Ein internationales Forschungsprojekt im Auftrag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat mögliche neue Gesundheitsrisiken durch Nahrungsergänzungsmittel (NEMs) untersucht. Im Fokus standen pflanzliche Inhaltsstoffe und andere Substanzen außer Vitaminen und Mineralstoffen.
Projekt bündelt Meldungen aus mehreren Ländern
Im Rahmen des Projekts „The European Food Supplement Project“ werteten Experten aus sieben europäischen Ländern Meldungen aus Nutrivigilanz-Systemen, Giftinformationszentren und weiteren Überwachungssystemen aus. Ziel war es, Inhaltsstoffe von MEMs zu identifizieren, die künftig im Rahmen von Artikel 8 der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 prioritär bewertet oder reguliert werden könnten.
Das Projekt bestand aus zwei Arbeitspaketen. Im ersten suchten die Wissenschaftler nach bisher wenig bekannten Risiken anhand schwerer Nebenwirkungsmeldungen. Im zweiten untersuchten sie pflanzliche Präparate auf natürlich vorkommende potenziell toxische Inhaltsstoffe.
Strenge Auswahl schwerer Fälle
Für die Analyse berücksichtigten die Forscher ausschließlich schwere oder tödliche Nebenwirkungen sowie Fälle mit einer wahrscheinlichen oder sehr wahrscheinlichen Kausalität zwischen NEM und unerwünschter Wirkung. Fälle, deren Beschwerden durch Vitamine oder Mineralstoffe erklärt werden konnten, wurden ausgeschlossen. Insgesamt flossen 130 Fälle mit 237 verschiedenen Inhaltsstoffen in die Auswertung ein. Nach einer Literaturrecherche bewerteten die Autoren 533 Kombinationen aus Inhaltsstoff und Nebenwirkung hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Dokumentation.
Sechs Inhaltsstoffe möglicherweise problematisch
Als mögliche Quellen neu auftretender Risiken identifizierte das Projekt sechs Inhaltsstoffe beziehungsweise Pflanzen:
- Bifidobacterium
- Coleus (Plectranthus barbatus)
- Guggul (Commiphora mukul)
- Toothed clubmoss (Huperzia serrata)
- Schwarzer Rettich (Raphanus sativus L.)
- Ginseng (Panax ginseng)
Diese Bestandteile von NEMs wurden als potenzielle Risikosignale eingestuft, weil sie in schwerwiegenden Fällen mit hoher Kausalität auffielen und die zugrunde liegenden Zusammenhänge bislang nur begrenzt wissenschaftlich dokumentiert sind.
Die Autoren wiesen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass sich jeder dieser Stoffe lediglich auf einen einzelnen Fall mit hoher Schwere und hoher Kausalität stützt. Daher seien weitere Untersuchungen erforderlich, um die beobachteten Zusammenhänge zu bestätigen oder zu widerlegen. Gleichzeitig empfehlen sie, die europäischen Nutrivigilanz-Systeme weiter auszubauen und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu intensivieren.
Pflanzliche Inhaltsstoffe im Fokus
Im zweiten Projektteil untersuchten die Wissenschaftler pflanzliche NEMs auf potenziell problematische Naturstoffe. Ausgangspunkt waren 52 Substanzen aus dem EFSA-Compendium zu Botanicals, die auf Basis experimenteller Daten oder computergestützter Vorhersagen als möglicherweise genotoxisch, karzinogen oder reproduktionstoxisch eingestuft wurden. Daraus leiteten die Autoren 229 Pflanzen ab, die diese Stoffe enthalten könnten, und prüften deren Vorkommen in NEMs auf europäischen Märkten.
Besonders häufig fanden sich drei Stoffe in pflanzenhaltigen Produkten: Furfural, Emodin und Chrysophanol. Nach Einschätzung der Autoren sind jedoch weitere Daten nötig, um die tatsächliche Exposition europäischer Verbraucher und das daraus resultierende gesundheitliche Risiko verlässlich bewerten zu können.












