er ein starkes Signal an die Politik sendete. Laut einer Umfrage der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) an 4.030 Apothekenleitern waren rund 86% der Apotheken ganztags geschlossen, während weitere 8% anderweitig an den Protesten teilnahmen. Um die Arzneimittelversorgung aufrechtzuerhalten leisteten 5% der Apotheken Notdienste. Nur 1% nahm gar nicht an den Protesten teil. Zudem fanden in mehreren Städten zentrale Protestveranstaltungen statt, bei denen sich weit mehr als 12.000 Menschen versammelten.

Bessere Versorgung und Zukunftsperspektive

ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening betonte in einem Video-Statement die Wichtigkeit der qualitativ hochwertigen Versorgung der Patienten vor Ort und die Entschlossenheit der Apotheken, dafür zu kämpfen. Sie forderte die Politik auf, die Anliegen ernst zu nehmen und die Arzneimittelversorgung langfristig sicherer zu gestalten. Insbesondere für den pharmazeutischen Nachwuchs sei eine bessere Zukunftsperspektive notwendig.

Die Apothekenbranche erwartet nun, dass die Politik auf die Forderungen eingeht und das Lieferengpassgesetz so ändert, dass die Versorgungssicherheit in den nächsten Jahren gewährleistet ist. Höhere Honorare, weniger Bürokratie und das Ende der Nullretaxationen sind zentrale Forderungen, um den Apotheken und dem pharmazeutischen Nachwuchs eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Reaktion des Gesundheitsministers

Die Protestierenden in Berlin zogen auch am Büro des Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach vorbei. In Reaktion darauf veröffentlichte dieser auf seinen Social media-Kanälen ein Foto des Protestzuges aus der Vogelperspektive. Die Bildunterschrift lautet »Heute großer Apotheker-Streik vor meinem Büro. Sie skandieren „…wir sind viele, wir sind laut, weil er uns die Kohle laut…“«.

Die Kommentare zu diesem Beitrag fallen insbesondere von Apothekenpersonal sehr kritisch aus. Nicht nur, weil der Protestruf falsch zitiert wurde, der korrekt „weil er uns die Zukunft klaut“ lautet. Es wird dem Minister vorgeworfen den Protest auf das Honorar zu reduzieren und nicht zu verstehen, dass es auch um Entbürokratisierung, das Apothekensterben und Sicherheit gegenüber Nullretaxationen geht. Zudem wird betont, dass auch PTA (Pharmazeutisch-Technische Assistenten) und PKA (Pharmazeutisch-Kaufmännische Assistenten) am Streik beteiligt waren.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hatte bereits im Vorfeld des Protesttags Kritik aus der Apothekerschaft erhalten. Das Ministerium veröffentlichte ein Factsheet mit dem Titel "Situation der Apotheken 2023 – Auf einen Blick". Die ABDA-Präsidentin warf dem BMG unter anderem vor, den Unterschied zwischen Umsatz und Ertrag nicht zu verstehen und in dem Papier die Herausforderungen selbstständiger Unternehmer außer Acht zu lassen.

Letze Chance für Änderungen im Lieferengpass-Gesetz

In knapp einer Woche wird das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) verabschiedet. „Die Politik ist nun am Zug. Noch eine Woche lang haben die Bundestagsabgeordneten Zeit, das Lieferengpassgesetz so zu ändern, dass die Arzneimittelversorgung in den nächsten zehn bis 20 Jahren sicherer wird.“, so Overwiening. Der Bundesrat hat sich bereits für die Anpassung des ALBVVG zugunsten der Apotheken ausgesprochen. Ob und welche Änderungen übernommen werden, bleibt abzuwarten.

Autor:
Stand:
16.06.2023
Quelle:
  1. ABDA, Pressemitteilung, 15. Juni 2023
  2. ABDA, Pressemitteilung, 14. Juni 2023
  3. Instagram-Post karl_lauterbach_mdb vom 14. Juni 2023
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